Fotowettbewerb für das Erzgebirge: Das sind die Menschen hinter den Siegerbildern

Am heutigen Mittwoch startet der neue Leser-Fotowettbewerb. Doch wie gelingen Bilder, die das Zeug zum Gewinnen haben? "Freie Presse" stellt die Macher, Geschichten und Kniffe zu den besten fünf Fotos von 2020 vor.

Erzgebirge.

Das Vater-Tochter-Team hat sich wieder einmal bewährt. Bereits beim Wettbewerb 2017 gewann Maik Rolle - er hinter der Kamera, Kim vor der Linse. Damals war es ein Pusteblumenbild, und auch beim siegreichen Bild 2020 hat der Marienberger seine Tochter blumig in Szene gesetzt, aber auf völlig andere Weise. Das Mädchen mit gelbem Kleid wirft in einem Meer von Löwenzahn ihren Sonnenhut empor. Das Gewinnerfoto aus dem Frühling - ein Sieg im Fotowettbewerb mit Ansage? Rolle schmunzelt. "Ich habe aus Geigel mitgemacht. Der Sieg kam für mich überraschend, denn das Bild ist auch eher spontan entstanden", sagt er. Der 43-jährige Marienberger war mit Kim (10) bei schönem Wetter zwischen Lauterbach und Kalkwerk unterwegs. "Als ich die Blumenwiese sah, habe ich gesagt: ,Wir fahren heim und holen das gelbe Kleid.'"

Wieder vor Ort, zückte er seine Canon EOS 7D mit dem Canon 50mm-1.8er-Objektiv. Den Fokuspunkt setzte er auf seine Tochter. "Ich musste Kim gar nichts weiter sagen, was sie vor der Kamera tun soll. Die Idee mit dem Hut werfen war ihre", erzählt der 43-Jährige. Er präferiert Festbrennweiten, nutzt gerne auch das Canon 85mm 1.8. Der Hobbyfotograf schätzt den Zwang, sich intensiv mit dem Bildausschnitt befassen zu müssen. Hinzu kommt die hohe Lichtstärke, die das Freistellen von Objekten ermöglicht. Außerdem besitzt der Erzgebirger ein Teleobjektiv Sigma 150-600mm für Tierfotografie. "Ich fotografiere im RAW-Format. Das sollte man machen, wenn man die Bilder hinterher bearbeiten will", rät er, denn das Rohdatenformat garantiert dabei deutlich mehr Spielraum. Die zehnjährige Kim fühlt sich derweil auch hinter der Kamera wohl und übt sich in der Bildbearbeitung, etwa mit Adobe Lightroom. Und wer weiß, vielleicht läuft es eines Tages anders herum - und sie lichtet ihren Papa für ein preisverdächtiges Foto ab.

Bilder aus der Vogelperspektive haben es Alexander Nix angetan. Der Zweitplatzierte aus Lauter-Bernsbach kennt sich gut in der Region aus und nutzt zudem Google Maps, um passende Stellen für die Drohnenfotografie aufzuspüren. "Straßen- und Serpentinenbilder sind ein Trend", sagt der 30-Jährige, das sehe man bei Instagram, wo er sich gern Inspiration holt. "Ich habe mir überlegt, wo man so was hier machen könnte", so Nix. So kam ihm die Straße zwischen Grünhain und Elterlein in den Sinn. Bewusst wählt er den Herbst, um die Farbenpracht mitzunehmen. Dass sich genau in der Kurve die besonders bunten Laubbäume befanden, sei Glückssache gewesen. Sein Foto, das aus sechs Einzelbildern besteht, nahm er im Weitwinkelmodus auf. Nix rät Leuten, die ebenfalls ins Fotografieren mit Drohne einsteigen wollen, zunächst intensiv die Steuerung zu üben, um weder andere noch die Drohne zu gefährden. Zudem sei es wichtig, das Rechtliche zu kennen. Etwa: Wo darf ich fliegen? Außerdem ist seit diesem Jahr für Drohnen über 250 Gramm ein Führerschein Pflicht.

Es heißt nicht umsonst "Vordergrund macht Bild gesund", sagt Stefan Hahnewald. Dass in dem Sprichwort Wahres steckt, sieht man in seinem drittplatzierten Bild, in dem ein Fenster der Schreckenbergruine den Blick auf Annaberg umsäumt. "Ich lege viel Wert auf den Fotoaufbau", erzählt der 35-Jährige. "Der Rahmen bot sich an, auch die schöne Wolkenzusammensetzung fiel mir ins Auge." Auf den Schreckenberg als Ziel kam der Chemnitzer beim Wandern auf dem Bergbaulehrpfad. Hahnewald geht gern in die Natur, sucht sich extra Orte für Landschaftsfotografie aus. "Ich nutze dabei Apps, mit denen man mit dem Stand von Sonne und Mond planen kann", berichtet er. Für die Fotobearbeitung auf dem Smartphone schätzt er indes die App Snapseed.

