Illegale Mülldeponie in Bärenstein?

Auf einem Betriebsgelände an der Talstraße stapelt sich Bauschutt. Sogar der Landesregierung ist das bekannt. Umweltschäden sind nicht absehbar. Als Deponie bezeichnen wollen die Behörden die Ablagerung aber nicht.

Tonnenweise Bauschutt lagern auf einem Betriebsgelände in Bärenstein. Der Betreiber will nun Abhilfe schaffen.

Von Sarah Hofmann

146 Tonnen Dachpappe, 1638 Tonnen gemischter Bauschutt, 43 Tonnen Folien, 88 Tonnen Siedlungsabfälle und 30 Tonnen Asbest. Hinter der nüchternen Auflistung des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft verbirgt sich eine illegale Abfallabfallablagerung mitten in Bärenstein. Und das schon seit Jahren. Der Gemeinde ist das Problem bekannt. "Es ist in den vergangenen Jahren immer mal wieder was daran gemacht worden", sagt Silvio Wagner vom Bärensteiner Ordnungsamt. Der Müll sei mal mehr und mal weniger geworden. "Wir haben natürlich mitbekommen, dass der Müll dort gelagert wird. Wir haben aber keinen Einfluss darauf, das ist Sache des Landratsamtes", so Wagner. Beschwerden habe die Kommune stets an den Landkreis weitergegeben. Dort wandten sich auch Bürger ganz konkret hin. Darunter Jens Schreiter. Der Bundespolizist fährt häufig im Grenzgebiet Streife, in dem sich auch die Müllablagerung befindet, Streife. Er fragte mehrfach bei Behörden nach ohne Erfolg. Das brachte die Politik ins Spiel. Die Grünen-Kreisrätin Ulrike Kahl nahm sich des Problems an und hakte nach. Auf ihre Anfrage teilte ihr das Landratsamt mit, dass es sich mitnichten um eine illegale Mülldeponie handele, sondern um eine "nicht genehmigte Ablagerung von Abfällen", die im Mai 2017 festgestellt wurde. Auf Anfrage der "Freien Presse" schließt sich auch das Ministerium dieser Einschätzung an. "Der Begriff illegale Deponie kommt nicht von uns. Er entstammt der Überschrift einer Kleinen Anfrage eines Abgeordneten der Landtagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen", teilt Pressesprecher Frank Meyer mit. Warum der Fragesteller, der Abgeordnete Volkmar Zschocke, diese Bezeichnung wählte, sei dem Ministerium nicht bekannt. Auch bestehe zwar eine potenzielle Gefahr für die Umwelt, man wolle jedoch nicht von einer akuten Gefahr sprechen.

Und was unternimmt das zuständige Landratsamt? Es hat eine sogenannte Sicherheitsleistung festgesetzt. "Um sicherzustellen, dass die Kosten einer möglichen Ersatzvornahme dem Betreiber und nicht der Allgemeinheit zur Last fallen", so Landkreissprecherin Katja Peter.

Wann die Schuttberge nun aber tatsächlich verschwinden, darüber gibt Steffen Held Auskunft, denn es ist seine Firma auf dem betroffenen Gelände. "Es ist genehmigt, dass ich hier eine Sortieranlage betreibe", sagt er. Auch der Bauschutt habe seine Berechtigung, allerdings nur bei einer Menge von 1000 Tonnen. Die habe er aktuell überschritten. Dafür führt er zweierlei Gründe an. Einen Teil des Schutts bringt seine Firma nämlich nach Hammer in den Steinbruch, um ihn dort zu entsorgen. Durch die Sperrung der Bundesstraße sei dort momentan aber kaum ein Durchkommen, so Held. Daher sei seine Firma mit den Fuhren in Verzug. Ein Großteil des Schutts werde aber noch in diesem Herbst entfernt. "Vorgesehen ist, dass der Schutt in diesem Jahr noch gebrochen wird", sagt Steffen Held. Dann leiht er sich eine Maschine, die den Schutt in Einzelteile zerlegt. Der werde dadurch recycelt und könne zum Teil wieder als Baumaterial verwendet werden. So halte es seine Firma schon seit Jahren.

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