In der Trauergruppe darf auch gelacht werden

Für Kinder ist der Tod geliebter Menschen schwer zu verarbeiten. Von den Maltesern gibt es ab November ein Hilfsangebot.

Annaberg-Buchholz.

Wenn Erwachsene trauern, waten sie durch tiefe Flüsse. Kinder hingegen springen von Pfütze zu Pfütze. Mit diesem Bildnis vergleicht Jana Hering die unterschiedliche Art und Weise, wie eben Kinder und Erwachsene den Tod eines geliebten Menschen verarbeiten. "Ein Kind kann Lust haben, sich auf dem Fußballplatz so richtig auszutoben und ein paar Stunden später wieder in tiefe Traurigkeit verfallen", erklärt die Koordinatorin des Malteser Hospizdienstes in Annaberg-Buchholz.

Familienmitglieder, die wegen eines Verlustes oft mit sich selber zu tun haben, kann die sprunghafte, kindliche Trauer vor Herausforderungen stellen. Zusammen mit drei weiteren Trauerbegleiterinnen möchte Jana Hering daher einen geschützten Raum für Kinder bieten, die Eltern, Bruder, Schwester oder aber einen anderen geliebten Menschen verloren haben.

In zehn Sitzungen zu je zwei Stunden können betroffene Kinder zwischen 6 und 12 Jahren in der Trauergruppe zum Beispiel über Gefühle sprechen. Auch sie erleben Wut, Angst, Schuld oder Ohnmacht. "Doch Kinder können das oft nicht benennen und wissen nur, dass etwas in ihnen anders ist", sagt Trauerbegleiterin Peggy Strobel. Oder aber die Kinder verbergen ihre Trauer zum Schutz der eigenen Angehörigen. "Ich will daheim nicht weinen, damit die Mama nicht traurig ist", habe ein Kind in der Trauergruppe vergangenes Jahr gesagt, an der acht Kinder teilgenommen hatten.

Da es die Kindertrauergruppe zum zweiten Mal geben wird, können die Begleiterinnen auf Erfahrungen zurückgreifen. "Wir hatten schöne Erlebnisse, es ging lustig und oft sehr lebhaft zu", erinnert sich Jana Hering. Denn auch wenn es Trauergruppe heißt, dürfe gerne gelacht werden. Neben Gesprächen bieten die Begleiterinnen auch Spiele, kreatives Gestalten und gemeinsames Essen an. "Wir reden auch über die Schule oder Gott und die Welt", sagt Hering, die dieses Jahr auch die Angehörigen stärker einbinden möchte. Das Thema Tod solle aber keinesfalls verdrängt, die Verstorbenen stattdessen in Erinnerung gehalten werden. "Sie bekommen einen neuen Platz im Leben der Kinder, auch wenn dieser nicht mehr am gemeinsamen Essenstisch ist."

Die Trauergruppe für Kinder im Haus der Hoffnung beginnt am 7. November und ist kostenfrei. Anmeldung beim Malteser Hospizdienst unter der Nummer 03733/4285838

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