Jagdrevier - Steinkohlerevier - Radrevier

Beim Städtewettbewerb "Ab-in-die-Mitte" reicht die Stadt Lugau ein Fahrradprojekt ein. Der Jägerhauskomplex soll als touristischer Knotenpunkt deutlich belebt werden. Wiederum spielen Schüler dabei eine Rolle.

Lugau.

Es ist am Donnerstag viel gewunken, gehupt und gelacht worden an der Stollberger Straße in Lugau. Zehn Achtklässlerinnen des Carl-von-Bach-Gymnasiums saßen auf den Stufen des dortigen Fahrradgeschäfts und grüßten die vorbeifahrenden Autofahrer auf der B180. Hupte einer zur Antwort, gab es ein großes Hallo. "Endlich mal was los in Lugau", kokettierte Bürgermeister Thomas Weikert (Die Linke) am Rande der ausgelassenen Szenerie.

Die Mädchen sind gewissermaßen Vorboten für das, was an dieser Stelle möglichst bald entstehen könnte. Der Jägerhauskomplex soll als touristischer Knotenpunkt deutlich belebt werden. Die Stadt hat gestern den Beitrag zum diesjährigen Städtewettbewerb "Ab-in-die-Mitte" eingereicht. Titel: Vom Jagdrevier zum Radrevier. Damit werden die preisgekrönten Bemühungen aus dem Vorjahreswettbewerb aufgegriffen, als Lugau Ideen für einen Erlebnisradweg auf der ehemaligen Bahnstrecke in Richtung Oelsnitz eingereicht hatte.

Das Vorhaben hat mittlerweile an Fahrt gewonnen, weil die Gleisanlage - zu Steinkohlezeiten einst Lebensader der Stadt - bereits entwidmet und somit die Strecke nun für den neuen Zweck verfügbar ist. Der aktuelle Beitrag sieht vor, das neue Jägerhaus an der Stollberger Straße zu einem Radzentrum auszubauen. Radfahrer können dort übernachten, sich verpflegen, Informationen erhalten und den Reparaturservice des ansässigen Fahrradgeschäftes in Anspruch nehmen. Es soll als Ausgangspunkt für Radtouren etabliert werden. Das Vorhaben wird zurzeit in einem Schaufenster präsentiert. Zu sehen sind neben einer Projektbeschreibung auch Schülerarbeiten, die sich mit dem zweiten Gebäude des Komplexes beschäftigen.

Das alte Jägerhaus von 1728 gilt als eines der ältesten Gebäude Lugaus. Es diente als Unterkunft für hochherrschaftliche Jagdgesellschaften und legt heute Zeugnis darüber ab, dass der Steegenwald als Jagdrevier einst bis ins heutige Herz von Lugau reichte. Das Gebäude ist allerdings marode und für eine Nutzung als Wohnhaus nicht mehr geeignet. "Was mit dem Haus wird, ist derzeit offen", räumt Weikert ein, der sich allerdings offen für Ideen zeigt. Daher wird ab Dienstag im Fahrradladen ein Ideenbuch ausliegen, in dem Bürger Anregungen zum Vorhaben eintragen können. Eine Idee ist, dass das Haus als Vorbild oder Grundlage für einen begeh- und befahrbaren Erlebnisparcours dient. Was auf dem Areal des Jägerhauskomplexes, neben dem künftigen Radweg, entstehen könnte, darüber haben sich die Schüler in einer Projektwoche Gedanken gemacht und mit Unterstützung des Holzbildhauers Christoph Roßner aus Bad Schlema verschiedene Modelle geschaffen.

Entstanden sind unter anderem ein überdimensionaler Jägertisch als Unterstand oder ein Park zum Erholen, aber auch ein Kletterwald oder eine Rampe, um den Höhenunterschied zwischen künftigem Radweg und Jägerhauskomplex auszugleichen. Eine Besonderheit ist den Schülern bei der Besichtigung des Areals aufgefallen. "Es gibt dort einen zusammengewachsenen Baum", erklärt die Achtklässlerin Anne. Der soll zu einem Herzbaum werden. Dazu soll eine Holzplatte befestigt werden. "Daran können Pärchen Fahrradschlösser als Liebesbeweis befestigen."

Bereits in der Vergangenheit haben Schüler die Stadt Lugau tatkräftig beim Städtewettbewerb unterstützt. "Das war sehr erfolgreich, daher greifen wir gerne wieder auf die Jugend zurück", sagt Weikert. Das unterstützt Dirk Kuniß, Inhaber des Geschäfts "Fahrraddoktor", bereitwillig. "Als Hobbyfotograf bin ich kunstinteressiert und ermögliche den Schülern gerne, ihre Arbeiten bei mir zu präsentieren", sagt Kuniß. Von den Plänen für den Jägerhauskomplex ist er als Fahrradhändler naturgemäß angetan. "Das Vorhaben befördert aber auch die Stadtentwicklung generell in diesem Teil von Lugau", sagt Kuniß.

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