Hund beißt Politesse - Halter muss vor Gericht erscheinen

Der Mischling eines 32-jährigen Mannes hat mehrfach zugeschnappt. Zwei Frauen wurden dabei verletzt - dem Besitzer droht nicht nur die strafrechtliche Verurteilung.

Chemnitz.

Der Andréplatz war für einen 32 Jahre alten Chemnitzer ein Ort, an dem er sich fast täglich aufhielt. Ohne festen Wohnsitz, traf er in der Grünanlage im Stadtteil Kaßberg zahlreiche Bekannte, die ihm von Zeit zu Zeit Obdach gewährten. Stets hatte er seine Hunde mit dabei. Weil eines der Tiere eine Frau ins Gesicht und später eine Politesse ins Bein biss, musste sich der Mann nun vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fahrlässige Körperverletzung vor.

Beide Vorfälle liegen rund anderthalb Jahre zurück. Im April 2018 war der Mann gegen 23.30 Uhr mit einem der späteren Opfer an einem Pavillon auf dem Andréplatz zusammengetroffen. Beide hatten noch Bekannte im Schlepptau und kannten einander flüchtig. Zwei Hunde hatte der Angeklagte dabei: einen schwarzen Welpen und eine ausgewachsene Hundedame, eine Mischung aus Dalmatiner, Labrador und Stafford. Was dann passierte, schilderten die Beteiligten vor Gericht unterschiedlich. Dem 32-Jährigen zufolge habe man sich anfangs gut verstanden. Sein Begleiter habe sich mit dem Opfer unterhalten und sei dabei so in Rage geraten, dass er mit der Hand mehrfach gegen einen Zaun in unmittelbarer Nähe der Hunde geschlagen habe. Dies habe das größere der beiden Tiere derart provoziert, dass es zunächst mehrfach gebellt und dann die Frau angefallen habe, schilderte er vor Gericht.

Die Frau indes konnte sich an Schläge gegen den Zaun nicht erinnern. Vielmehr sei sie auf die Hunde zugegangen, um den Welpen zu streicheln, sagte sie. Da habe sie die Hündin attackiert. Ob diese im Moment des Angriffs angeleint gewesen war, könne sie nicht sagen. "Das ging alles viel zu schnell", sagte sie. Noch im Gedächtnis hatte sie aber, dass der Bekannte zwar den Krankenwagen gerufen, dem Angeklagten aber empfohlen habe, vom Tatort zu verschwinden, was der auch umgehend tat. Das Opfer trug von dem Biss Wunden am Kiefer und an der Wange davon. Geblieben seien Schlafstörungen und eine große Angst vor Hunden. "Wenn mir ein Hund entgegenkommt, wechsle ich jetzt lieber die Straßenseite", erklärte sie dem Gericht.

Der zweite Vorfall rund einen Monat später ereignete sich ebenfalls auf dem Andréplatz. Zwei Mitarbeiter des Ordnungsamtes, ein Mann und eine Frau, waren auf den Angeklagten aufmerksam geworden, weil sie ihn schon kannten - bei einer früheren Kontrolle hatte er keine Steuermarke für seine Tiere vorweisen können. Also entschlossen sich die beiden erneut zur Kontrolle. Nach den Worten des Angeklagten sei der Hund dabei allerdings erst aggressiv geworden, als die Ordnungsamtsmitarbeiter mit Taschenlampen leuchteten. Der Aufforderung, das Tier an die kurze Leine zu nehmen, habe er versucht nachzukommen.

Allerdings erfolglos: Die Hündin biss der Frau zunächst in den Oberschenkel, worauf sie sich losreißen konnte, wenige Sekunden später in die Wade. Auf Nachfrage des vorsitzenden Richters musste der Angeklagte einräumen, dass der Hund in der Vergangenheit misshandelt worden sei. "Wenn Ihnen das bekannt war, dann hätten Sie ihn im Grunde nie ohne Maulkorb ausführen dürfen", so der Richter. Mittlerweile lebt der Hund bei einer Freundin des Mannes.

Ein Urteil in dem Fall steht bislang noch aus. Weil bei der ersten Beißattacke Aussage gegen Aussage steht, will das Gericht nun noch den Bekannten des Angeklagten in den Zeugenstand holen, der trotz Ladung zur jüngsten Verhandlung nicht erschienen war. Zudem läuft ein Zivilverfahren: Das Opfer hat den 32-Jährigen auf ein Schmerzensgeld verklagt, das nach den Worten von dessen Anwältin mindestens 1500 Euro betragen soll.

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