Im Kino in die Arktis

Auch wenn die Blockbuster fehlen: Filmtheater werden wieder besucht - mit unterschiedlicher Auslastung. Und sie zeigen Perlen, die sonst wohl untergegangen wären.

Gelenau.

Wenn das Reisen in die Ferne schon kaum möglich ist - im Kino geht das allemal, dachte sich der Gelenauer Clubkino-Betreiber Sven Kruppa und erinnerte sich an ein Filmprojekt, das ursprünglich für März vorgesehen war: "Spitzbergen - auf Expedition in der Arktis" von den Filmemachern Silke Schranz und Christian Wüstenberg aus Frankfurt am Main. "Großes Land, große Flächen, großes Kino", beschreibt Kruppa die filmische Reise zu Menschen, Eisbären, Robben und Walrössern in den hohen Norden Norwegens. "Warum nicht mal einen beeindruckenden Dokumentarfilm ansehen?"

Der Betrieb in den Filmtheatern der Region ist wieder angelaufen - mit unterschiedlicher Resonanz. "Auf Sparflamme", sagt Sven Kruppa, denn neue Filme sind noch immer Mangelware. Doch unzufrieden ist der Kinobetreiber dennoch nicht: "Da nur die Hälfte der 80 Plätze genutzt werden kann und wir nur am Wochenende spielen, rechnet sich das wirtschaftlich gerade so. Die meisten Besucher buchen im Internet, Spontanbesuche sind eher selten." Auch auf der ebenfalls von ihm betriebenen Open-Air-Waldbühne Neuwürschnitz, auf der meist ältere Filme gezeigt werden, kämen wie im Vorjahr rund 60 Zuschauer pro Vorstellung, berichtet Kruppa.

"Schlecht bis miserabel", konstatiert hingegen Andreas Helmert, einer der beiden Betreiber des Marienberger Kinocenters Movie, die Lage. "Wir freuen uns, dass uns zumindest unser Stammpublikum die Treue hält. Dabei waren wir am 15. Mai eines der ersten Filmtheater Sachsens, das wieder öffnete." Durchschnittlich 100 Interessenten kommen pro Woche ins Marienberger Kinocenter - soviel, wie zu einer Vorstellung Plätze gefüllt werden könnten. "Da kann man wirklich nicht davon leben", meint Andreas Helmert. "Dabei spielen wir sechs Tage die Woche. Aber alte Streifen, Musikfilme und Dokus sind nun mal keine neuen Blockbuster." Ausgerechnet auf Horror setzt der Kino-Betreiber große Hoffnungen: "Ab 9. Juli soll mit ,Gretel und Hänsel' ein nagelneuer Film dieses Genres anlaufen."

Vor der Corona-Pause sind beide Lichtspielhäuser gut gefüllt gewesen. "In den vergangenen drei Jahren waren die Besucherzahlen nahezu konstant. Gute Filme laufen halt auch gut", sagt Movie-Betreiber Helmert. "Familienfilme, also alles mit Tieren und Animationsstreifen, werden am besten besucht. Nur jugendliche Kinogäste sind rar geworden. Die kommen meist nur noch zu Actionfilmen." Diese Erfahrungen hat auch Sven Kruppa gemacht: "Familienfilme sind nicht nur am besten besucht, da kommen mitunter sogar drei Generationen. Junge Leute hingegen sind seltener." Der Gelenauer Clubkino-Betreiber registriert großes Interesse an seiner Filmbühne auch über die Region hinaus: "Wenn Anrufer sagen, dass sie einen bestimmten Film unbedingt bei uns sehen wollen, freut mich das natürlich. Vor allem viele ältere Gäste ab 60 Jahren aufwärts kommen gern ins Kino - nicht nur mit den Enkeln oder den Kindern, sondern auch als Pärchen." Dass er vor zwei Jahren rund 60.000 Euro in 80 neue Kinosessel investiert habe, sei die richtige Entscheidung gewesen, meint Kruppa: "Der Kinobesuch wird wieder als etwas Besonderes empfunden."

"Spitzbergen - auf Expedition in der Arktis" läuft Samstag und Sonntag dieser Woche jeweils 20 Uhr im Clubkino Gelenau.

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