Junge Frauen wollen die perfekte Furche ziehen

Am Wochenende steigt das 7. Erzgebirgische Leistungspflügen. Zwei Auszubildende der Mildenauer Agrar AG mischen mit. Worauf kommt es dabei an?

Buchholz/Steinbach/Mildenau.

Am Wochenende wird geackert. Während motorisierte Zeitgenossen zur Fahrt ins Blaue starten, suchen Celine Barth und Lea Schettler die Kondition und Köpfchen verlangende berufssportliche Herausforderung. Die Auszubildenden im dritten Lehrjahr treten am Sonnabend zum Wettbewerb des Regionalbauernverbandes Erzgebirge im Leistungspflügen an. Im Sinne des olympischen Mottos, dass vor allem die Teilnahme zählt, standen für die beiden Erzgebirgerinnen unter der Woche Trainingsrunden auf dem Lehrprogramm. "Statt im Melkstall zu stehen, sitzen wir diesmal im Traktor", zeigte sich Celina Barth entschlossen, sich im Feld der etablierten Teilnehmer in Schellenberg am Fuße der Augustusburg achtbar zu schlagen.

Die Motivation ist bei ihr und Alterskollegin Lea ohnehin geweckt, landeten die zwei Lehrlinge der Mildenauer Agrar AG auch beim zurückliegenden Leistungsmelken auf dem Siegertreppchen. "Das Pflügen gehört zwar zur Ausbildung, ist aber in dieser Form Neuland. Doch gerade wegen der Abwechslung und der Herausforderungen habe ich diesen Beruf ausgewählt", so die 19-Jährige. Schon als Knirps habe sie den großen Maschinen nachgestaunt. "Traktor fahren war schon immer mein Traum, und dazu sollten auch Vierbeiner gehören. Das gibt's beim Bauern", sagt die Steinbacherin lachend.

Und sie weiß, dass es für das Leistungspflügen zuallererst des Köpfchens bedarf. Auch wenn die modernste Technik mit 114 Pferdestärken kinderleicht zu fahren ist, reicht es nicht, mit dem imposanten Dieselaggregat mal so über den Acker zu stieben. "Es bedarf einer Menge Fachwissen und handwerklicher Kniffe. Die müssen wir uns erst Schritt für Schritt aneignen", ergänzt Lea Schettler, die der Lenkerin Celine assistiert. Im Cockpit sitzend, sind von den zwei Akteurinnen ein Dutzend Handlungsanweisungen für den Pflugvorgang zu beachten. "Da gilt es, gleichmäßige Furchen in der Höhe hinzulegen, wie sie in Tiefe und Breite akkurat sein müssen. Es heißt, geradlinig zu fahren und der gesamte Bewuchs muss untergepflügt werden", so die 18-jährige Buchholzerin.

"Zum Wettbewerb in ihrer Disziplin der Beetpflüge werden die beiden jungen Frauen innerhalb von zweieinhalb Stunden eine 75 mal 30 Meter große Parzelle so bearbeiten, sodass sie den Wettkampfrichtern ein uniformes Aussehen gibt, man nicht Anfangs- und Schlussfurche erkennt, die Einstiegsmulde genau 14 Zentimeter misst und alle nachfolgenden Vertiefungen akkurat 18 Zentimeter tief sind. Und das auf ganzer Länge, ungeachtet der Wetterlage oder anderer äußerer Bedingungen", so Wolfgang Hoffmeister. Seit über 50 Jahren in der Landwirtschaft aktiv, zeichnet der Pfaffrodaer auch als Hauptschiedsrichter bei verschiedensten Wettbewerben mit verantwortlich.

Und er versteht es, den angehenden Berufseinsteigerinnen so manchen Tipp zu geben. "Da bedarf es schon gewisser Taktik, beispielsweise verzogene Furchen wieder auszugleichen, ohne dass es auffällt. Problematisch wäre es, wenn mit der vorgegebenen Anzahl der Furchenfahrten am Ende eine unbearbeitete Restfläche übrig bliebe. Mit Einstellungen am Pflug kann man diese Parameter zentimetergenau einstellen und ausgleichen. Daher ist schon eine Portion praxisnaher Mathematik gefordert. Man muss mit Feldgröße, Traktordaten und Pflugschaartechnik rechnen", so der Experte. Er zollt seinen beiden Schützlingen für ihr Engagement Respekt. "Junge Leute in der Landwirtschaft von heute müssen was auf dem Kasten haben. Sie übernehmen eine hohe Verantwortung für Technik und Tiere. Und dies in einer Zeit, in der der Berufsstand in der öffentlichen Wahrnehmung längst nicht immer geschätzt wird." Die jeweils beiden besten Akteure in den verschiedenen Kategorien werden im nächsten Jahr das Erzgebirge bei den sächsischen Landesmeisterschaften im Vogtland vertreten. Die besten vier wiederum qualifizieren sich für die nachfolgenden Bundesmeisterschaften.

Der Wettbewerb 7. Erzgebirgisches Leistungspflügen am Samstag findet in Schellenberg, Gemeinde Leubsdorf, in den Kategorien Beet- und Drehpflug sowie Pferdepflügen statt. Beginn 9 Uhr.

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