Jugendkulturtage: Anton Günther kein Grund für Berührungsängste

Ist das Musikerbe der Erzgebirger angestaubt? Von wegen. Die Nachwuchstalente wissen, mit pfiffigen Beiträgen den Nerv des Publikums zu treffen.

Annaberg-Buchholz/Schneeberg.

Zwölf Uhr mittags - im Erzhammer vibriert das Parkett. Mit dem finalen Trommelschlag von Schlagzeuger Alexander Hentschel brandet stürmischer Beifall auf. Das generationenübergreifende Auditorium im vollbesetzten Saal ist begeistert. Mit verblüffender Routine und spürbarer Leidenschaft gibt der Zehnjährige mit seinem Mitstreiter Julian Rauer (13), der Akkordeon und Gitarre spielt, eine erfrischende Kostprobe des Könnens. Dabei werden Klassiker von "De Berscheln" - so nennt sich das Duo - statt besinnlich auch schon mal rockig dargeboten. Und das traf den Geschmack der Zuhörer sowie Juroren der erzgebirgischen Jugendkulturtage in den Sparten Gesang, Instrumentalmusik, Mundart: Annett Illig, Steffen Kindt, Stephan Mahlsdorf und Gabriele Lorenz. Als Tipp gaben sie den jungen Künstlern unter anderem mit auf den Weg, gerade im Hinblick auf Anton Günthers Liedgut die Balance zwischen Aktualität und Historizität zu erhalten und nicht nur dem Zeitgeist gerecht zu werden.

Alle der rund 50 Sänger, Musiker und Tänzer, zwischen neun und 26 Jahre alt, zeigten Gespür in der Aneignung des Lied- und Textgutes der Väter- und Großvätergeneration, adaptierten es in schöpferischer Weise. Gerade die Glaubwürdigkeit der Akteure und die ehrliche Interpretationsweise beeindruckte die Jury. Mit dem Finale stand die Erkenntnis fest, dass die durchweg mit "Ausgezeichnet" und "Sehr gut" bewerteten Programme für einen der besten Jahrgänge der 24-jährigen Geschichte dieses Formats stehen. Und es herrschte Einigkeit darüber, dass einige der Talente auf absehbare Zeit ein Publikum über Erzgebirgsgrenzen hinaus begeistern dürften.


Im Schneeberger Museum für bergmännische Volkskunst drehte sich am Wochenende ebenfalls alles um die Jugendkulturtage des Erzgebirgsvereins - dort jedoch in den Bereichen Schnitzen, Drechseln, Basteln und Klöppeln. In der Holzgestaltung waren es insgesamt 29 Exponate, beim Klöppeln hingegen lediglich sechs Arbeiten, die der Jury vorgelegt wurden. Gabriele Lorenz, Bundesvorsitzende des Erzgebirgsvereins, zeigte sich dennoch zufrieden. "Beim Schnitzen kann man nicht meckern. Beim Klöppeln hatten wir vergangenes Jahr einige Arbeiten mehr", konstatierte sie. Die Ursache sieht Lorenz unter anderem beim Klöppel-Thema, das vorgegeben war. Es lautete "Vom Keller bis zum Dachboden ist was los". Viele hätten sich damit schwergetan. "Deshalb haben wir uns jetzt entschieden, kein Thema mehr vorzugeben", sagte Lorenz. Was sich bewährt habe, sei die Zusatz-Kategorie 8-11 Jahre beim Klöppeln. Ganz einfach deshalb, weil man die Arbeit eines achtjährigen Kindes nicht mit der eines 14-jährigen Jugendlichen vergleichen könne. Beim Bereich Holzgestaltung freute sich Lorenz, dass erstmalig auch Drechselarbeiten eingereicht wurden. Sie seien etwas Besonderes in der Geschichte der Jugendkulturtage und sicherlich weiter ausbaufähig.


Ein Präsent für alle

Carmen Krüger (50): Sie ist die neue Kulturwartin im Erzgebirgsverein und begeistert von dem, was sie in Schneeberg gesehen hat. "Es sind sehr gute Arbeiten, die eingereicht wurden. Die Kinder machen sich echt Gedanken, was sie umsetzen wollen." Die Zahl der Teilnehmer zeigte, dass die Vereine in der Region eine gute Nachwuchsarbeit leisten. "Es war zudem eine gute Entscheidung, den Wettbewerb nach Altersklassen auszuwerten." Was sich Carmen Krüger wünschen würde, wäre ein kleines Präsent für alle Teilnehmer. (wend)


Jede Woche Probe

Hans Unger (11), Schönheide:

"In der Vorschulzeit hat es angefangen, dass ich mich für Mundart begeisterte. Damals hat ein Rundfunksender Aufnahmen während dem Plätzchenbacken in unserer Kita gemacht. Das hat mein Interesse geweckt. Jetzt gehöre ich mit zum Erzgebirgsensemble Aue, trete regelmäßig auf, trage Gedichte und Anekdoten vor, probe dafür jede Woche. Als ich noch nicht lesen konnte, habe ich die CD meiner Eltern, die zu Hause erzgebirgisch sprechen, immer wieder angehört, bis ich die Geschichten nacherzählen konnte." (hy)


Schwester geschnitzt

Josua Krauß (8), Griesbach: Er war einer der jüngsten Teilnehmer. In der Kategorie Einzelarbeiten 8-11 Jahre räumte er gleich zwei Preise ab. Der junge Schnitzer aus Griesbach gehört zum Verein Erzgebirgischer Schnitzer. Den Siegerpreis erhielt Josua für seinen Fuchs, eine Schnitzarbeit in Linde. Den 3. Platz erhielt er für "Meine Schwester", ebenfalls Linde. Josua meinte dazu: "Die Ideen hatte ich selbst. Meine Schwester weiß noch gar nichts davon, dass ich sie geschnitzt habe. Momentan arbeite ich an einem Angler, der auf dem Boot sitzt." (wend)


Mundart fetzt

Kathleen Sickel (12), Hermannsdorf: "Die heimische Mundart fetzt mir, genauso wie auf der Zither zu spielen. Da passt unsere Sprache einfach dazu. Ich mag zum Beispiel ,Vergaß dei Haamit net' von Anton Günther. Durch meine Eltern wurde das Interesse geweckt, Vati macht auch Musik in Mundart. Und mit meinem Lehrer an der Musikschule, Thomas Baldauf, finde ich es prima zu musizieren. Er lehrt mir, die 42-Saiten des Instrumentes zu beherrschen. Für mich ist es einfacher, als Gitarre zu spielen, mit der ich begonnen habe. Ich lerne seit über einem Jahr." (hy)

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