Finanzberaterin zockt Kunden in großem Stil ab

Eine Erzgebirgerin steht im Verdacht, ihre Kunden um mindestens 150.000 Euro betrogen zu haben. Sie sitzt in U-Haft. Doch das letzte Urteil ist noch nicht gesprochen.

Erzgebirge.

Die Beraterin sei freundlich, nett und zuvorkommend gewesen, als sie dieser die Finanzierung für eine Haus-Sanierung anvertraut hatte. Ein Projekt für ihre Kinder, sagt die Erzgebirgerin. Heute weiß sie: Sie hat sich von einer Betrügerin täuschen lassen - wie mindestens ein Dutzend anderer Kunden auch. Sie alle wurden abgezockt in großem Stil, um einen sechsstelligen Betrag betrogen. Das zumindest sehen Staatsanwaltschaft und Richter Steffen Müller als erwiesen an.

Drei Jahre und drei Monate Haft: So lautet das Urteil gegen eine selbstständige Versicherungsmaklerin und Finanzdienstleisterin aus dem Erzgebirge, die sich vor dem Amtsgericht Marienberg wegen mehrfachen gewerbsmäßigen Betrugs verantworten musste. "Ich habe selten jemanden erlebt, der so skrupellos vorgeht, selbst Verwandte, Bekannte und Freunde abzockt", sagt Richter Müller. Die unter anderem bereits wegen Betrugs vorbestrafte Frau steht im Verdacht, im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit seit 2014 in einem Dutzend Fällen Geld von Kunden betrügerisch erlangt und nicht ordnungsgemäß verwendet zu haben. Der Schaden für die Betroffenen beläuft sich auf etwa 150.000 Euro. Das zumindest war Gegenstand der Hauptverhandlung. Die Staatsanwaltschaft gehe von deutlich mehr Fällen aus. Viele seien verjährt, so der Richter.

Die gelernte Bankkauffrau sei dabei stets nach dem gleichen Schema vorgegangen, habe Kunden versprochen, Anlagen und Finanzierungsmodelle optimieren zu können. Auch die betroffene Erzgebirgerin habe sich erst im Laufe der Zeit gewundert, dass die Anlage kein Geld abgeworfen hat, dass das von ihr investierte Geld offenbar woanders hingeflossen sein müsse. "Danach habe ich mir anwaltliche Hilfe gesucht." Die Angeklagte selbst sagte vor Gericht aus, sie sei in einen Strudel, in ein Schuldenkarussell geraten, erklärt der Richter: "Dennoch hat sie auch einen Teil des Geldes für sich selbst verwendet."

Die Hauptverhandlung in dem Prozess hat viel Zeit und Geduld in Anspruch genommen. Es wurden Zeugen und Geschädigte befragt, Kreditinstitute und Polizeibeamte hinzugezogen. Schließlich räumte die Angeklagte vor einigen Wochen vor Gericht die Straftat ein. "Ohne Geständnis hätte es noch viel länger gedauert", so der Richter. Neben drei Jahren und drei Monaten Gefängnisstrafe sprach er ihr ein Berufsverbot aus. Zudem wird sie verpflichtet, auf Grundlage der Vermögensabschöpfung den Gesamtschaden zurückzuzahlen.

Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Sowohl die Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft haben Berufung eingelegt. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten - unter Einbeziehung einer Geldstrafe aus einer früheren Verurteilung, teilt Oberstaatsanwältin Ingrid Burghart mit. Nun muss sich das Landgericht Chemnitz mit dem Fall befassen. Die Angeklagte sitzt weiter in Untersuchungshaft. Die hatte der Richter bereits im September vergangenen Jahres wegen Wiederholungsgefahr angeordnet.

Trotz seines Urteils ist Müller bewusst, dass die Geschädigten ihr Geld wohl nie zurückbekommen werden. Auch die betroffene Erzgebirgerin sagt: "Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber ich bin Realist."

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