Grenzgemeinden diskutieren Projekte für die nächsten Jahre

Brandschutz und Klimawandel, Tourismus und ärztliche Versorgung - der Möglichkeiten für eine weitere Zusammenarbeit werden in Bärenstein und Vejprty viele gesehen. Jetzt soll ein Konzept erarbeitet werden - mit Blick auf das neue Förderprogramm.

Bärenstein.

Mit dem derzeit noch aktuellen Kooperationsprogramm zwischen dem Freistaat Sachsen und der Tschechischen Republik konnten bisher 137 grenzübergreifende Projekte mit rund 147 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung unterstützt werden, bilanziert der zuständige sächsische Staatsminister Thomas Schmidt (CDU). Doch das Programm läuft dieses Jahr aus. Das neue wird im nächsten Jahr starten und dann bis 2017 gültig sein, kündigt der Minister an. Und er macht deutlich: "Für die Auswahl, Gewichtung und Eingrenzung der Förderschwerpunkte brauchen wir die Einschätzung und die Ideen der lokalen und regionalen Akteure aus den sächsisch-tschechischen Grenzregionen."

Bis zum Freitag können sich deshalb interessierte Einrichtungen, Organisationen und Unternehmen aus beiden Ländern an einer Online-Befragung beteiligen, wie die Förderung grenzüberschreitender Kooperationsprojekte in den nächsten Jahren aussehen soll. Eine Chance, die auch die beiden Bürgermeister von Bärenstein und der tschechischen Nachbargemeinde nutzen wollen - Silvio Wagner und Jitka Gavdunova. Nach langer corona-bedingter Zwangspause haben sie sich in der vergangenen Woche erstmals wieder zu einem Arbeitsgespräch getroffen. Und der Möglichkeiten für die weitere Zusammenarbeit zwischen den beiden Orten sehen sie viele: vom Brandschutz über Tourismus bis hin zur ärztlichen Versorgung.

Dementsprechend wollen sich beide Seiten auch mit in die aktuelle Befragung einbringen. Denn Ideen gibt es reichlich, wenngleich beiden Verwaltungschefs bewusst ist, dass sich aufgrund unterschiedlicher gesetzlicher Voraussetzungen diesseits und jenseits der Grenze nicht alles realisieren lassen wird - zum Beispiel eine grenzüberschreitende ärztliche Versorgung, wie sie Silvio Wagner langfristig gern aufbauen würde. In ein Konzept packen, das auch über die neue Förderperiode hinaus reichen soll, wollen sie ihre gemeinsamen Ziele dennoch. Das sorge auch in den beiden Kommunen für Planungssicherheit.

Ein großes Thema: der Tourismus. Unter anderem wollen sowohl Bärenstein als auch Vejprty/Weipert in die weitere Gestaltung von Grünflächen beziehungsweise kleinen Parks investieren. So will Silvio Wagner beispielsweise die Fläche hinter dem Rathaus parkähnlich gestalten. Dabei könnte parallel ein Geschichtsweg mit angelegt werden, der über die reiche Industriegeschichte der Grenzregion Aufschluss gibt. Dort könnte dann unter anderem auch der einstige Blechhammer im Weiperter Grund eine Rolle spielen. Der Ortsteil ist schon jetzt ein wichtiger Besuchermagnet, befindet sich doch dort unter anderem der in Zusammenarbeit mit dem Verein Denkmalpflege Weipert neu gestaltete Gedenkort Anton-Günther-Ruh. In das Areal will die tschechische Nachbargemeinde auch weiter investieren - unter anderem in eine bessere Verbindung nach Kühnberg beziehungsweise Bärenstein. Neue Fußgängerbrücken und auch ein Radweg sind im Gespräch. Und Bärensteins Bürgermeister Silvio Wagner denkt auch gleich noch über die Anbindung an den großen Radweg entlang der B 95 auf deutscher Seite nach. "Dort fehlt uns im Ort noch ein Lückenschluss. Den können wir vielleicht über ein solches Projekt realisieren." Und durch die unmittelbare Nähe könnte sogar noch eine Verbindung zur Gemeinde Königswalde geschaffen werden.

Auch der Klimawandel und seine Auswirkungen beschäftigen die Verantwortlichen in beiden Rathäusern - beim Thema Wasserversorgung zum Beispiel. Dazu gibt es auf tschechischer Seite die Idee, das alte Schwimmbad der Stadt zu einem großen Wasserspeicher umzubauen. Auch das durchaus ein Vorhaben, das für Silvio Wagner nicht uninteressant ist.

Und Ideen sollen auch weiter gesammelt werden. So hat der Bürgermeister in der jüngsten Sitzung auch die Mitglieder des örtlichen Gemeinderates ermuntert, sich in diesen Prozess mit ihren Vorschlägen einzubringen.

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