Jöhstädter Leseratte bricht alle Rekorde

Wahrscheinlich hätte Kiara Luisa Kreher bei den Olympischen Spielen in Rio ganz oben auf dem Treppchen gestanden. Doch noch ist Lesen nicht olympisch.

Jöhstadt.

Wie lange brauchen Sie, um ein Buch zu lesen? Ein paar Tage, eine Woche oder sogar länger? Die Zeit, die Kiara Luisa Kreher für ein Buch braucht, bemisst sich nicht in Tagen - sondern in Stunden. Denn wie ist es sonst zu erklären, dass die 15-Jährige aus Jöhstadt in ihren Sommerferien über fünfzig Bücher gelesen, nein verschlungen, hat? Dabei kann sie nicht einmal sagen, was es genau ist, was sie am Lesen fasziniert. "Darüber hab ich mir noch nie Gedanken gemacht. Scheinbar ist es das Lesen an sich. Das genieße ich."

Dabei spielt das Genre der Geschichten eher eine untergeordnete Rolle. Kiaras Motto lautet: Hauptsache spannend. Und spannend findet sie sowohl Fantasy-Geschichten, Krimis oder alltägliche Geschichten. Begonnen hat das Lesefieber in der vierten Klasse. Von da an steigerte sich Kiaras Leselust von Jahr zu Jahr.

Seit drei Jahren nimmt das Mädchen am Lesesommer der Stadtbibliothek in Annaberg-Buchholz teil. Beim Lesesommer können sich Schüler während der großen Ferien Bücher ausleihen und nach der Lektüre ein paar Fragen beantworten. Wer alle Antworten weiß, bekommt zum Abschluss ein Diplom. Für Kiara keine große Hürde. Auch in diesem Jahr konnte sie alle Fragen richtig beantworten. Und das bei fünfzig Büchern.

Natürlich waren es nicht alles dicke Wälzer, aber neben einigen eher dünnen Bändchen mit lächerlichen 200 Seiten gehörte auch ein Buch mit über 1000 Seiten zur sommerlichen Lesekost. Am liebsten liest Kiara an ihrem Schreibtisch oder auf dem Sofa.

Bei den Krehers zu Hause spielt Lesen von je her eine große Rolle. Auch Kiaras Vater ist ein Bücherwurm, wenngleich er nicht einen solch unglaublichen "Literaturverbrauch" wie seine große Tochter hat. Auch bei den beiden Schwestern von Kiara ist das Lesefieber nicht so stark ausgeprägt. Doch was nicht ist, kann ja noch werden.

Bei fünfzig Büchern den Überblick zu behalten, scheint schwer. Hat sie sich extra auf die Bücherprüfung in der Stadtbibliothek vorbereitet? "Das nicht, aber man überlegt beim Lesen schon, welche Fragen gestellt werden könnten", erklärt die Gymnasiastin ihr überragendes Abschneiden. Selbst die Inhalte aus den vergangenen Jahren hat das Lesewunder noch im Kopf.

Dabei nutzte sie nicht einmal die vollen sechs Wochen Ferien, um die fünfzig Bücher zu verschlingen. So hatte sie auf die Urlaubsfahrt nach Slowenien nichts zu Lesen mitgenommen. Wahrscheinlich wären die Bücher schon bei der Ankunft im Urlaubsort ausgelesen gewesen. Und eine Extra-Bücher-Tasche wollte sie wohl nicht mitnehmen.

Bei einem solch extremen Sommer-Lesemarathon ist es umso verwunderlicher, dass die Jöhstädterin den Rest des Jahres fast gar keine Bücher liest. Die Erklärung ist, für einen Bücherwurm wie sie, etwas ungewöhnlich. "Außerhalb der Ferien habe ich keine Zeit zu lesen, denn in der Schule hab ich viel zu tun", erklärt sie. Außerdem hat Kiara auch noch andere Hobbys. Wenn sie nicht gerade liest, singt die 15-Jährige im Schulchor, lernt Klarinette und spielt im Orchester der Musikschule.

Zum Ende des Lesesommers findet heute ab 18 Uhr eine Abschlussparty in der Stadtbibliothek statt. Es gibt ein Zertifikat für all jene, die im Sommer drei Bücher gelesen haben. Zudem ist eine besondere Lesung des Buchs "Auf Tod oder Leben" mit Rainer Rudloff von Vivid Voices zu hören.

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