In Breitenbrunn leben die meisten über 85-Jährigen - ein Problem?

Für den Bürgermeister der Gemeinde kommt diese Erkenntnis nicht überraschend. Er hat dafür eine einfache Erklärung. Allerdings gibt es für die Statistik auch noch eine andere.

Annaberg-Buchholz/Amtsberg.

Breitenbrunn ist der älteste Ort im Erzgebirgskreis. Nein, nicht die Gemeinde selbst. Die Aussage bezieht sich auf das Alter der Einwohner. In keiner Kommune des Kreises leben so viele Menschen, die 85 Jahre und älter sind, wie in Breitenbrunn. Laut aktuellster Statistik waren das Ende 2015 genau 5,354 Prozent der Gesamtbevölkerung des Ortes oder - in absoluten Zahlen - 294 von 5491 Einwohnern. Auch bei den über 90-Jährigen ist Breitenbrunn mit 1,876 Prozent ganz vorn im Kreis.

Breitenbrunns Bürgermeister Ralf Fischer, mit diesen Zahlen konfrontiert, zeigte sich wenig überrascht. "Dafür gibt es eine ganz einfache und nachvollziehbare Erklärung. Wir haben im Gemeindegebiet fünf Alten- und Pflegeheime beziehungsweise Einrichtungen für betreutes Wohnen", sagt Fischer. Sie verfügten insgesamt über eine Kapazität von 260 Pflegeheimplätzen und rund 80 im Bereich des betreuten Wohnens. "Das kann keine andere Kommune unserer Größe vorweisen", betont Fischer. Insofern gebe es diesbezüglich kein Problem, weil eine entsprechende Infrastruktur vorhanden ist. Ein Problem hat Fischer dennoch - mit der Statistik. Grund: Sie spiegelt seiner Ansicht nach nicht wirklich wider, wie Breitenbrunn mit seinen ganzen Ortsteilen aufgestellt ist. "Eigentlich sind wir doch viel jünger. Weil aber weder die mehr als 600 Studenten noch die vielen Touristen in die Zahlen einfließen, sind die Zahlen eben so, wie sie sind", sagt Fischer.

Quasi die Gegensätze zu Breitenbrunn sind Heidersdorf und Amtsberg. Während die Gemeinde im Spielzeugwinkel prozentual die wenigsten Einwohner hat, die 85 Jahre und älter sind, kommt kein anderer Ort im Kreis auf so wenige Bürger, die 90 Jahre und älter sind wie Amtsberg. "Dass wir ziemlich jung aufgestellt sind, habe ich schon bemerkt", sagt Silvio Krause. Er ist der Bürgermeister der Gemeinde am Stadtrand von Chemnitz. Das ist auch das beziehungsweise ein Geheimnis für die Entwicklung des Ortes. "Um den Jahrtausendwechsel herum setzte in Amtsberg ein großer Bauboom ein. Seitdem sind rund 300 Eigenheime entstanden. Das bedeutete natürlich Zuzug von zumeist jungen Leuten", so Krause. Und die seien eben zum Großteil aus Chemnitz gekommen, aber auch aus dem Gebirge, um etwa den Arbeitsweg nach Chemnitz zu verkürzen. Amtsberg habe deshalb noch immer fast so viele Einwohner wie 1994. Allerdings bedauert Krause, dass es im Ort keine Einrichtung für ältere Menschen gibt. Sie müssten deshalb oft notgedrungen weggehen, etwa ins Seniorenzentrum ins benachbarte Gornau. "Dabei haben wir durchaus Flächen für potenzielle Investoren anzubieten", sagt der Bürgermeister und macht gleich Werbung in eigener Sache.

Auch Königswalde ist jung aufgestellt. Mit einem Anteil an 90-jährigen und älteren Bürgern von nur 0,484 Prozent folgt die Kommune den Amtsbergern auf dem Fuß. "Hoffentlich kommt niemand auf die Idee zu sagen, hier wird keiner alt", sagt Bürgermeister Ronny Wähner mit einem Lachen. "Nein, ich denke, die schöne Wohnlage gepaart mit einer guten Infrastruktur ist es, die viele und vor allem junge Leute in unseren Ort ziehen lässt", so Wähner weiter. So verfüge Königswalde unter anderem noch über eine Grundschule, Ärzte, eine Apotheke, einen Discounter, ein Gewerbegebiet aber auch eine Senioreneinrichtung. Seit der Wende seien in der Gemeinde zirka 130 Eigenheime neu gebaut worden. Trotzdem hat auch Königswalde das Problem, dass inzwischen die Geburtenrate die Sterbefälle nicht mehr kompensieren könne.

Bei einem Blick über den Tellerrand hinaus zeigt sich, dass nicht nur im Erzgebirgskreis, sondern in ganz Sachsen die Zahl der älteren Menschen sehr hoch ist. Laut des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ist der Freistaat sogar die Altershochburg Deutschlands. In keinem anderen Bundesland leben laut GDV so viele hochbetagte Menschen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung. Danach haben von 100 Einwohnern in Sachsen bereits rund sieben Prozent ihren 80. Geburtstag gefeiert.


"Es macht Spaß, in Königswalde zu wohnen"

Matthias Weißflog (45) ist seit fünf Jahren Königswalder. Mit dem Inhaber einer Elektronikfirma und Vater von zehn Kindern sprach Matthias Wetzel.

"Freie Presse": Wieso sind sie gerade nach Königswalde gezogen?

Matthias Weißflog: Wir haben hier im Ort ein ideales Grundstück für unser Haus gefunden haben. Wir brauchten für unsere zwölf Familienmitglieder und die Firma ein relativ großes und trotzdem bezahlbares Grundstück. Hier hat einfach alles gepasst.

Was schätzen Sie an Königswalde?

Wir sind im Ort und in der Kirchgemeinde sofort gut aufgenommen worden. Vorher wohnten wir in Annaberg. Hier sind der Zusammenhalt und die Kontakte zu den Nachbarn viel enger. Und unseren Kindern gefällt es so gut, dass sich zwei jetzt sogar in Königswalde ihr eigenes Haus bauen wollen.

Wie ist die Versorgungslage?

Ausgezeichnet. Hier gibt es vom Fleischer über den Bäcker bis zur Sparkasse und zur Apotheke alles.

Was könnte noch besser sein?

Eigentlich nichts. Bis auf den Spielplatz an der Kirche. Der bräuchte mal eine dringende Überholung.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...