Grabungen kosten bisher 32.000 Euro

Die Archäologen sind von den historischen Funden unter dem Pflaster im Schlosshof Lichtenstein begeistert und wollen noch eine Weile graben. Dem Besitzer wird es zu teuer.

Lichtenstein.

Mario Schreckenbach hatte Gäste in seinem Schloss. Seit Ende Juni. Leute, die im Auftrag des Landesamtes für Archäologie den Hof des Schlosses Schritt für Schritt unter die Lupe nahmen, um dem im 13. Jahrhundert als Wehranlage errichteten Bauwerk letzte Geheimnisse zu entlocken. Die Besucher wurden fündig: "Das Schloss ist eine archäologische Goldgrube. Wir haben die Mauern der allerersten Burg samt Bergfried vollständig erhalten ausgegraben", freute sich Stefan Krabath, Gebietsreferent des Landesamtes, zum Tag des offenen Denkmals im September. Und kündigte an, die unterirdischen Untersuchungen fortsetzen zu wollen. Den Eigentümer treibt das auf die Palme. Auch weil ihm bei den weiteren Planungen für den Umbau des Schlosses zum Wellnesshotel jetzt ein Streit mit den Archäologen gar nicht in den Kram passt.

Denn Mario Schreckenbach hat den Fortsetzungskontrakt für die Grabungen nicht unterschrieben. Es gebe bereits einen Vertrag zwischen beiden Seiten. Darin ist festgelegt, was ab Ende Juni bis Ende August für welches Geld zu machen ist. Dieser Vertrag sei bisher nicht erfüllt worden, sagt er. "Und jetzt kommen sie mit dem nächsten und wollen wieder Geld." Seine Meinung hat er vor drei Wochen kundgetan, seine Forderungen nach Vertragserfüllung aufgemacht. Denn weder habe man bisher die darin verankerte Option auf eine zweiwöchige Verlängerung der Arbeiten wahrgenommen noch die ebenfalls vereinbarten archäologischen Untersuchungen im Außenbereich des Schlosses durchgeführt. "Wir müssen dort ja auch tief in die Erde. Da entstehen Räume für die künftige Haustechnik. Die sind nicht gerade klein." Reagiert habe das Landesamt auf sein Schreiben bisher nicht. Und im Schlosshof herrscht seitdem auch Ruhe. "Es gibt Statikprobleme. Wir müssen Bauwerke vor dem Wegrutschen sichern", bestätigt der Schlossherr. Ob mit Bohrpfählen oder auf andere Art, werde gerade untersucht.

32.000 Euro hat Schreckenbach bisher in die Erkundung der Anlage gesteckt. Fast die Hälfte des Preises, für den er das Schloss 2014 ersteigert hat. Die Erkundung der Anlage liegt ihm auch am Herzen, wie er betont. "Aber im vereinbarten Rahmen." Den droht das Landesamt zu sprengen. Es fordert nun weitere 12.000 Euro vom Schlossherrn.

"Nach dem Sächsischen Denkmalschutzgesetz muss der Eigentümer zur Finanzierung archäologischer Grabungen herangezogen werden", erklärt Landesamt-Sprecher Christoph Heiermann. Das weiß auch Mario Schreckenbach. Aber: "Wenn mir vom Landesamt von Anfang an gesagt worden wäre, das kostet 40.000 Euro, hätte ich auch unterschrieben. Aber jetzt wollen sie fast 50 Prozent mehr als die vereinbarte Summe. Das geht so nicht."

Die Situation ist also verkorkst. Schreckenbach: "Vielleicht kommt es so, dass ich zahle und mir das Geld später per Klage zurückhole." Jedoch hoffe er auf gutes Einvernehmen. Im Landesamt hüllt man sich derzeit in Schweigen. "Das ist ein laufendes Verfahren. Dazu wollen wir uns derzeit nicht äußern", so Sprecher Heiermann.

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