Gefahr in der Tiefe: Hohlräume unter künftigem Finanzamts-Bau

Hinterlassenschaften des Bergbaus erfordern ein Eingreifen im Bereich des einstigen Klostergeländes von Annaberg. Arbeiten, deren Ausmaß noch unklar ist. Nicht das einzige Gebiet nahe dem Zentrum, in dem der Untergrund gesichert werden muss.

Annaberg-Buchholz.

Im Bereich des ehemaligen Klostergeländes in Annaberg-Buchholz sind umfangreiche Sicherungsarbeiten im Gang. Allerdings ist davon nicht all zu viel zu sehen, das Ganze spielt sich vor allem in der Tiefe ab. Unter dem künftigen Standort eines Neubaus für das zentrale Erzgebirgs-Finanzamt sind alte Bergbau-Anlagen - etwa Hohlräume - gefunden worden, von denen eine Gefahr ausgeht. "Die Überdeckung zwischen dem Hohlraumniveau und der Tagesoberfläche beträgt hier nur 5 bis 6 Meter", erklärt Oberberghauptmann Bernhard Cramer, der Leiter des Sächsischen Oberbergamtes. Hinzu komme, dass ein tragfähiges Gebirge teilweise nicht mehr vorhanden sei oder nur wenige Dezimeter betrage. Mit Gebirge ist das harte Gestein im Untergrund gemeint - in dem Fall Gneis. Gebaut werden kann hier oberirdisch vorerst nicht. Vorher muss die Sanierung in der Tiefe abgeschlossen sein. Und das kann laut Projektleiter Frank Rottluff eine Weile dauern. Wie lange, ist offen.

Das ist deshalb so, weil sich die Mitarbeiter der beauftragten Bergsicherung Schneeberg nur Stück für Stück vorarbeiten können, um den Untergrund zu erkunden, zu beräumen und zu sichern. Damit sie richtig arbeiten können, wurde auch unterirdisch gesprengt - aus technologischen Gründen und solchen, die mit der Arbeitssicherheit zusammenhängen. Strom, Wasser, Luft und Druckluft, all das werde benötigt - auch wenn das Ganze heute immer noch viel Handarbeit bedeutet und das Beräumen meist mit Hacke und Schaufel erfolgt.


Demnächst soll allerdings Spezialtechnik in Form eines großen Saugfahrzeuges zum Einsatz kommen. "Wir haben bei unserer Erkundung in Richtung Klosterstraße schlammige und fäkalienhaltige Massen vorgefunden. Diese sollen mithilfe der Vakuumsaugtechnik entfernt werden", erklärt Rottluff. Zudem wird der Untergrund in Richtung des jetzigen Finanzamts untersucht. Ziel ist es generell, die vorgefundenen Bergbau-Anlagen zu sichern, wofür etwa Beton zum Einsatz kommt. Was im einstigen Klostergelände genau auf die Bergleute zukommt, das wissen sie aber noch nicht. "Es gibt jedoch Ansatzpunkte, dass der vorgefundene Grubenbau eine Verbindung zu einem tieferen haben muss", so der Experte. Zurzeit erfolgen die Arbeiten von einer Sohle in sechs Metern Tiefe aus. Doch dabei wird es wohl nicht bleiben.

Der Schacht nahe dem Finanzamt ist nicht der einzige in Annabergs Zentrum. Im Bereich des Klosterbergs gibt es einen weiteren, sind Arbeiten im Untergrund im Gang. Zwischenzeitlich sei dort bei der vertikalen Aufwältigung eines großräumigen Bruchbereiches die Grundstrecke in etwa 15 Metern Tiefe erreicht und gesichert worden, so der Leiter des Sächsischen Oberbergamtes, Bernhard Cramer. Als Strecke werden Bergbau-Anlagen bezeichnet, die im Unterschied zu Stollen keinen Zugang von außen haben. Nunmehr hätten horizontale Arbeiten in nördliche Richtung begonnen. Das Ganze habe Bruchprozesse unter dem Straßenbereich bestätigt, die sich zum offenen Tagesbruch entwickelt hätten. In solch einem Fall tut sich die Erde auf.

Die unterirdische Sanierung im Zentrum von Annaberg ist bereits seit 2014 im Gang - mit dem Ziel, Gefahren abzuwenden. Der erste Zugang befand sich in der Kleinen Kirchgasse, später kamen weitere Schächte hinzu, um ein großes Gebiet im Untergrund zu erkunden, zu beräumen und mit Beton zu sichern. Die Kosten dafür betragen bislang 2,4 Millionen Euro. "Eine weitere Erhöhung ist zu erwarten", so Oberberghauptmann Bernhard Cramer. Nicht in dieser Summe enthalten ist die Gefahrenabwehr, die nun vom neuen Schacht im ehemaligen Klostergelände aus erfolgt. Der derzeit ausgelöste Auftrag dafür geht mit einer Summe von rund 725.000 Euro einher.

Ganz in der Nähe war man schon 2018 beim Ausbau der Klosterstraße auf alte Bergbau-Anlagen gestoßen, die sich in geringer Tiefe befanden und gesichert worden sind. Im Übrigen wird davon ausgegangen, dass es sich um Anlagen aus der Anfangszeit des Bergbaus in Annaberg handelt - etwa von 1520. An anderer Stelle wurde das durch die Analyse von Holz, das einst untertage eingebracht worden war, nachgewiesen.

Und was wird mit dem Finanzamts-Neubau? Dieser ist laut Tobias Lorenz vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement noch in der Genehmigungsphase. Erst wenn diese abgeschlossen sei, könnten die Bauabläufe festgelegt werden. Ein verbindlicher Fertigstellungstermin stehe daher nicht fest. Projektverzögerungen aufgrund der Bergbau-Sanierungsarbeiten seien zurzeit nicht bekannt. Beim offiziellen Auftakt für das Baugeschehen, zu dem auch die Sanierung bestehender Gebäude gehört, war seitens des Finanzministeriums von einem voraussichtlichen Abschluss im Jahr 2021 die Rede. Geschätzte Kosten: rund 37 Millionen Euro.

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