Frank Schöbel: "Ich habe 'ne Energie wie ein Pferd"

Frank Schöbel kommt mit seinem Klassiker "Fröhliche Weihnachten in Familie" auch ins Erzgebirge - Junge Gesangstalente mit von der Partie

Annaberg-Buchholz.

Anfang Dezember feiert er seinen 77. Geburtstag. Wenige Tage vorher steht er in Annaberg-Buchholz auf der Bühne in der Festhalle: Frank Schöbel. Das Energiebündel gehört nach wie vor zu den beliebtesten Schlagersängern des Landes. Antje Flath hat vor seinem Weihnachtskonzert mit dem gebürtigen Leipziger unter anderem über sein ganz persönliches Erfolgsrezept gesprochen.

"Freie Presse": In jungen Jahren haben Sie einmal gesagt: "Ich brauche es, das Gefühl, überall, wo der Bär tobt, dabei zu sein." Daran scheint sich bis heute nichts geändert zu haben - obwohl sie geradewegs auf Ihren 77. Geburtstag zusteuern. Woher nehmen Sie diese unglaubliche Energie?

Frank Schöbel: Das muss wohl meine Mutter mit meinem Vater "eingefädelt" haben. Ich habe 'ne Energie wie ein Pferd.

Ihr Erfolgsrezept haben Sie einmal so beschrieben: "100 Gramm F-Dur, ein Viertel a-Moll, 'ne Brise Gefühl, rhythmisch aufkochen, mit Humor abschrecken und freundlich servieren." Hat sich daran in den rund 60 Jahren, in denen sie nun schon auf der Bühne erfolgreich sind, etwas geändert?

Nein. Eine Brise Gefühl, rhythmisch aufkochen, mit Humor abschrecken und freundlich servieren. Das sehe ich heute immer noch so.

Viele ihrer mehr als 350 komponierten Lieder und etwa 600 gesungenen Titel sind Hits. Doch das Album "Weihnachten in Familie" ist zu einem besonderen Meilenstein ihrer Karriere geworden. Mit dem daraus entstandenen Programm sind sie auch in diesem Jahr wieder unterwegs. Was macht die besondere Faszination dieser Konzerte aus?

Das müssen Sie das Publikum fragen. Jemand hat mal geschrieben, es sei dieses unverkitschte, ehrliche Musizieren auf der Bühne und der Spaß dabei.

Die Mitglieder der ursprünglichen Weihnachtsfamilie sind längst ihre eigenen Wege gegangen. Doch gibt es im Rahmen der Konzertreihe möglicherweise ein Wiedersehen mit ihrer langjährigen Wegbegleiterin Aurora Lacasa und den beiden Töchtern?

Nein. Aurora hat sich 2015 leise von diesem Beruf verabschiedet. Odette arbeitet hinter der Bühne als Bühnenbildner und Dominique geht ihre eigenen musikalischen Wege.

Sie besuchen in der Adventszeit das Erzgebirge - die Wochen im Jahr, in denen von dieser Region eine ganz besondere Faszination ausgeht. Kennen Sie die Region und ihren Weihnachtszauber?

Ja klar. Ich war oft genug im Erzgebirge - ob in Altenberg oder Oberwiesenthal. Meist zum Skifahren. Und zur Adventszeit sind die kleinen Städtchen sehr anheimelnd und warm geschmückt. Ich freue mich schon darauf.

Sie selbst haben einst beim Treffen junger Talente sozusagen zum ersten Mal "Herzklopfen kostenlos" erlebt. Das Gefühl vermitteln Sie in Ihrem Konzert in Annaberg-Buchholz auch Kindern aus der Region, die mit Ihnen singen werden. Ein besonderer Programmpunkt?

Na klar. Zum Weihnachtskonzert gehören nun mal unbedingt Kinder. Der Veranstalter hat einen Aufruf gestartet, wer mit mir singen möchte. Und es haben sich glücklicherweise viele gemeldet. Außerdem ist bereits zum dritten Mal das Ausnahmetalent Franziska Wiese mit ihrer Violine dabei und - neben meiner Band - auch noch Mario Rühl. Er spielt seit einigen Jahren viele Rollen als Sketchpartner in meiner Fernsehsendung und war früher beim Schauorchester Ungelenk.

Derzeit wird am Boulevardtheater in Dresden "Die Frank Schöbel Story" erarbeitet, in der sie natürlich selbst mitspielen. Die Premiere ist für März 2020 angekündigt. Anschließend soll die Produktion auch anderswo in Ostdeutschland gezeigt werden. Auch in Annaberg-Buchholz vielleicht? Eine passende Bühne hätte das altehrwürdige Eduard-von-Winterstein-Theater auf alle Fälle zu bieten.

Ich habe gerade das Buch dafür fertig geschrieben. Wir arbeiten zur Zeit am Bühnenbild. Ab Januar gehen die Proben los. Ab Ende Oktober, Anfang November gehen wir auf Tour in die Theater. Wo genau, das kann aber nur der Veranstalter sagen.

Welche neuen Ideen dürfen Ihre Fans im nächsten Jahr sonst von Ihnen erwarten?

Von mir ist gerade eine neue CD "Wir leben los" erschienen. Und ich werde wieder in vielen Fernsehsendungen sein. Das Bühnenstück im März wird sehr viel Arbeit und Kraft kosten. Eine nächste Sache ist in Vorbereitung. Aber Ideen sollte man lieber für sich behalten, sonst macht's ein anderer. af


Der Posaunenengel

Musik hat im Leben von Frank Schöbel schon immer eine große Rolle gespielt. Schon bei seiner Geburt soll der betreuende Arzt ausgerufen haben: "ein Posaunenengel". Aus einer Karriere als Thomaner wurde allerdings nichts - Kammersänger Reiner Süß hatte ihm schon im Vorbereitungslehrgang eine 5 verpasst. Stattdessen wurden Geige, Klavier und Akkordeon seine ersten Wegbegleiter. Mit der Gitarre auf dem heimischen Balkon entstanden schließlich erste eigene Lieder. Die ersten Auftritte ließen nicht lange auf sich warten. Ab 1. Mai 1962 wurde der ausgebildete Mechaniker dann auch beruflich Musiker und Sänger. Das Lied "Wie ein Stern" bringt ihm 1971 auch den internationalen Durchbruch. 1985 nimmt er "Weihnachten in Familie" mit seiner damaligen Partnerin Aurora Lacasa und den beiden Töchtern Dominique und Odette auf. Die Platte ist bis heute die meistverkaufte des einstigen Plattenlabels Amiga. (af)

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