Großfinanzamt: Kritiker fordern Weiterführung der Ausgrabungen

Wo in den nächsten Jahren ein Teil der zentralen Behörde für den Landkreis stehen soll, befand sich einst ein Kloster. Es gibt aber Befürchtungen, dass mit der Überbauung des Areals ein Zeugnis sächsischer Geschichte verloren geht.

Annaberg-Buchholz/Dresden.

Einen genauen Fertigstellungstermin für das Großfinanzamt in Annaberg-Buchholz gibt es nicht. Aktuell wird das Gebäude "Alte Post" umgebaut und saniert, heißt es aus dem Finanzministerium. Wann die Bauarbeiten auf dem Gelände des ehemaligen Klosters beginnen werden, ist offen. Derzeit laufe die Genehmigungsphase. Erst wenn das abgeschlossen ist, können laut Ministerium der konkrete Bauablauf, die Kosten und der Fertigstellungstermin genannt werden.

Doch auch wenn die Bauarbeiten zumindest in einem Bereich bereits laufen, gibt es Kritik an dem Projekt. An "Freie Presse" hat sich eine Gruppe Geschichtsinteressierter gewandt. Sie haben auf eigene Faust "archäologische und bauforscherliche Untersuchungen zum ehemaligen Klosterschloss in Annaberg-Buchholz" angestellt. Den Initiatoren, die anonym bleiben möchten, geht es dabei um die Herausstellung des historischen Wertes des Areals. Hintergrund: Das künftige Großfinanzamt des Erzgebirgskreises wird in mehreren Gebäuden untergebracht - im Finanzamt, im Gericht und der alten Post sowie in einem Neubau, der auf den Klostermauern errichtet wird. Um Letzteres geht es. Die Überbauung des Areals, auf dem sich einst das Franziskanerkloster befand und das später auch für andere Zwecke wie metallurgischer Werkstätten genutzt wurde, halten sie für falsch. Sie sehen in den Überresten ein wertvolles und erhaltenswertes Kulturdenkmal von "einzigartiger nationaler Bedeutung". Daher führten sie eigene "Untersuchungen durch", indem sie sich auf allgemein zugängliche Quellen beziehen, zu denen auch die Ergebnisse der Ausgrabungen des Landesamtes für Archäologie und die eigene visuelle Untersuchung der Grabungsabschnitte gehörten. Dabei kam eine knapp 20-seitige Abhandlung heraus. In der wird unter anderem betont, dass der historische Wert des Areals nicht nur in der Nutzung als Kloster, sondern auch als herzogliche Nebenresidenz Georg des Bärtigen zu sehen ist. Aus Sicht der Kritiker waren die Untersuchungen des Landesamtes nicht intensiv genug. Zudem seien nicht alle Funde - zum Beispiel Keramik - geborgen worden. Eine Überbauung würde historische Bausubstanz und mögliche Befunde und Funde unwiderruflich vernichten und stünde dem Denkmalschutz konträr gegenüber.

Was sagt das Landesamt für Archäologie Sachsen dazu? "Die Grabungen erfolgten wie stets auf dem zu bebauenden Areal und nicht darüber hinaus, um keine archäologische Substanz unnötig anzugreifen", erklärt Referatsleiter Christoph Heiermann. Zudem seien die Grabungen auf den ausgewiesenen Flächen umfassend, nach international anerkannten Standards sowie auf der Grundlage jahrzehntelanger Fachkompetenz durchgeführt worden. Offenbar von den Kritikern entdeckte Scherben stammen nach Ansicht der Archäologen aus modernen, umgelagerten Verfüll- und Abdeckungsschichten oberhalb der archäologischen Befunde. "Die Stücke liegen damit außerhalb eines Befundkontextes", so Heiermann. Solche modernen Schichten würden mit einem Kleinbagger entfernt, um an die Ausgrabungsschichten zu gelangen. "Die schiere Menge der Funde aus einem nur kleinen Areal zwischen Westfassade und Klosterstraße gibt einen ausschnittsweisen Eindruck: 11000 Keramikscherben, 2000 Ofenkachelfragmente, 1200 Metallgegenstände, 8 Kilogramm Tierknochen und 110 Kilogramm Schlacke wurden nur aus diesem Bereich geborgen", so Heiermann. Aus seiner Sicht ist die vorgebrachte Kritik nicht haltbar. "Das Schreiben offenbart in weiten Teilen Unkenntnis von der modernen archäologischen Methodik." Er hält zudem fest, dass die Grabungen vereinbarungsgemäß abgeschlossen wurden. "Sollten weitere Baumaßnahmen darüber hinaus stattfinden, würden auch entsprechende weitere Grabungen nötig."

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