Jubiläumsjahr beschert bisher höchste Fahrgastzahl

Der Leiter der Erzgebirgsbahn spricht über einen gelungenen Streckengeburtstag und die Herausforderungen des neuen Vergabeverfahrens

Das Jubiläumsjahr der Erzgebirgsbahn war zugleich das mit den höchsten Fahrgastzahlen. Viel weniger geworden sind die Sorgenfalten auf der Stirn von Lutz Mehlhorn dennoch nicht. Olaf Wirth hat mit dem Leiter der Erzgebirgsbahn gesprochen.

Freie Presse: Herr Mehlhorn, das Jubiläum "150 Jahre Eisenbahn Chemnitz - Annaberg" ist Geschichte. Gehen die Feierlichkeiten in diesem Jahr weiter?

Lutz Mehlhorn: In diesem Jahr machen wir es mal umgekehrt. Wir beteiligen uns aktiv an wichtigen Veranstaltungen im Erzgebirge. So gibt es im August Sonderfahrten zum 120. Geburtstag der Fichtelbergbahn. Am 26. August startet unser Märchenzug in Chemnitz zum 1. Internationalen Märchenfilmfestival nach Annaberg-Buchholz. Im September gestalten wir einen "Bahntag" auf dem Zwickauer Hauptbahnhof mit. Und am 31. Oktober fährt der "Halloween-Express" von Chemnitz ins Spielzeugland Stockhausen nach Olbernhau-Grünthal. Bis zum 1. Oktober verkehrt immer samstags und sonntags ein touristischer Saisonverkehr zwischen Cranzahl auf deutscher Seite sowie Vejprty und Chomutov auf tschechischer Seite. Eine Kooperation mit den tschechischen Bahnen.

Dennoch ein Rückblick auf das Festjahr 2016. Wie fällt Ihr Resümee aus?

Rundum positiv. Wir haben die Aktivitäten auf das gesamte Jahr und auf viele Orte entlang der Jubiläumsstrecke verteilt. Wir haben viele Einwohner und Gäste in und an die Eisenbahn gelockt. Zahlreiche lohnenswerte Ziele mit der Erzgebirgsbahn bleiben damit in Erinnerung.

Kann man das an Besucherzahlen festmachen?

Genaue Besucherzahlen kann man wegen der Vielfältigkeit der Veranstaltungen nicht nennen, zumal ja auch der überwiegende Teil kostenfrei war. Aber sicherlich gingen die Gästezahlen in die Tausende.

Auch Fans der DDR-Eisenbahngeschichte kamen auf ihre Kosten ...

Stimmt. Volksfeststimmung herrschte zum Bahnhofsfest in Cranzahl. Unzählige Besucher warteten auf die Ankunft eines Sonderzuges. In Erinnerung an den Eilzug E 771/774 von Leipzig nach Cranzahl verkehrte der Zug, wie in den Jahren 1985/86, von einer Lokomotive der Baureihe 118 der Deutschen Reichsbahn gezogen.

Hat das Jubiläum Auswirkungen auf die Fahrgastzahlen?

Die Entwicklung der Fahrgastzahlen auf der Strecke zwischen Chemnitz und Annaberg-Buchholz war in den vergangenen Jahren stetig steigend. Und das trotz teilweise ungünstiger Bedingungen, wie dem Bevölkerungsrückgang und der fehlenden Fernverkehrsanschlüsse in Chemnitz. Zum Ende des Jubiläumsjahres 2016 haben wir die höchsten Fahrgastzahlen seit Bestehen der Erzgebirgsbahn erreicht. Auf der Linie Chemnitz-Annaberg-Cranzahl nutzten täglich im Durchschnitt mehr als 1400 Fahrgäste unsere Züge. Dazu haben die Jubiläums-Aktivitäten sicher beigetragen.

2016 musste man sich aber auch um die Zukunft der Erzgebirgsbahn Sorgen machen. Sind diese gänzlich aus der Welt?

Es sind zwei Dinge: Zum einem ist es wichtig, dass die Angebote im Schienenpersonennahverkehr auch künftig gut genutzt werden. Zum anderen bereitet sich die Erzgebirgsbahn derzeit intensiv auf das neue Vergabeverfahren vor, damit wir auch nach 2021 auf unseren Strecken weiter fahren dürfen. Ich denke, wir haben in den zurückliegenden 15 Jahren gezeigt, dass wir mehr tun als nur von A nach B zu fahren. Wir sind mit unseren 240 Mitarbeitern eng mit der Region verbunden und wollen das auch bleiben.

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