Holzbildhauer lassen Späne fliegen

30 Künstler haben sich über das lange Himmelfahrtswochenende auf eine Reise in Fantasiewelten begeben. Herauskamen einzigartige Kunstwerke.

SCHEIBENBERG.

Am verlängerten Wochenende war der Sommerlagerplatz am Scheibenberg wieder fest in den Händen von Holzbildhauern. Kettensägen brummten, Späne flogen. An den altehrwürdigen Orgelpfeifen in Scheibenberg ging das mittlerweile 9. Holzbildhauersymposium über die Bühne. 30 Künstler aus dem gesamten Erzgebirge sowie unter anderem auch aus Thüringen und dem Dresdner Raum sorgten mit ihren Werkzeugen und mit viel Kreativität für einen echten Kunstgenuss. Beim Thema: "Nord Nord Ost (NNO) - Das Reiseziel ist ungewiss ..." konnte jeder seine Fantasien nach Herzenslust ausleben.

"Deshalb ist dabei auch der Zusatz wichtig: "Irgendwu giehts lus", erklärte Jörg Unger. Der Scheibenberger ist Mitorganisator des Spektakels und im Vorstand des Vereins "ARTzGEBIRG", der die Veranstaltung auf die Beine gestellt hat. "Denn somit kann jeder gestalten, was ihm gefällt", ergänzte Olaf Martin, ebenfalls Mitorganisator und Mitstreiter im Verein. Das Symposium an den Basaltsäulen weißt nicht nur wegen seiner einmaligen Lage ein ganz besonderes Flair und Ambiente auf. "Es ist ein öffentlicher Erfahrungsaustausch, ein sehr schönes und angenehmes Beisammensein", so Martin. Kein Wunder also, wenn die meisten Künstler schon zu den Stammgästen gehören. Von Anfang an dabei ist auch Peter Rehr. Das Scheibenberger Original beschäftigt sich seit 1965 mit der Holzgestaltung. Er gestaltete passend zum Thema einen sagenhaften Eiskönig. "Irgendwo Nord-Nord-Ost, dort ganz weit hinten, ist nur Frost, Eis und Schnee", begründete der 68-Jährige die Auswahl seines Kunstwerkes. Am Samstag verordnete der ortsansässige Altmeister seinem arktischen König noch etwas Kosmetik. "Und dann bekommt er noch mit Farbe einen weißen Hauch verpasst."

Peter Duus machte sich an einer berühmten Figur aus dem Norden zu schaffen - Pippi Langstrumpf. Das verschmitzte, heldenhafte schwedische Mädchen aus der Feder von Astrid Lindgren und bekannt aus Film und Fernsehen sei ein stark geprägtes Motiv, betonte der Künstler aus Thum. "Egal ob jung oder alt, jeder hat eine Vorstellung, wie das Mädchen aussieht. Da muss man schon zuvor mal ein paar Fotos anschauen und kann nicht einfach so drauf losmachen."

Leuchtturm, Anker, Fische und sogar ein nordisches Ehebett sowie unter anderem ein Sofa entstanden unter den Händen der Holzbildhauer. Michael Baumgärtel, sein Vater Ullrich und Jahn Seidel schworen zum Symposium hingegen nicht auf Holz, sondern auf die Steinbearbeitung. Die Steinmetzerei aus Schwarzenberg entdeckt die Steinzeit sozusagen neu. Unter anderem mit der Fertigung von Lichterständern und Räucherhäuschen aus Blauenthaler Granit blieben sie auf ihrer Reise nach Nord-Nord-Ost im Erzgebirge. Michael Baumgärtel versicherte, dass sich der Granit sehr gut bearbeiten lässt. "Aber wir sind das auch gewöhnt und empfinden das nicht als schwer", betonte der Steinmetz und Steinbildhauer.

Das Holzbildhauersymposium in Scheibenberg lebt nach Aussage der Veranstalter auch vom Geben und Nehmen. "Wie profitieren einerseits von der einmaligen Kulisse der Orgelpfeifen. Anderseits wird Scheibenberg noch bekannter, wenn jedes Jahr um die 5000 Besucher kommen", so Jörg Unger.

Mehr Bilder vom 9. Holzbildhauer-Symposium auf dem Sommerlagerplatz in Scheibenberg finden sie im Internet auf der Seite der "Freien Presse".

freiepresse.de/BILDERGALERIEN

 

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