Handarbeiten bringen wie ein roter Faden Frauen zusammen

Vor 25 Jahren wurde der Verein Leitfaden gegründet. Damals sollte er arbeitslosen Arnsfelderinnen eine neue Perspektive geben. Der Arbeitsmarkt hat sich in den zweieinhalb Jahrzehnten gewandelt. Doch gestrickt, gewebt und gesponnen wird noch immer. Und die Nachfrage nach den Produkte steigt.

Arnsfeld.

Er ist in gewisser Weise aus der Not heraus geboren worden - der Verein Leitfaden in Arnsfeld. Nach der Wende waren viele Frauen des Dorfes arbeitslos geworden. Doch einfach nur rumzusitzen, kam für viele nicht infrage. So wurde 1994 schließlich die Idee geboren, einen Verein zu gründen, der den Frauen eine neue Perspektive eröffnen sollte. Handarbeiten sollten die Frauen wie ein roter Faden zusammenhalten. "Es ging um eine sinnvolle Beschäftigung", erzählt Andrea Teucher. Seit 2013 ist sie die Vorsitzende des Vereins. Und weil es im Dorf viele Schafe gab und damit auch Wolle, rückten die Vereinsmitglieder von Anfang an einheimische Schafwolle in den Fokus. Mit traditionellen Geräten wurde diese verarbeitet. Wolle wurde von Hand gewaschen, versponnen und mit pflanzlichen Materialien gefärbt. Alt hergebrachte Techniken, die durch den Verein nicht in Vergessenheit geraten. Spinnräder, kleine und große Webstühle sowie Edelstahlbottiche zum Färben der Wolle wurden angeschafft. Zunächst trafen sie sich im einstigen Hebammenhäusel, später im alten Kindergarten, berichten die Frauen. Mitte der 1990er-Jahre rückte der ehemalige Konsum ins Blickfeld. Das Haus sollte sich zum Domizil für Vereine wandeln. Im Winter 1998 war es so weit, der Verein Leitfaden zog in das Gebäude an der Hauptstraße 67 ein - bis heute der Vereinssitz.

Die Produkte, die bei den Treffen entstanden und entstehen, werden auf Märkten und während der Öffnungszeiten der Vereinsräume (dienstags von 14 bis 16 und mittwochs von 10 bis 12 Uhr) verkauft. Vom Kartoffelfest in Mildenau über Weihnachtsmärkte, den Annaberger Bauernmarkt, den Arnsfelder Familientag bis hin zu verschiedenen Naturmärkten in der Region - die Arnsfelderinnen tragen ihre Handarbeiten und das Wissen um die Techniken nach außen. Sogar auf der Grünen Woche in Berlin waren sie schon. Aktuell sei die Nachfrage nach den Schafwoll-Produkten wieder stark im Kommen. Selbstgemachtes steht hoch im Kurs. Die Produktpalette umfasst beispielsweise Socken, Handschuhe, Mützen, Strickjacken, Pullover und Westen, gewebte Kissenhüllen und Tischläufer. Des Weiteren werden maschinen- und handgesponnene Wollgarne, Stricknadeln, Knöpfe, Vliese und vieles mehr verkauft. Auch Auftragsarbeiten nehmen die Frauen an.

Was vor 25 Jahren begann, hat sich über die Jahre und Jahrzehnte zu einer festen Größe in der Vereinslandschaft entwickelt. Arbeitslosigkeit spielt keine Rolle mehr. "Ein Drittel unserer Mitglieder sind Rentner", sagt Andrea Teucher. Und die, die noch im Arbeitsprozess stehen, könnten sich vor Arbeit kaum retten. Nichtsdestotrotz hat sich der Vereinszweck nicht in Wohlgefallen aufgelöst. Das Wissen darum, wie gestrickt, gewebt, gefärbt und genäht wird, müsse weitergegeben werden. Immer am 1. Montag im Monat treffen sich die Mitglieder. Außerdem sind einige Vertreterinnen alle 14 Tage in der Wandelhalle der Reha-Klinik in Thermalbad Wiesenbad. Einige Kurgäste möchten gern Stricken lernen oder einen kleinen Auffrischungskurs.

Das Jubiläum zu 25 Jahre Leitfaden wird am Samstag, 12. Oktober, mit einem Tag der offenen Tür gefeiert. Von 11 bis 16 Uhr stehen die Türen des Vereinshauses, Hauptstraße 67, offen. Auf die Besucher wartet eine Handarbeitsausstellung, Schafwoll-Produkte stehen zum Verlauf, es gibt Kuchen und Kaffee und ein Mittagsangebot. Kinder können beim Spinnen, Stricken und Häkeln zuschauen und es selbst probieren.

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