Journalismus ist für sie nur der Anfang

Juroren und ein bekannter Komiker begeistern sich für ein Annaberger Schülermagazin. Dieses steht aber auch vor einer großen Herausforderung.

Annaberg-Buchholz.

Zu spät zur eigenen Preisverleihung kommen, das kann schon mal peinlich werden. Am besten man macht eine Anekdote daraus. So wie die Mitstreiter des Schülermagazins "newspager" der Evangelischen Schulgemeinschaft Erzgebirge (EGE). "Wir dachten, so eine Vergabe findet am Ende statt, nicht am Anfang", sagt Redakteur Manuel Dwinger. Zur Verleihung des Sächsischen Jugendjournalismuspreises in Chemnitz erschienen die jungen Blattmacher daher verspätet. Ihre Siegerurkunden für den ersten Platz in der Kategorie Gymnasium erhielten sie vor leeren Sitzreihen.

Doch dem Erfolg tut das keinen Abbruch. Besonders Layout und kontroversen Themen seien gelobt worden, sagt Dwinger. Ein solches Thema hatte etwa Redakteur Tom Klopping in der aktuellen Ausgabe der Schülerzeitung aufgegriffen. Der 17-Jährige prangerte die Praxis einiger Junger Gemeinden an, Jugendliche zur öffentlichen Beichte oder zum Verstoßen nichtgläubiger Freunde zu motivieren. "Da kamen viele Beschwerden", sagt Klopping.


Von der Schulleitung hätten die Newspager Rückendeckung erhalten, sagt Chefredakteurin Marié Gräbner. Auch bei den Themen seien die Jungredakteure weitgehend frei. Bis auf Deutschlehrer Jonny Hielscher, der die Schülerzeitung mit betreut, bekomme niemand die fertigen Texte vor der Veröffentlichung zu lesen. Der "newspager" erscheint zweimal im Jahr, 150 Exemplare gehen in den Druck. Pro Magazin müssen Schüler einen Euro hinlegen, Lehrer immerhin zwei. Finanziell ist das ein Minusgeschäft, denn das Drucken koste jeweils drei Euro pro Exemplar.

Über ein komplettes Online-Magazin haben die Jungjournalisten jedoch nie ernsthaft nachgedacht: "Es ist immer wieder schön, etwas Gedrucktes in den Händen zu halten", sagt Marié Gräber. Offenbar nicht als Einzige. Bislang seien nahezu alle Ausgaben komplett ausverkauft gewesen. Und finanzielle Unterstützung gebe es von der EGE.

Neben schulbezogenen Themen wie einem Lehrerranking, bei dem die Schüler über ihre Lieblingspauker abstimmen dürfen, bringt die Newspager-Redaktion vor allem Jugendthemen ins Blatt. Zum Beispiel die "Friday For Future"-Klimaproteste. "Ich glaube schon, dass wir zu Schülern einen besseren Draht aufbauen können, als manch andere Medien", sagt Tom Klopping.

Einen besonders guten Draht konnte auch Marié Gräbner zur Protagonistin ihrer jüngsten Geschichte aufbauen. Dabei handelte es sich um eine 17-Jährige aus Schwarzenberg, die vor einem Jahr ihr erstes Kind zur Welt brachte. Im Sozialen Netzwerk Instagram war Gräbner auf Bilder der Schülerin mit ihrem Kind gestoßen. "Bevor es zu der Geschichte kam, haben wir uns erst lange und häufig geschrieben." Für den Artikel "Mama mit 17" errang die Schülerchefredakteurin den zweiten Platz beim Jugendjournalistenpreis bei den Autoren ab 15.

Trotz allen Erfolges plant kaum einer der sieben Redakteure eine Karriere im Journalismus. Marié Gräbner möchte Lehrerin werden, Tom Klopping Jura studieren. "Da kann man hoch hinaus kommen", sagt er. Der für das prämierte Design zuständige Noah Wünsch könne sich nicht vorstellen, diese Arbeit ein ganzes Leben lang zu machen.

Wenn die Elftklässler im nächsten Jahr die Schule verlassen, muss zudem Nachwuchs her. Keine leichte Aufgabe. Seit 2016 arbeiten die Newspager zusammen. Fast alle gehen in die gleiche Klasse. "Wir sind ein eingeschweißtes Team geworden", sagt Tom Klopping. So eine Gruppe müsste sich erst wieder zusammenfinden. Zudem bedeutet die publizistische Arbeit auch, Pausen und Freizeit zu opfern.

Vielleicht dürfte es den einen oder anderen motivieren, dass Schülerredakteure zuweilen auch an Showbusiness-Größen herankommen. Als Torsten Sträter kürzlich in Annaberg auftrat, durften die Newspager den bekannten Komiker interviewen. Der Humorist habe dabei nicht nur einen Gastbeitrag für die nächste Ausgabe versprochen, sondern soll den Jungredakteuren auch folgenden Rat gegeben haben: "Ihr solltet euer Magazin teuerer verkaufen. Das ist es wert."

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