Jugendherbergen sind wieder stärker gefragt

Die Beherbergungsbetriebe haben sich inhaltlich weiterentwickelt und spezialisiert. Derweil schließt der Landesverband die Aufnahme weiterer interessanter Angebote nicht prinzipiell aus.

Annaberg-Buchholz/Zschopau.

Nach drei mageren Jahren verzeichnet der Landesverband des Deutschen Jugendherbergswerkes in seinen Häusern erstmals wieder ein Besucher-Plus. Die Anzahl der Übernachtungen im ersten Halbjahr übersteigt mit 187.000 den Vorjahreswert um 28.000. "Die Herbergen im Erzgebirge sind im Wesentlichen an der positiven Bilanz beteiligt", sagt Vorstandsvorsitzender Thomas Müller.

Mehr als 100 Jahre nachdem Richard Schirrmann, ein Lehrer in Altena (Nordrhein-Westfalen), die Idee entwickelte, haben Jugendherbergen nicht an Attraktivität verloren. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich die Einrichtungen den sich ändernden Bedürfnissen ihrer Gäste anpassen. "Während einst die Erholung der städtischen Jugend auf dem Land im Mittelpunkt stand, verfolgen wir heute einen ganz anderen Ansatz", erläutert Müller.

Zwar stehen viele der Häuser noch immer nach altem Konzept abseits von Siedlungen mitten in der Natur. Sie verstehen sich aber nicht mehr ausschließlich als Beherbergungsstätten, sondern unterbreiten Angebote inhaltlicher Natur - insbesondere im sozialpädagogischen Bereich. Der Verband legt Wert auf eine "alleinstehende Profilierung".

Die Herberge in Johanngeorgenstadt wirbt etwa mit (Ski)Wandern, Klettersteig, Bergwerk und Badegärten, das Haus in Ehrenfriedersdorf mit der Ferienregion Greifensteine, Wanderwegen und Lehrpfaden. Die Jugendherberge in Grumbach kann mit Kreativ- und Umweltprogrammen punkten. Obwohl das Haus nur einen einfachen Standard bietet, ist es wegen dieser Inhalte immer gefragt, unterstreicht Müller.

Wichtigste Zielgruppe bleiben hierbei Schulklassen, die an den Übernachtungen einen Anteil von 40 Prozent ausmachen, gefolgt von Freizeitgruppen (30 Prozent) und Familien (13 Prozent). Ebenso nutzen Fach- und Hochschulen die Einrichtungen für Tagungen und Seminare. Auch Einzelgäste (drei Prozent) finden Gefallen daran, in den Herbergen zu übernachten. "Wir wollen eine flächendeckende Beherbergung vorhalten. Erst danach kommt der wirtschaftliche Aspekt", erklärt Thomas Müller den Anspruch des Verbandes. Das bestehende Netz sei zwar ausreichend, schließe aber auch in Zukunft die Aufnahme weiterer interessanter Angebote nicht aus.

Zschopau könnte dafür beispielhaft sein und vielleicht die 27. vom Verband geführte Herberge bekommen. Seit einem Jahr bemüht sich eine Leipziger Projektentwicklungsgesellschaft, ein denkmalgeschütztes Abbruchhaus im Stadtkern zu erhalten. Zu Wochenbeginn saßen Investor, Stadt und Landesverband zusammen, um über den Ausbau des ehemaligen Stadtcafés mitten in der Innenstadt zu einer Jugendherberge zu reden. Günther Schneider, Präsident des Landesverbandes, spricht von einem langen Weg, der noch zu gehen sei. In der Regel dauere es zwei bis drei Jahre, bis es zur Vertragsunterzeichnung kommt. Über Details wurde zunächst Stillschweigen vereinbart. Nur soviel: Zschopau besitze mit seinen Angeboten auf jeden Fall das touristische Potenzial, formuliert es Thomas Müller.

Bei neuen Standorten fordert das Jugendherbergswerk neben der Profilierung mit besonderen Angeboten eine Mindestbettenzahl von 130, um die Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten. Alle Unterkunftsräume müssen mit Sanitäranlagen ausgestattet sein. Ausreichend Gemeinschaftsbereiche und Aufenthaltsräume sind ebenso vorzuhalten, wie Seminarräume und ein Tagungssaal mit mindestens 100 Plätzen.

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