Gasthof wird zur Werkstatt für Gewehre

Manfred Schmitt arbeitet als Büchsenmacher und stellt Waffen für Sportler, Jäger und Scharfschützen her. Ins Erzgebirge kam er wegen der idealen Bedingungen.

Verschiedene Läufe.
Der Gasthof wird umgebaut.
Ein Teil der Waffen.
Manfred Schmitt beim Reinigen eines Präzisionslaufes.

Für Sie berichtet: Georg Müller

Es geht um Präzision und Perfektion. Nur mit ganz genauem Arbeiten kann Manfred Schmitt das Ergebnis erreichen, mit dem er selbst zufrieden ist. Mit diesem Erfolgsrezept hat er inzwischen Kunden in ganz Deutschland und darüber hinaus gewonnen. Seine Gewehre sind häufig Einzelstücke, jeweils gebaut für einen ganz bestimmten Zweck.

Manfred Schmitt ist Büchsenmacher. Er gehört damit einem selten gewordenen Berufszweig an. Meist werden Waffen von großen Herstellen als Massenware gefertigt. Diese werden unter anderem bei der Bundeswehr verwendet. Der 58-Jährige hat andere Abnehmer im Blick: Sportschützen, Jäger sowie Scharfschützen.

In Niederlauterstein hat Schmitt seine Werkstatt. Vor einem Jahr kaufte er den Gasthof "Zur Burgruine". Seitdem saniert der gelernte Elektroinstallateur, Feinmechanikermeister und Büchsenmacher das Gebäude. Es erhält ein neues Dach und neue Fassaden. Schmitt tauscht die Elektroinstallation aus und baut Brandschutztüren ein. Während einige Räume noch hergerichtet werden, sind andere schon fertig. Zum Beispiel die Werkstatt. Dort befinden sich Maschinen, in Schubkästen liegen Bauteile, an den Wänden hängen Rohlinge aus Schichtholz, Nussbaum sowie leichtem Carbon. Einen Teil der Komponenten lässt sich der Büchsenmacher zuliefern. Andere fertigt er selbst. Sie werden in Eigenregie weiterverarbeitet und zusammengesetzt.

"Die Gewehre sind alles Eigenentwicklungen", sagt Schmitt, der aus Heidelberg stammt und wegen eines einzigartigen Schießstandes seine Heimat verließ. Die Anlage befindet sich in Marienberg in einem stillgelegten Wasserleitstollen und ist 500 Meter lang. Für Schmitt bietet sie ideale Bedingungen. So kann er seine Waffen testen und weiter an den Feinheiten tüfteln. In den vergangenen Jahren war er schon oft dafür nach Marienberg gekommen. Nun hat er kürzere Wege.

Und er hat im ehemaligen Gasthof genügend Platz - etwa für seinen Waffenraum. Er ist so wie das gesamte Haus besonders gesichert. Darin lassen sich diverse Waffen finden. Mal haben sie einen langen Lauf, mal einen kürzeren. Mal sind sie auffällig lackiert, mal zurückhaltend. Mal handelt es sich um moderne Waffen, mal um historische.

Nicht nur Manfred Schmitt ist ein erfolgreicher Sportschütze, sondern auch seine Frau und der gemeinsame Sohn. So kam Schmitt einst auf die Idee, Waffen selbst zu bauen. Viele Meisterschaftstitel im Präzisionsschießen hat sich die Familie gesichert. Inzwischen fehlt für das Hobby jedoch die Zeit.

Einer Leiderschaft geht Manfred Schmitt nach wie vor nach: der Jagd. Vor allem nachts ist er unterwegs, um Wild zu erlegen. "Ich liebe die Ruhe und beobachte viel." Aus eigener Erfahrung weiß er, wie wichtig die Präzision ist. Seine Leidenschaft geht so weit, dass er sogar Munition selbst herstellt. So ist sie auf das Gewehr perfekt abgestimmt.

Für die Gewehre aus der Niederlautersteiner Werkstatt gibt es mehrmonatige Wartezeiten. Mehrere Tausend Euro können sie kosten. Werbung muss der Büchsenmacher nicht machen. Selbst nach Malta und nach Madagaskar hat Schmitt schon Waffen verkauft. Für ihn ist Niederlauterstein der ideale Ort, um zu leben und seinem Handwerk nachzugehen: "Die Menschen hier sind sehr herzlich." Das sieht auch seine Frau May Schmitt so. Die Heilpraktikerin will im einstigen Gasthof bald eine eigene Praxis eröffnen und alternative Behandlungsmethoden anbieten.

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