Jetzt ist er weg: Ade "Bayrischer Hof"

Das Gebäude am Altmarkt von Geyer hat über Generationen das Stadtbild geprägt. Nun ist der Abriss abgeschlossen, soll ein neuer Platz angelegt werden. Doch was war das für ein Haus, das nun Geschichte ist?

Geyer.

Gut 150 Jahre hat es den Altmarkt von Geyer geprägt: das Gebäude des später so benannten "Bayrischen Hofs". Nun ist es Geschichte, sind nach dem Abriss zunächst noch Arbeiten am Giebel des Nachbarhauses im Gang. Danach soll der Platz neu gestaltet werden - nach jetzigem Stand mit viel Grün, Wasser und dem künftigen Standort der Pyramide. Damit endet ein Kapitel in der Stadtgeschichte, das zuletzt nur noch mit Sorgen verbunden war. Denn das große Objekt verfiel seit den 1990er-Jahren mehr und mehr. Hoffnungen, die die Stadt in der Nach-Wende-Zeit mit einem Verkauf an Investoren verbunden hatte, erfüllten sich nicht. 2017 schloss sich der Kreis: Geyer konnte den "Bayrischen Hof" bei einer Zwangsversteigerung für 2250 Euro wieder erwerben. Die Voraussetzung für den Abriss.

An der Stelle des einstigen "Bayrischen Hofes" stand laut Ortschronist Steffen Küchler schon der Gasthof am Marktplatz, bevor dieser 1862 durch einen Brand zerstört worden ist. Als "Schwarzes Roß" wurde das Gebäude 1865 wieder aufgebaut, später einfach Gasthof und dann Hotel "Bayrischer Hof" genannt. Es habe dann zudem weitere Bezeichnungen wie Wismut-Saal gegeben. Wie Küchler berichtet, gab es einst neben einer Einkehrstätte einen großen Saal, Fremdenzimmer und anfangs auch Stallungen für 32Pferde, später Garagen. Das sei vom Service her vergleichbar mit heutigen hoteleigenen Tiefgaragen gewesen. Im Übrigen war lange ein Schriftzug an der Fassade zu lesen, bis er in den 1980er-Jahren weichen musste: "Es grünet die Tanne - Es wachset das Erz - Gott schenke uns allen ein glückliches Herz".

1928 wurde das Objekt nach Schilderungen des Ortschronisten als "schöner neuzeitlicher Konzert-, Theater- und Ballsaal" wiedereröffnet. Nach dem II. Weltkrieg wird unter anderem von einer großen Schnitzausstellung 1955 in dem Gebäude berichtet, in der man erstmals ein hölzernes Modell des Marktes um 1850 zeigte, das heute noch im Rathaus steht. Belegt sei ebenso die Auszeichnung der HO-Gaststätte "Bayrischer Hof" als Kollektiv der sozialistischen Arbeit 1966. Hauptaufgabe war damals die Versorgung der Werktätigen, aber auch von Schüler- und Wandergruppen. Pro Tag seien 500 bis 600 Portionen serviert worden, in Spitzenzeiten bis zu 1000. 1985 wurde die Gaststätte aus hygienischen Gründen geschlossen, so Küchler.

Ein Jahr später folgte eine Entscheidung des Rates der Stadt Geyer, durch die das Gebäude am Altmarkt "Eigentum des Volkes" wurde. Noch 1989 weihte man im Objekt eine zentrale Arbeiterversorgung in Zusammenarbeit mit Betrieben ein, wodurch ermöglicht werden sollte, 1200 Essensportionen pro Tag zu servieren. Doch das war nach der Wende bald Geschichte, der Bedarf nahm mehr und mehr ab. Nach dem Rückzug der Betriebe sei die Gaststätte noch kurzzeitig privat betrieben worden. Schließlich folgte 1991 die Entscheidung des städtischen Hauptausschusses, das Gebäude zu verkaufen, es wurde eine Anzeige in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung geschaltet. Noch im gleichen Jahr erfolgte der Verkauf - die Erwerber verpflichteten sich zu investieren. Doch daraus wurde nichts. Es begann der Verfall und das lange Bemühen der Stadt, daran etwas zu ändern. Das Ergebnis sind der Abriss und die Neugestaltung des Platzes, über die laut Bürgermeister Harald Wendler im September endgültig entschieden werden soll.

Suche nach Erinnerungen: Verbinden Sie mit dem "Bayrischen Hof" ein besonderes Ereignis, haben vielleicht noch Fotografien dazu? Dann schreiben Sie uns an: "Freie Presse" Annaberg, Lokalredaktion, Markt 8 in 09456 Annaberg-Buchholz. Natürlich ist das auch per E-Mail möglich. Telefonischer Kontakt: 03733 141 13142.

red.annaberg@freiepresse.de

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