Goldenes Schnitzmesser für 70-Jährigen: Thumer hat das Schnitzen im Blut

Für sein Lebenswerk ist Jürgen Lasch mit dem Goldenen Schnitzmesser geehrt worden. Der 70-Jährige hat viel bewegt.

Thum.

Er hat die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen in der Gemeinschaft vorangetrieben. Er kümmerte sich um den notwendigen Maschinenpark im Verein, was in der DDR wegen der Mangelwirtschaft alles andere als einfach war. Unter der Regie von Jürgen Lasch gestalteten die Thumer Schnitzer vor mehr als 30 Jahren nicht nur die Pyramide für die Kirchgemeinde der Stadt. Auch eine Märchenpyramide für Wolkenburg entstand, geschaffen wurden unter anderem Krippenfiguren für die Partnerstadt Dissen. Der heute 70-Jährige war sozusagen Hansdampf in allen Gassen. 35 Jahre war der gelernte Betonbauer und spätere Betriebshandwerker Vorsitzender des Thumer Schnitz- und Klöppelvereins. Nach einem Schlaganfall und weiteren Folgeerkrankungen übergab er sein Amt 2012 an Sohn Jens Lasch. Zu den 28. Erzgebirgischen Schnitzertagen Anfang März in Annaberg-Buchholz ist Jürgen Lasch nun mit dem Goldenen Schnitzmesser für sein Lebenswerk geehrt worden.

Der heutige Ehrenvorsitzende des Thumer Vereins ist stolz auf diese Auszeichnung. Und auch wenn Jürgen Lasch krankheitsbedingt das Schnitzmesser schweren Herzens aus der Hand legen musste, lässt er es sich nicht nehmen, bei den regelmäßigen Vereinsabenden, die freilich derzeit wegen der aktuellen Situation nicht stattfinden können, dabei zu sein. Selbst beim Kinderschnitzen ist er als Aufsicht immer noch mit präsent. Schließlich hat er 34 Jahre lang auch diese Runde mit geleitet.

Der gebürtige Thumer ist überaus heimatverbunden. "Schnitzen ist nicht nur Tradition, sondern auch Heimatkunde und Heimatliebe", unterstreicht Lasch, der zudem zu den Gründungsmitgliedern des Thumer Jugendblasorchesters gehört und aktiv Fußball spielte. Mit sieben Jahren nahm er das erste Mal ein Schnitzmesser in die Hand. Wie viele Figuren er seitdem gestaltet hat? Jürgen Lasch hat sie nicht gezählt. "Das Hobby entspannt, Fantasie und Kreativität kann man voll dabei ausleben. Dabei ist der Begriff Hobby entscheidend - und nicht die Kunst", sagt der Thumer. Für Jürgen Lasch heißt das, dass der Verein funktionieren musste. "Und die Geselligkeit spielt eine ganz große Rolle", so der Schnitzer. Für ihn ist es wichtig, trotz aller Innovationen beim Schnitzhandwerk auch die alten Traditionen weiterzugeben. "Dos wissen ah unnre zwe grußen Batzen", sagt er und meint damit seine zwei erwachsenen Kinder. Dabei berichtet der Opa von zwei Enkelinnen mit Stolz, dass insgesamt 21 Kinder zum Schnitz- und Klöppelnachwuchs im Verein gehören. Zum Thema Heimatverbundenheit passen auch seine Bemühungen beim Aufbau der engen Beziehungen zu den Vereinen aus Ehrenfriedersdorf und Geyer, womit die Thumer nunmehr jedes Jahr beim Waldgeisterschnitzen der Gemeinschaften mit von der Partie sind.

Aber auch nach außen hin war der Verein unter den Fittichen von Jürgen Lasch recht präsent. Dabei erinnert er sich an der Teilnahme am Weihnachtsmarkt im Bundeskanzleramt in Bonn oder an Schauvorführungen in Frankreich. Aber auch von umgekippten Transportern mit Schnitzholz, Deals um Bohrmaschinen und allerlei Baumaßnahmen des Vereins weiß er zu berichten - und dabei kann er Geschichte an Geschichte reihen.


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