Grüne wollen Flächenfraß Einhalt gebieten

Wahlen 2019 Sanierte Straßen, gute Schulen, schnelles Internet ... Mit welchen Themen wollen Parteien und Wählergemeinschaften bei der Kreistagswahl punkten? Heute: die Grünen.

Annaberg-Buchholz.

Unweit der großen Ampelkreuzung an der B 101 in Raschau sind mehr und mehr die Konturen des neuen Netto-Einkaufsmarktes sichtbar. Was die einen freut, treibt anderen Sorgenfalten ins Gesicht. Beispielsweise Ulrike Kahl. Die Grünen-Kreisrätin, die auch für den nächsten Kreistag antritt, weist in die Runde: Gleich hinter dem neuen steht der alte Netto-Markt; vis-a-vis ein Ex-Einkaufszentrum mit dem Schild "Zu vermieten". Ein paar Meter weiter Richtung Schwarzenberg folgt bereits ein weiteres Einkaufsareal ...

"Wir pflastern einfach zu viel zu - jeden Tag kommt die Fläche von sechs Profi-Fußballfeldern in Sachsen dazu", so die Kreisrätin. Auch im Erzgebirgskreis werde vielerorts immer mehr versiegelt. In Lugau etwa plane man auf Ackerland ein neues Wohngebiet, obwohl die Innenstadt Potenzial für mehr Wohnquartiere hätte. In Stollberg, Annaberg und Zschorlau werden neue Gewerbegebiete angelegt ... "Und all das bei sinkender Bevölkerungszahl", sieht Kahl einen Widerspruch.


Man stemme sich nicht generell gegen Wohnungsbau und Wirtschaftsinvestitionen. Es gehe vielmehr darum, einen adäquaten Ausgleich über ein intelligentes Flächenzertifikatesystem zu schaffen. "Denn alles hängt doch irgendwie zusammen", sagt Kahl - auch mit Blick auf den jüngsten Bericht zum Artensterben: mehr versiegelte Flächen - weniger Wiesen für Insekten, zunehmende Hochwassergefahr, schlechtere Luft ... Deshalb müsse man auch beim Straßenbau hinschauen. Statt neu zu bauen, sei es wichtiger, Bestehendes wieder in Schuss zu bringen. "Allein damit hätten wir auf Jahre genug zu tun", sagt Kahl. Sie sei deshalb froh, dass im Kreisentwicklungskonzept festgelegt wurde, dem Flächenfraß Einhalt zu gebieten.

Aber auch andere Punkte seien den Grünen wichtig. So müsse der Öffentliche Nahverkehr attraktiver gemacht werden - durch mehr Fahrangebote und Umstiege ohne große Warterei. Mit Blick auf den Welterbetitel sei es wichtig, dem Erbe insgesamt in der Region mehr Aufmerksamkeit zu schenken. "Sahnestücke sanieren, ja - aber auch kleinere Schätze erhalten. Und wenn man sie erst einmal nur sichert für Zeiten, wenn dann Geld oder Ideen für eine Nutzung da sind", so Kahl. Von der Meinertschen Spinnmühle in Lugau etwa hätte man zumindest Rudimente sichern können, die an den Bau eines bedeutenden frühen Industriearchitekten erinnern. Und auch der Abriss der denkmalgeschützten Rechenhausbrücke bei Bockau wäre nicht nachzuvollziehen. Sie hätte als Fußgänger- und Radfahrerbrücke noch Jahrzehnte weitergenutzt werden können.

An allem wollen die Grünen die nächsten fünf Jahre dran bleiben - gern in Fraktionsstärke. Die Voraussetzungen dafür, statt mit drei, künftig mit fünf Kreisräten dabei zu sein, seien nicht schlecht - am 26. Mai stehen insgesamt 77 Grüne zur Wahl - 13 mehr als noch vor fünf Jahren.

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