Landschaftsfotograf René Illgen überlässt ungern etwas dem Zufall - Berge kann er natürlich nicht versetzen, aber Pilze. So geschehen bei seinem gekürten Foto, das aus insgesamt acht Aufnahmen besteht. Die Kamera platzierte er auf einem Stativ. Den Knollenblätterpilz im Vordergrund hob er auf eine Wurzel, sodass im Hintergrund der Himmel durchscheint. Diesen fotografierte er mit einer Offenblende von 1.8, um die Lichter verschwimmen zu lassen. "Ich wollte auch etwas im Mittelgrund haben", beschreibt Illgen, warum er auch die Pilzgruppe, die rechts zu sehen ist, versetzte. Die übrigen sechs Aufnahmen mit Zoomobjektiv verwendete er für das Hauptmotiv, das er mit zwei, drei kleinen Taschenlampen auf Stativen ausleuchtete. Illgen: "Je kleiner das Motiv ist, desto mehr Bilder werden wegen der Schärfentiefe benötigt", erklärt Illgen das Prinzip des Focus Stacking, das er angewendet hat. "Bei dem Foto ist alles inszeniert, aber es sollte nicht künstlich wirken", fasst der 38-Jährige zusammen. Es entstand binnen zehn Minuten in einem Wald bei Rauenstein. "Zeit hatte ich nicht ewig, man hat dieses Bokeh im Hintergrund nur in der Dämmerung."

"Ich fotografiere sehr gerne, aber eigentlich nur in Familie, für schöne Erinnerungen und den privaten Gebrauch", sagt Cordula Hellmich. Ihr Silhouette-Bild entstand bei einem Familienausflug am Oberbecken in Markersbach. Es zeigt die achtjährige Hanna, die älteste ihrer drei Töchter. "Die Lichtstimmung war schön und meine große Tochter ist sehr sportlich. Also sagte ich: ,Komm, spring mal hoch'", veranschaulicht die 30-Jährige. Bewusst setzte sie die Belichtung auf den Himmel, um das Mädchen im Vordergrund als Kontur erscheinen zu lassen. "Meine schönsten Bilder ", resümiert Cordula Hellmich, "entstehen bei der richtigen Lichtstimmung, wenn es die Natur hergibt."

Platz 1

Wenn Maik Rolle mit seiner Tochter Kim unterwegs ist, gibt er der Zehnjährigen, die sich auch für das Fotografieren begeistert, Hilfestellung bei technischen Fragen und auch bei der Motivauswahl. Den Sieger-Gutschein will er in ein leichtes Telezoomobjektiv investieren, mit dem Kim Tiere fotografieren kann. Maik Rolle ist im Internet unter www.facebook.com/hugo.klein.79 zu finden. Zudem setzt er gemeinsam mit Andreas Maul - www.maul-fotografie.de - unter anderem ein Fotoprojekt gegen häusliche Gewalt um. Die beiden suchen noch Leute, die sich beteiligen wollen.

2. Platz: Die Draufsicht

Alexander Nix (30) aus Lauter-Bernsbach hat sich letztes Jahr im August eine Drohne der Marke DJI zugelegt. Am Anfang nutzte er sie hauptsächlich für Videos, die er auch bei Youtube veröffentlichte. "Dann habe ich gemerkt, dass doch eher Fotos mein Ding sind", sagt er. Alexander Nix schaffte sich auch eine Spiegelreflexkamera an, zunächst zum Experimentieren und für Porträtfotos. Er will stärker in die Landschaftsfotografie einsteigen und möchte daher ein Weitwinkelobjektiv kaufen. urm

Instagram: All_in_Focus_

3. Platz: Der Rahmen

Stefan Hahnewald (35) lässt seine Spiegelreflexkamera, eine Canon EOS 700D, immer öfter zuhause, zugunsten von Drohne und Smartphone. Mit einem Xiaomi Mi A3 hat er das Bild auf dem Schreckenberg aufgenommen. Die Canon-Kamera nutzt er noch bei Nachtaufnahmen und Langzeitbelichtung, wegen des besseren Rauschverhaltens im Vergleich zum Smartphone.urm
Instagram: my_art_i_like

4. Platz: Die Komposition

René Illgen (38) lebt in Pockau-Lengefeld und hat ein Faible für Landschaftsfotografie. Den Knollenblätterpilz hat er mit einer Canon EOS 7D ins rechte Licht gerückt. Als Objektive verwendete er ein Canon 18-135mm und ein Canon 50mm 1.8. Das Gesamtfoto setzte er mit Helicon Focus Pro zusammen. Die Stacking-Software kombiniert mehrere Aufnahmen mit versetztem Fokuspunkt zu einem Bild mit erhöhter Schärfentiefe.urm
Instagram: rene_illgen

5. Platz: Das Spontanbild

Cordula Hellmich (30) besitzt eine Digitalkamera, bevorzugt jedoch das Fotografieren mit dem Smartphone, ihrem Huawei P20. "Weil sich die schönsten Sachen immer spontan ereignen", sagt die Hobbyfotografin aus Lauter-Bernsbach - das Handy habe man einfach schneller zur Hand. Zum Mitmachen beim Fotowettbewerb der "Freien Presse" habe sie ihre Schwiegermutter animiert: "Ich wäre selber gar nicht auf die Idee gekommen, es ist doch ein Alltagsschnappschuss." urm

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