Freie Fahrt nach Tschechien

Der Saisonverkehr ist mit zweimonatiger Verspätung angelaufen. Das erste Wochenende zog nicht nur Fahrgäste an.

Cranzahl.

Mit dem kalendarischen Sommeranfang ist am Wochenende auch der grenzüberschreitende Zugverkehr zwischen Cranzahl und Vejprty fahrplanmäßig in die Saison 2020 gestartet. Pünktlich 10.09 Uhr zückte Fahrdienstleiter Heiner Riedel am Sonnabend die Abfahrtskelle und gab Triebwagenführer Petr Duštira erstmals offiziell das Gleis bis ins elf Kilometer entfernte Weipert frei. Drei Mal in jede Fahrtrichtung wird der saisonal bestellte Ausflugsverkehr bis voraussichtlich 27. September zwischen Sachsen und Böhmen an jedem Wochenende bedient. Gegenüber den Vorjahren verkehrt neben einer Früh- und Abendverbindung nun auch in den Mittagsstunden ein Triebwagen der tschechischen Länderbahn auf dem Verbindungsstück der ältesten Gleisverbindung über den Erzgebirgskamm. Knapp 15 Minuten zuckelt der moderne Zugwagen von Cranzahl über die Grenzbrücke bei Bärenstein bis nach Vejprty, um von dort aus die Kreisstadt Chomutov anzusteuern. In der Gegenrichtung besteht über den Umsteigebahnhof Cranzahl die Gelegenheit, mit Anschluss bis nach Chemnitz zu verkehren.

Zur corona-bedingt knapp zweimonatig verspäteten Auftaktfahrt schickten die Wettermacher ergiebige Regenschauer, offenbar weinend vor Freude, dass die zurückliegend immer wieder zur Disposition stehende Gleistrasse diesmal reibungslos in Betrieb genommen wurde. Der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) hat die bis in den Herbst geplante Gleisverbindung gemeinsam mit dem Kreis Usti nad Labem bestellt und steuert nach eigenen Angaben 20.000 Euro auf deutscher Seite zu. Im Auftrag der Erzgebirgsbahn realisiert die tschechische Länderbahn als Subunternehmen das Jahr für Jahr auf großes Interesse stoßende Touristikangebot.

Zur ersten Abfahrt begrüßte Zugleiterin Berta Petrů am Ausgangsbahnhof 32 Fahrgäste. Ein Dutzend von ihnen war vordem aus Chemnitz kommend umgestiegen. Unter den Reisenden eine Fraktion einheimischer Fans dieser Verbindung, zu denen Bärensteins Bürgermeister Silvio Wagner zählt. Der nutzte die Gelegenheit, schon auf tschechischer Seite in der befreundeten Nachbarkommune Vejprty zuzusteigen und symbolisch den Grenzbach in Richtung Cranzahl zu überqueren. "Gerade im Vorjahr ist deutlich geworden, auf wie viel Interesse dieses Angebot bei Wanderern, Radfahrern und Besuchern touristischer Sehenswürdigkeiten stößt. Dass der Fahrverkehr wieder rollt, ist auch der Initiative von Eisenbahnfreunden entlang der Gleisstrecke zu verdanken", so Wagner. Ungeachtet der misslichen Rahmenbedingungen bannten zahlreiche Fotografen und Eisenbahnfreunde das Geschehen des ersten Fahrwochenendes als Zeitdokument mit Smartphones und Videokameras.

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