Illustre Schlossbewohner bitten zur Party

Sie ist seit 50 Jahren Kult; Richard O' Briens "Rocky Horror Show". Auch im Eduard-von-Winterstein-Theater stand die bizarre Show schon auf dem Spielplan. Jetzt gibt es eine neue Ausgabe.

Annaberg-Buchholz.

Zum Zeitvertreib erfand der arbeitslose Schauspieler Richard O' Brien Anfang der 1970er-Jahre sein bizarres Rock-Gothic-Märchen "The Rocky Horror Show". Das Musical wurde schon bald nach seiner Uraufführung 1973 in London und der anschließenden Verfilmung 1975 weltweit zum Kult. Und die lustvolle Attacke auf B-Movies und klassisches Musical fasziniert und entzückt nach wie vor Millionen Zuschauer mit Hits wie "There's a Light", "Sweet Transvestite", "I'm going home" und natürlich "Time Warp".

Auch im Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz steht die schaurig-schöne Geschichte um das frisch verlobte Paar Janet und Brad, die unfreiwillig in die bizarre Welt eines abgelegenen Schlosses mit exzentrischen Bewohnern geraten, nicht zum ersten Mal auf dem Spielplan. Die jüngste Aufführung mit Sven Zinkan in der Hauptrolle - die im Sommer 2012 auf der Freilichtbühne an den Greifensteinen Premiere hatte - ist zu einer der erfolgreichsten Inszenierungen der vergangenen Jahre geworden. Vor allem auch dank des umjubelten Hauptdarstellers, der für seine Rolle als Schlossbesitzer Frank 'N' Furter vom Fleck weg für das Südthüringische Staatstheater in Meiningen engagiert worden war. Eine Seltenheit in der Branche.

Nun also eine Neuauflage des erfolgreichen Stückes. Das allerdings anders werden wird als die damals opulente Inszenierung für die Geifensteine, sagt Nick Körber. Der gebürtige Essener, der seit drei Jahren zum Schauspielensemble des Eduard-von-Winterstein-Theaters gehört, spielt jetzt den Frank 'N' Furter. Und er freut sich wie alle anderen Darstellerinnen und Darsteller schon auf die Inszenierung, die am Sonntag ihre Premiere in Annaberg-Buchholz erlebt: "Für uns ist das eine große Party", sagt er. Eine, die es allerdings in sich hat - insbesondere für ihn. Agiert er doch in leuchtend roten High Heels mit 21 Zentimeter hohen Absätzen in seinem Schloss. Die Farbe hat er dabei ganz bewusst gewählt: "Wir wollen bewusst mit den Bildern brechen, die die Zuschauer zu dem Stück und insbesondere zu dem Film mit Tim Curry im Kopf haben", erklärt er. Eine Herausforderung, denn der Kultstatus soll dabei natürlich nicht verloren gehen. Dennoch will er der Figur des Schlossbesitzers auch so viel wie möglich von sich mitgeben.

Und die Pumps? Die machen ihm kein Kopfzerbrechen mehr. "Ich habe diese Rolle schon einmal an der Schauspielschule gespielt", erzählt er. Da habe er mit Schuhen angefangen zu üben, die fünf Zentimeter Absatz haben. "Zentimeterweise habe ich mich dann bis auf 21 Zentimeter gesteigert und jeden Tag geübt: beim Abwaschen, beim Bügeln ..." Und geschafft hat er das alles ohne eine einzige Blase an den Füßen, versichert Nick Körber. Eine erste Kostprobe davon, wie souverän der Schauspieler diese Herausforderung meistert, konnten die Gäste seines jüngsten Konzertes auf der Studiobühne miterleben, als Körber seine erste CD mit ausgewählten Musical-Melodien und eigenen Stücken vorgestellt hat.

Die Neuausgabe der "Rocky Horror Show" wird von Tamara Korber inszeniert. Die Choreografie liegt in den Händen von Irina Pauls, die Musikalische Leitung über die Live-Band hat Markus Teichler. Bühnenbild und Kostüme entwarf Robert Schrag.


Das Stück

Eine stürmische Novembernacht: Janet und Brad, frisch verlobt, sind mit dem Auto unterwegs. Eine Reifenpanne zwingt sie, im strömenden Regen an die Pforte eines abgelegenen Schlosses zu klopfen. Ein kauziger Diener öffnet und lädt sie ein. Die beiden beschleicht ein mulmiges Gefühl. Nur schnell den Pannendienst rufen und dann nichts wie weg. Aber daraus wird nichts: Das Paar trifft stattdessen auf eine Gesellschaft von exzentrischen Schlossbewohnern, die Janet und Brad im Laufe der Nacht immer tiefer in eine höllische Party hineinziehen: Der Schlossbesitzer Frank 'N' Furter vom Planeten Transsexual Transylvania präsentiert seinen außerirdischen Mitbewohnern seine neueste und bisher größte Schöpfung: das verführerische Retortenwesen Rocky Horror.


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