Für Lehrlinge: Firma ruft Stiftung ins Leben

Die Richard Glässer GmbH aus Seiffen will die Ausbildung damit attraktiver machen. Hinter der Idee steht der letzte Wunsch einer einst engagierten Frau.

Seiffen.

"Hier ist das Handwerk, und es ist zukunftsträchtig", sagt Klaus Hübsch. Der einstige Geschäftsführer der Richard Glässer GmbH hat noch immer sein Büro im Haus an der Seiffener Hauptstraße und ist umtriebig. Vor allem eine Sache beschäftigt ihn derzeit: der Nachwuchs. Hübsch kennt das Volkskunst-Unternehmen, seit er dort nach seinem Studium 1974 angefangen hat.Schon damalswurden dort junge Menschen zu Holzspielzeugmachern ausgebildet. Das soll auch weiterhin geschehen - und um die Ausbildung zu fördern, hat die Glässer GmbH nun eine eigene Stiftung ins Leben gerufen. Die Idee geht zurück auf die ehemalige Prokuristin Regina Reichelt, daher trägt die Stiftung auch ihren Namen. Reichelt ist im vergangenen Jahr verstorben und hatte in ihrem Testament erklärt, dass ihr Geschäftsanteil für die Lehrausbildung genutzt werden soll. "Sie hatte sich immer für die Lehrlinge eingesetzt", lobt Klaus Hübsch die Stiftungs- Initiatorin. Und sie zählte zu jenen Seiffenern, die in den 1990er-Jahren in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn die Grundlage für den Lehrberuf des Holzspielzeugmachers gelegt haben, wie es in einer Infobroschüre der Stiftung heißt.

In diesem Jahr sollen vom Stiftungskapital knapp 2000 Euro ausgeschüttet werden, blickt Klaus Hübsch voraus. Und was soll damit passieren? "Wir wollen einen Ausbildungswettbewerb organisieren und Preise für die Leistungen von Lehrlingen ausloben", so der ehemalige Geschäftsführer. Zudem sei langfristig geplant, eine betriebseigene Fachbibliothek einzurichten. Denkbar sei auch Einzelunterstützung für Lehrlinge aus Stiftungsmitteln. Einfach sei es allerdings nicht gewesen, das Vorhaben auf den Weg zu bringen. Eine Stiftungsgründung ist ein aufwendiges Unterfangen, erfordert zahlreiche Formalien und dauert.

Bereits im Sommer wurde die Stiftung formal gegründet. Nun steht sie kurz davor, die Spendenberechtigung bescheinigt zu bekommen - und Klaus Hübsch möchte anfangen, öffentlich zu werben. Dass in Seiffen seit geraumer Zeit über die Zukunft des Kunsthandwerks und mangelnden Nachwuchs vor allem in Kleinstbetrieben diskutiert wird, weiß der ehemalige Glässer-Geschäftsführer. Aber er blickt positiv gestimmt in die Zukunft. "Junge Gesichter sind da, das ist ein wertvolles Signal", sagt er über die aktuell sechs Lehrlinge im Betrieb. Früher seien die meisten aus dem Umland gekommen, inzwischen wird deutschlandweit ausgeschrieben. "Ich hatte auch schon ein Mädchen aus Kiel hier", sagt Klaus Hübsch. Herausfordernd sei vielmehr das Rundherum, also die Infrastruktur. Es brauche keine Autobahn bis Seiffen, meint der ehemalige Geschäftsführer. Aber ordentliche Straßen seien wichtig, ebenso leistungsfähiges Internet. "Wir müssen unsere Region interessant und lebenswert gestalten."

So ähnlich gilt das auch für die Lehrausbildung bei Glässer. Und dabei soll die Regina-Reichelt-Stiftung helfen. "Für die Lehrlingsakquise bleibt das Unternehmen zuständig", so Klaus Hübsch. Aber mit Mitteln der Stiftung könne die Lehre attraktiver gemacht werden.

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