Gerste kommt Meter für Meter vom Feld

Hofgeschichten: Den Jahresrhythmus von Patrick Keller bestimmt die Landwirtschaft. "Freie Presse" begleitet den Schlettauer ein Jahr bei seiner Arbeit im Stall und auf dem Feld. Heute: Schwitzen bei der Ernte.

Patrick Keller auf dem 270 PS starken Mähdrescher. Die Kabine wird mittels Klimaanlage angenehm temperiert.
Das ausgedroschene Stroh bleibt erst einmal liegen.

Für Sie berichtet: Antje Flath

Die Getreideernte bestimmt gegenwärtig den täglichen Arbeitsablauf auf dem Hof von Patrick Keller. Gegen 10 Uhr geht es für gewöhnlich mit dem Mähdrescher auf eines der vielen Felder, welche die Familie in Schlettau und Umgebung bewirtschaftet. Während Wintergerste und Hafer schon nahezu komplett vom Halm sind, wird die Braugerste noch gedroschen.

Bei den aktuellen Temperaturen eine schweißtreibende Angelegenheit, auch wenn die Kabine des Mähdreschers klimatisiert ist. "Ansonsten ließe es sich darin nicht aushalten", ist Patrick Keller überzeugt. Da der eigentliche Fahrer des allein durch seine Größe beeindruckendes Gefährtes - das aber mit seinen 270 PS zu den kleinsten dieser Baureihe gehört - nicht immer mit verfügbar ist beim Maschinenring, klettert Patrick Keller regelmäßig auch selbst auf den Sitz. Bevor es richtig losgehen kann, ist aber erst einmal Putzen angesagt: Das Schneidwerk muss von den Resten der Haferernte am Vortag befreit werden. "Da die Körner zwar reif waren, das Stroh aber noch nicht, hat sich das stark im Schneidwerk verfangen", erläutert der Landwirt. Ist das grob gesäubert, geht's zum Scheiben putzen - unumgänglich bei der Staubentwicklung auf den Feldern. Anschließend noch ein prüfender Blick auf die Tankanzeige, bevor es dann endgültig losgeht.

Jetzt heißt es, die 3,20 Meter breite Maschine sicher über die vielfach schmalen Straßen und Wege in Richtung Frohnau zu manövrieren. Dabei kommt man nicht immer an allen Bäumen komplikationslos vorbei. Ist der Spiegel verstellt, kann es prekär werden, denn "der Spiegel ist das wichtigste Hilfsmittel am Mähdrescher", erklärt der Schlettauer. Auf dem Feld angekommen, wird das Schneidwerk angehangen und es geht auch gleich auf die erste Runde. Die bringt aber auch gleich den ersten Ärger. Denn in der unmittelbar an das Feld angrenzenden Kleingartenanlage wird es mit den Grundstücksgrenzen nicht so genau genommen, werden Grünschnitt und andere Gartenabfälle einfach außerhalb des Zauns am Feldrand entsorgt. Schlagartig ist das Schneidwerk verdreckt. Patrick Keller muss anhalten und es erst einmal wieder säubern. Auch manches achtlos weggeworfene Plastikteil wird da schnell zur Gefahrenquelle - insbesondere bei den gegenwärtigen Temperaturen, wo mitunter schon der kleinste Funkenflug ausreicht, um einen Brand auszulösen.

Fährt er deshalb anders? "Ich schaue noch mehr in den Spiegel als sonst", sagt Patrick Keller, während er sich mit durchschnittlich vier bis fünf Kilometer pro Stunde Meter um Meter durch die Braugerste arbeitet. Viel mehr könne er aber nicht machen. Früher habe man für solche Fälle ein Wasserfass und einen Pflug mit auf das Feld genommen, um notfalls die Feuerstelle gleich umbrechen zu können. Das sei aber längst nicht mehr üblich, fügt er hinzu.

Schließlich ist die erste Runde geschafft. Der Bunker des Mähdreschers ist fast voll mit den Gerstenkörnern. Mittlerweile stehen auch die beiden Hänger parat, auf die das Getreide umgeladen wird. Vorher wird noch eine Probe genommen, um die Feuchte der Körner zu prüfen. Mit den ermittelten 13,7 Prozent ist der Schlettauer mehr als zufrieden. 15 Prozent seien der Richtwert für die Einlagerung. Die Körner werden allerdings nicht lange eingelagert, sondern kommen wie viel anderes Erntegut aus dem Familienbetrieb zur Erzeugergemeinschaft nach Venusberg. Von dort führt der Weg der Braugerste dann in die Mälzerei. Das Stroh bleibt unterdessen erst einmal liegen auf dem Feld, wird in den nächsten Tagen zu Rundballen gepresst. Die wiederum kommen später auf dem eigenen Hof wieder im Kuhstall zu Einsatz. Sie werden in diesem Sommer aber teilweise auch verkauft - "weil in diesem Jahr alles knapp ist".

Nach etwa drei Stunden ist die Fläche abgeerntet. Und Patrick Keller hat sich noch einmal geärgert - mächtig gewaltig sogar. Darüber, dass sein Berufsstand einmal mehr unter den Generalverdacht des Schmarotzertums gestellt wird und der finanzielle Ausgleich für die Ernteausfälle erst nach dem abschließenden Erntebericht geprüft und gegebenenfalls gezahlt werden soll. Bei anderen Branchen werde da viel großzügiger agiert.

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