Jungunternehmer schafft Sprung vom Gründer zum Arbeitgeber

Patrick Schmidl war gerade einmal 17 Jahre alt, als er seine Firma gründete. Mittlerweile ist er 20, hat sechs Angestellte und bald auch zwei Auszubildende. Scheitern ist keine Option mehr, sagt der Erzgebirger. Er gehört zur Generation Z und hat doch 16-Stunden-Arbeitstage.

Annaberg-Buchholz.

Während andere noch überlegen, was sie für eine Lehre machen oder an welcher Uni sie studieren wollen, ist Patrick Schmidl in ein größeres Büro umgezogen, hat sechs Leute fest angestellt, nach einem Auszubildenden gesucht und am Ende gleich zwei genommen. Dabei ist der Neudorfer gerade einmal 20 Jahre alt, doch irgendwie auch schon ein alter Hase. Will man die Geschichte von Patrick Schmidl erzählen, kann man zu unterschiedlichen Zeiten ansetzen. 2016 wäre eine Jahreszahl. Damals gründete der erst 17-Jährige das Unternehmen PS Media Point. Aus dem Nichts kam diese Idee nicht. Bereits zuvor war er als Youtuber unterwegs, knüpfte erste Kontakte. Es war 2013, als er begann, Videos für seinen Youtube-Kanal zu produzieren. Die Kulisse bildete anfangs das eigene Kinderzimmer.

In diesem Jahr ging der Erzgebirger dann noch einen Schritt weiter. Er mietete ein großes Büro, stellte ein Team zusammen. Aktuell hat er sechs Festangestellte - Tendenz steigend. Im August werden zwei Auszubildende dazukommen. "Eigentlich suchte ich nur einen Azubi." Doch ein kurzer Aufruf in den sozialen Netzwerken brachte ihm so viele gute Bewerbungen, dass er nun bald zwei angehende Mediengestalter für Bild und Ton ausbilden wird. Das ist vielleicht der Punkt, an dem erzählt werden sollte, was Patrick Schmidl eigentlich macht. Als PS Media Point noch ein Ein-Mann-Unternehmen mit einem Einraum-Büro im Gründer- und Dienstleistungszentrum in Annaberg-Buchholz war, betreute er die Social-Media-Auftritte von anderen Firmen, drehte Videos, um die Seiten mit Inhalten zu füttern. Dann hatte Schmidl eine Idee. Er wollte den erzgebirgischen Jugendlichen zeigen, welche Ausbildungsberufe es in der Region gibt und was dahintersteckt. Die Protagonisten waren die Azubis selbst. Zwei Staffeln wurden gedreht, über die Internetseite Erzlive veröffentlicht, ein Erfolg. Da das alles nicht allein zu stemmen war, arbeitete der Neudorfer bereits damals mit anderen zusammen.


Doch um wirklich durchstarten zu können, wollte Schmidl ein eigenes Team haben. "Ich hatte Bock darauf." Gesagt, getan. "Dass es jetzt so schnell ging, damit habe ich aber nicht gerechnet." Doch die Auftragslage gibt es her. Mittlerweile produziert PS Media Point die Azubivideos auch außerhalb des Erzgebirges. "Nachdem ich gemerkt habe, dass Erzlive gut funktioniert, wollte ich größer werden." Also adaptierte er das Konzept auf andere Regionen. Aktuell steht das Allgäu im Fokus. Aber auch Dresden und die Ostsee sind bereits in der Planung. "Ich habe Firmen angeschrieben und ihnen meine Idee vorgestellt", erklärt der 20-Jährige. Die Resonanz sei sehr gut.

Ein Teil des Teams produziert die Videos vor Ort. Geschnitten werden sie in Annaberg-Buchholz. Bis zu zwölf Azubi-Videos entstehen so pro Monat. Ein Pensum, das weit über dem bisherigen liegt. Hinzu kommen Imagefilme, Social-Media-Beratung und Co. "Wir wollen auch weiterhin viel im Erzgebirge machen." Ideen hat der Firmengründer genug. So soll ab September Neues für Erzlive entstehen. "Diesmal keine Azubi-Videos", verrät Schmidl vorab. Vielmehr soll es um Dinge gehen, die Jugendliche interessieren. Erzlive sei ein Projekt zum Ausprobieren, um Ideen Wirklichkeit werden zu lassen, einfach mal zu machen, ohne an Profit zu denken.

Apropos Geld. Bisher war Patrick Schmidl nur für sich selbst verantwortlich. Der 20-Jährige wohnt noch zu Hause, hat sich selbst nur wenig Gehalt gezahlt. Das hat sich auch jetzt nicht wirklich geändert. "Das, was übrig bleibt, fließt in die Firma." Beim Kauf eines Firmenautos hatte der Erzgebirger schon fast ein schlechtes Gewissen. "Das fand ich schon krass. So etwas kann man sich in meinem Alter eigentlich nicht leisten."

Doch der Druck sei natürlich gewachsen, seine Mitarbeiter wollen bezahlt werden. "Scheitern ist keine Option mehr, ich habe jetzt Verantwortung für andere." 16- bis 17-Stundentage sind die Regel für den Jungunternehmen. Urlaub im Prinzip nicht vorgesehen, auch wenn er sich mal für ein paar Tage rausnehmen möchte. Und das alles, obwohl er zu der Generation Z gehört, der man nachsagt, erst ans Vergnügen und dann an die Arbeit zu denken. Aber Schmidl lebt seinen Traum. "Es ist das, was ich immer wollte." Dennoch hat er Träume. Eine Sendung für den Kinderkanal zu produzieren, ist nur einer. Vielleicht ist das alles erst der Anfang.

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