"Im weißen Rössl" feiert unter Corona-Auflagen Premiere auf den Greifensteinen

Die bekannte Operette "Im weißen Rössl" feiert am 16. August auf den Greifensteinen Premiere - allerdings unter Corona-Auflagen. Angesichts von drei Stunden Originalhandlung zunächst ein Streichkonzert.

Ehrenfriedersdorf.

Steht das Glück im "Weißen Rössl" am Wolfgangsee wirklich vor der Tür? So zumindest verspricht es das Titellied der bekannten Revue-Operette, die 1930 in Berlin uraufgeführt wurde. Doch die Handlung, die am 16. August in der Inszenierung von Regisseur Ansgar Weigner auf der Freilichtbühne an den Greifensteinen Premiere feiert, lässt anderes vermuten.

Wirtin Josepha wird von Zahlkellner Leopold angehimmelt. Doch seine Angebetete hat nur Augen für Stammgast und Rechtsanwalt Dr. Siedler. Aufregung und Puls schnellen bei allen Beteiligten ob der verzwickten Lage in die Höhe, zumal sich in idyllischer Landschaft noch so mancher Nebenschauplatz auftut. Auch Fabrikant Giesecke und seine Tochter Ottilie, die Briefträgerin sowie Sigismund Sülzheimer und selbst der Kaiser mischen mit. Ansgar Weigner freut sich auf den Wolfgangsee im Erzgebirge. Das Bühnenbild steht. Freuen dürfen sich die Zuschauer bei sieben Aufführungen auf eine detailreiche Kulisse mit Schaufelraddampfer, Trabant, Pferdekutsche, einem rotierenden Kuhschwanz, einer Seilbahn und mehr. An anderer Stelle indes war Abspecken angesagt - Corona wegen. "Wir müssen viele Regeln einhalten", sagt der Regisseur aus Ingelheim am Rhein, Jahrgang 1975. So darf das Orchester nicht live spielen. "Alles wurde aufgenommen und kommt vom Band." Gleiches gilt für die Chor-Einlagen. "Es gibt nur zehn Solisten, die auf der Bühne stehen und singen, und vier Mitwirkende in der Kulisse", sagt Weigner. Denn ein "Weißes Rössl" ganz ohne Gäste - das wäre dann doch zu eigenartig. Noch weit vor dem Probenstart hat er Streicharbeit geleistet. Nicht länger als 100 Minuten darf die Aufführung dauern. Im Original sind es gut drei Stunden. "Also sind wir erfinderisch geworden."

Bedenken bleiben. "Ein Liebesduett ohne Anfassen - schon komisch, aber es wird", ist der Regisseur sicher, der 2018 am Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz schon einmal inszeniert hat: damals das Musical "Annie Get Your Gun" und unter normalen Theater-Bedingungen, an die derzeit noch nirgends zu denken ist. Was Weigner bewusst nicht wollte, ist eine auf Corona zugespitzte Fassung der Operette. "Das wäre möglich." Aber nicht angebracht. Und das liegt in der Botschaft des Stückes begründet. Es sollte das Volk amüsieren - mit üppiger Kulisse, tollen Kleidern und vor allem unterhaltsamen und satirischen Liedern. Komponist Ralph Benatzky spielt dabei eine fast tragische Rolle, weiß Ansgar Weigner. "Er schrieb fast 50 Jahre Tagebuch und musste unter anderem wegen jüdischer Verwandtschaft vor den Nationalsozialisten nach Amerika fliehen." Er fasste keinen Fuß und kehrte zurück. Das "Weiße Rössl" indes geriet zu seinem bekanntesten Werk. "Der Erfolg war so groß, dass er sich eine Villa in der Schweiz kaufen konnte." Doch glücklich war Benatzky nicht. Denn auf Wunsch des damaligen Regisseurs wurde sein Werk durch Musik von anderen Komponisten wie Robert Stolz ergänzt. Das hat der Vater der mehrfach verfilmten Operette nie verkraftet. Laut Weigner wurde Benatzky 1950 Ehrenbürger von Sankt Wolfgang, wo er sieben Jahre später auch beerdigt wurde. "Bei der Beisetzung wurde das Titellied vom Rössl als Trauermarsch gespielt."

Vom Stück selbst gibt es zwei Fassungen - jene von 1930, die erst 2009 in Zagreb wiederentdeckt wurde und die Weigner als frecher und bissiger beschreibt. Die andere stammt aus den 1950er-Jahren und entspricht eher den Harmonie-Bedürfnissen der Nachkriegszeit. Sie gilt als charmanter. "Wir präsentieren sie in einer sehr ansprechenden Weise", versichert der Regisseur. Die Proben laufen seit Anfang Juli. Theater im herkömmlichen Sinne ist es zwar noch lange nicht. "Aber ein erster Schritt", so Weigner, der kurz vor dem Lockdown Mitte März am Theater in Krefeld seine bisher letzte Premiere feierte - eine Geisterpremiere ohne Zuschauer auf den Plätzen. Nur ein einziges Mal wurde seine Version von Antonín Dvoráks Märchenoper "Rusalka" aufgeführt - per Livestream übers Internet. Entsprechend groß sei die Vorfreude auf echtes Publikum im Erzgebirge. "Trotz aller Einschränkungen."


Premiere bereits ausverkauft

"Im weißen Rössl am Wolfgangsee, da steht das Glück vor der Tür", heißt es im Titellied der Revue-Operette von Ralph Benatzky. Doch bevor die selbstbewusste Rössl-Wirtin Josepha Vogelhuber und der rettungslos in sie verliebte Zahlkellner Leopold Brandmeyer zu ihrem Glück finden, müssen sie zunächst manch unvermutete Turbulenz überstehen. Im Übrigen verliebt sich auch Rechtsanwalt Dr. Otto Siedler in diesem Sommer und zwar ausgerechnet in Ottilie, die Tochter des streitlustigen Trikotagenfabrikanten Wilhelm Giesecke, der momentan in einen zähen Rechtsstreit mit Sigismund Sülzheimer verwickelt ist, dem Mandanten Siedlers. Sie alle treffen im "Rössl" am Wolfgangsee aufeinander. Die Hausherrin hat die Ankunft Dr. Siedlers schon sehnsüchtig erwartet, ist sie doch schon seit einiger Zeit für den Stammgast entflammt. Das wiederum bringt Leopold in Rage und er versucht mit großem und durchaus intrigantem Eifer, seine Angebetete doch noch für sich zu gewinnen - bis er kapituliert und kündigt. Ohne Leopold aber ist es im "Weißen Rössl" nur noch halb so schön.

Die Premierenvorstellung am Sonntag ist bereits ausverkauft. Weitere Aufführungen sind in der diesjährigen Saison auf der Freilichtbühne an den Greifensteinen am 20. und 23. August jeweils ab 15 Uhr, am 26. August ab 17 Uhr, am 30. August und am 2. September jeweils wieder ab 15 Uhr und am 6. September noch einmal ab 17 Uhr vorgesehen.

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