Hochbetagte Dame feiert nicht altbacken

Vor 500 Jahren ist Sankt Annen von Bischof Johann VII feierlich geweiht worden. Nicht weniger feierlich wird in diesem Sommer das Jubiläum begangen. Als ein Zeugnis von Wandel und Beständigkeit.

Annaberg-Buchholz.

"Erschallet ihr Lieder, erklinget ihr Saiten!" hat Johann Sebastian Bach seine Kantate überschrieben, die in seinem Werksverzeichnis unter der Nummer 172 geführt wird. 1714 in Weimar für Pfingsten komponiert und in der dortigen Schlosskapelle am 20. Mai 1714 zum ersten Mal aufgeführt. Am Pfingstsonntag des Jahres 2019 erklingt sie wieder - dieses Mal in der Sankt Annenkirche zu Annaberg-Buchholz. Und es kann kaum einen passenderen Auftakt für die großen Jubiläumsfeierlichkeiten geben, die in dem altehrwürdigen Gotteshaus in diesem Jahr anstehen: Am 26. Juli 1519, dem Annentag, hat Bischof Johann VII im Beisein des Landesfürsten Herzog Georg die Kirche geweiht.

Ein Jubiläum, das mitten in den großen Wandel fällt, in dem sich die sächsische Landeskirche momentan befindet. Immer weniger Mitglieder fordern neue Strukturen: Die Kirchen werden zwar überall noch im Dorf bleiben, aber längst nicht mehr überall die Pfarrer. So wird auch die Kirchgemeinde Annaberg-Buchholz künftig im Schwesternkirchverhältnis mit ihren Nachbargemeinden Wiesa und Neundorf zusammenarbeiten. Der entsprechende Vertrag soll noch in diesem Jahr unterzeichnet werden, kündigt Pfarrer Karsten Loderstädt an. Der nicht nur deshalb ein enthusiastischer Verfechter einer offenen, einer lebendigen Kirche ist. In einer "unruhigen, friedlosen Zeit", die geprägt ist von der "Selbstüberschätzung der Herrschenden" und in der so viele Menschen auf der Suche nach Halt und nach Sinn sind, mahnt er zu neuen Wegen, die zueinander führen, plädiert er für Aufgeschlossenheit füreinander. Sich in aller Verschiedenheit auf das Verbindende besinnen, findet er in seiner Predigt klare Worte. Und das Verbindende ist für ihn das Wort, das seit mehr als 2000 Jahren Beständigkeit hat: "Die Kirche hat sich immer gewandelt, aber das Wort des Herrn ist unumstößlich. Es ist dasselbe Wort, derselbe Herr und derselbe Geist."


So sind es für ihn bei all dem Festtrubel vor allem die persönlichen Begegnungen und Gespräche, die ihm wichtig sind. Mit den Kindern, die bis zum 26. Juli die Möglichkeit haben, in Sankt Annen aus 130 Kilogramm Lego-Steinen ihre Sankt Annenkirche nachzubauen. Aber auch mit den Erwachsenen, die vielfach ihre ganz eigene Berührung mit Sankt Annen hatten - im positiven wie im negativen Sinn. Diese ganz individuellen Erinnerungen sollen bei einem Erlebnisnachmittag am 27. Juli im Mittelpunkt stehen. "Und einige bemerkenswerte Erlebnisse habe ich da schon zusammengetragen", macht der Pfarrer schon mal neugierig. Dabei geht es ihm auch um die Frage, wie sich die Mitglieder der Kirchgemeinde heute mit Sankt Annen identifizieren, wie sich Gemeinschaft erleben und erfahren lässt - "in einer offenen Kirche, nicht in einer geschlossenen Gesellschaft".

Denn um Gemeinschaft geht es auch bei einem anderen Großprojekt, das gegenwärtig die Kirchgemeinde beschäftigt: der Bau des neuen Gemeindezentrums, der nun mehr und mehr konkrete Züge annimmt. Wenn im September die Jubiläumsfeierlichkeiten mit dem Konzertprojekt "Elias" zu Ende sind, soll im Herbst mit den ersten vorbereitenden Arbeiten im Garten des Hauses der Kirche begonnen werden. Unter anderem muss der dort vorhandene Schornstein abgerissen werden. So es das Wetter erlaubt, wird dann im Januar der offizielle Baustart vollzogen . Bis dahin heißt es laut Pfarrer Karsten Loderstädt aber auch, weiter intensiv Spenden zu sammeln. Dafür hat er gemeinsam mit den Annaberger Backwaren eine echt süße Idee entwickelt: eigens zum Fest gibt es seit Sonntag Sankt-Annen-Sternen aus Marzipan, die in ihrer Form an das Gewölbe von Sankt Annen erinnern.


500 Jahre Sankt Annen: Ein Fest mit vielen Facetten

Das große Festwochenende wird rund um den Annentag - vom 26. bis zum 28. Juli gefeiert. Darin integriert sind die 11. Annaberger Steinmetztage, die aus gegebenem Anlass in diesem Jahr nicht nur am angestammten Platz an der Oberen Badergasse stattfinden, sondern auch rund um Sankt Annen. Dabei steht "historisches Bauen" im Mittelpunkt.

Künstlerinnen und Künstler sind aufgerufen, ihre ganz persönlichen Berührungen mit Sankt Annen zu dokumentieren. Es geht darum zu zeigen, was jeden einzelnen im Herzen mit diesem Gotteshaus verbindet, sagt Pfarrer Karsten Loderstädt. Die Form der Darstellung ist dabei frei wählbar. Auch diese Arbeiten sollen zum Erlebnisnachmittag am 27. Juli mit gezeigt werden - in Form einer Ausstellung.

Im Eduard-von-Winterstein-Theater ist eigens zum Jubiläum ein kleines Theaterstück entstanden. Es lässt den Alltag in Annaberg wenige Wochen vor der Weihe der neuen Pfarrkirche Sankt Annen im Jahr 1519 lebendig werden. Es erzählt vom ruhelosen Treiben in der Stadt, aber auch von der Hoffnung der Menschen auf den Beistand der Heiligen Anna, der Schutzpatronin der Stadt.

Musik zum Fest liefern Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn Bartholdy. Ihre Werke erklingen unter anderem in zwei Festkonzerten. (af)

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