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Internationaler Frauentag: Junge Erzgebirgerin kritisiert Gender-Pay-Gap

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Veraltete Rollenbilder, durchschnittlich 19 Prozent weniger Stundenlohn, eine höhere Belastung durch Beruf und Familie - 110 Jahre Internationaler Frauentag haben noch nicht alle Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern beseitigt. Eine junge Erzgebirgerin will das ändern.

Erzgebirge.

Sie ist 15 Jahre jung, wohnt in Burkhardtsdorf und besucht das Humanistische Greifensteingymnasium in Thum: Luca Helena Koitzsch. Und sie will als Feministin etwas für die Gleichberechtigung tun. Denn: "Die Emanzipation hat schon vieles erreicht, doch gleichberechtigt sind Frauen und Männer noch lange nicht", sagt sie. Insbesondere in der Corona-Pandemie lasse sich beobachten, dass die alten Rollenbilder zunehmend ausgelebt werden: Die Frau kümmert sich um den Haushalt und die Kinder, der Mann verdient das Geld.

Beobachtungen, die vor allem von den Gewerkschaften bestätigt werden. "Aktuelle Studien zeigen: Berufstätige Mütter stecken häufiger zurück als Männer", konstatiert unter anderem Christiane Benner, zweite Vorsitzende der Industriegewerkschaft (IG) Metall aus Zwickau. Die Pandemie verschärfe die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern. Auch bei der IG Bau wird vor "Rückschritten bei der Gleichberechtigung" gewarnt. "Insbesondere Minijobs werden in der Krise zunehmend zur Karrierefalle", kritisiert Bezirksvorsitzender Andreas Herrmann. Und im Erzgebirgskreis sind nach Angaben der Agentur für Arbeit allein in der Gebäudereinigung 69 Prozent aller Minijobs in Frauenhand. Die Erfahrung der Gewerkschafter: "Geringfügig Beschäftigte gehen nicht nur beim Kurzarbeitergeld leer aus. Sie sind auch häufiger von Entlassungen betroffen."

19 Prozent verdienen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes Frauen pro Stunde durchschnittlich weniger als Männer. Diese Differenz wird Gender-Pay-Gap genannt und für Luca Helena Koitzsch ist fraglich, warum dieser überhaupt noch existiert. "Seit den 1990er-Jahren haben mehr junge Frauen Abitur gemacht als Männer. Auch während der gesamten Schullaufbahn haben Mädchen durchschnittlich bessere Noten. Das zeigt, dass Frauen mindestens genauso qualifiziert sind wie Männer. Des Weiteren gibt es fast sechsmal so viele alleinerziehende Mütter wie Väter", führt die 15-Jährige einige Fakten an, die gegen den Gender Pay Gap sprechen. Aus ihrer Sicht ist es "also völlig unangemessen", dass dieser noch nicht verringert wurde, wie es in anderen Ländern der Europäischen Union schon der Fall sei.

Dabei fühlt sich die junge Feministin mit ihrer Meinung zum Thema Gleichberechtigung nicht allein. Unter den Jugendlichen in ihrem Umfeld werde darüber viel diskutiert - auch in der Schule. Und doch wünscht sie sich noch mehr Beteiligung. Denn etwas zu ändern, müsse nicht immer kompliziert sein und könne zum Beispiel schon damit beginnen, dass die Aufgaben im Haushalt gerecht verteilt werden und die Kinder eben nicht nach den alten Rollenbildern erzogen werden.

Für sie jedenfalls steht fest, dass über Gleichberechtigung nicht nur am Frauentag diskutiert werden sollte. Und in dem Zusammenhang stellt sie auch klar, dass Feminismus längst nicht nur Frauensache ist. Vielmehr gehe es dabei um Gleichberechtigung, Menschenwürde und Selbstbestimmung für alle Menschen.

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