Grundschule lässt Luan nicht hängen

Für den siebenjährigen Jungen aus Thalheim ist vorerst eine Lösung gefunden. Im nächsten Schuljahr soll sich die Lage weiter entspannen.

Thalheim.

Die ersten Tage in der Schule sind für jedes Kind aufregend, für den siebenjährigen Luan aus Thalheim umso mehr. Im Kindergarten erhielt der Junge, der in der 24. Schwangerschaftswoche mit nur 630 Gramm zur Welt gekommen war, eine 1:1-Betreuung.

"Luan ist nicht körperlich oder geistig behindert", betont Enrico Fankhänel, Luans Vater. "Aber er ist oft verträumt. Er braucht jemanden, der neben ihm sitzt und ihn zum Beispiel direkt anspricht, wenn die Lehrerin sagt: So, jetzt holt eure Stifte heraus." In der Kita hatte er eine 1:1-Betreuungsperson, weil es ihm schwer fällt, sich selbst an- und auszuziehen, auf die Toilette zu gehen oder den Leimstift zu öffnen. Seit Montag nun geht Luan in die erste Klasse der Thalheimer Grundschule, und das ohne offiziellen Schulbegleiter.

Doch Schule, Stadt und Eltern haben sich zusammengesetzt, um eine Lösung auf dem kurzen Dienstweg zu finden. Zwar hat das zuständige Landratsamt noch nicht über den Widerspruch des Vaters gegen die Ablehnung eines Schulbegleiters für Luan entschieden, doch Enrico Fankhänel hat Antwort auf sein Schreiben an den Landrat Frank Vogel erhalten. Darin hatte er dem Landrat nochmals die Lage geschildert und darum gebeten, dass die Hilfe, die Luan im Kindergarten erhalten hat und die ihm viel gebracht habe, in der Schule fortgeführt wird.

Am Wochenende nun ließ Frank Vogel über den zuständigen Abteilungsleiter dem Vater eine Antwort zukommen. Darin heißt es, dass nur Kinder mit körperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung Anspruch auf eine Schulbegleitung hätten. All dies liege bei Luan nicht vor. "Das ist zwar schön", sagt Enrico Fankhänel, doch er betont, dass Luan dennoch Unterstützung braucht.

Die wird der Junge erhalten, und zwar von der Schule direkt. Wie Schulleiterin Uta Dienstbir ankündigt, stehen dieses Schuljahr Kollegen im Praktikum oder Zweitlehrer, die zum Beispiel eine Freistunde haben, Luan zur Seite. Im nächsten Schuljahr soll die Situation dann neu bewertet werden. Denn dann nimmt das Inklusionsprojekt, an dem Thalheim aktuell als Pilotschule teilnimmt, so richtig Fahrt auf: Ab dem Schuljahr 2019/20 werden Kinder ohne Förderschulbegutachtung eingeschult. "Dann werden uns andere Mittel zur Verfügung stehen", sagt Uta Dienstbir und nennt als ein Beispiel extra Personal.

"Luan steht nicht alleine da. Die Schule hilft uns sehr", freut sich der Vater. Zugleich wurde in dem Schreiben an ihn angekündigt, in engem Kontakt mit der Schule zu bleiben. Diesen und nächsten Monat seien Gespräche und Hospitationen in der Grundschule Thalheim durch das Referat Jugendhilfe geplant. Eine Geste, die Enrico Fankhänel weiter hoffen lässt.

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