Kirchenbezirk erhält eine von fünf Sonderpfarrstellen Sachsens

Die Strukturreform der sächsischen Landeskirche wird nicht nur vom Rotstift diktiert. Neue Ideen finden durchaus auch Gehör und eröffnen ganz neue Chancen.

Annaberg-Buchholz.

Fünf Pfarrstellen für "missionarische Sonderaufgaben" wird es künftig in Sachsen geben - eine davon in Oberwiesenthal. Denn der Kirchenbezirk Annaberg - zu dem insgesamt 50 Kirchgemeinden in den Altkreisen Annaberg und Stollberg gehören - hatte sich mit dem Projekt "Grenzerfahrung" beworben. "Und wir haben den Zuschlag erhalten", freut sich Superintendent Olaf Richter. Für sechs Jahre finanziert die Landeskirche Sachsen nunmehr eine zusätzliche halbe Pfarrstelle am Fichtelberg. Die dazugehörige zweite Hälfte der Stelle werde von der Kirchgemeinde Cranzahl zur Verfügung gestellt.

So können nun in den nächsten sechs Jahren "Grenzerfahrungen" auf ganz unterschiedlichen Gebieten gemacht werden. Denn bei dem Projekt geht es laut Olaf Richter keineswegs nur darum, die territoriale Grenze zu den tschechischen Nachbarn zu überschreiten. Obwohl er das als eine der schwierigsten Aufgaben ansieht. Zum einen, da insbesondere die böhmisches Grenzregion zu den am stärksten säkularisierten in der Welt gehöre - unter anderem bedingt durch die Entvölkerung nach dem Krieg. Zum anderen gebe es zwar Kontakt dorthin, dieser sei aber überwiegend privater Natur und bisher nur von einzelnen Pfarrern geprägt. Als Beispiel nennt er Michael Harzer aus dem Spielzeugdorf Seiffen, der sehr intensive Beziehungen ins Nachbarland pflege. Partnerschaftliche Beziehungen auf Gemeindeebene gebe es bisher aber noch nicht.


Doch nicht nur um die geht es bei der neuen Pfarrstelle. Vielmehr haben die Initiatoren - zu denen auch Oberwiesenthals Pfarrer Kenny Mehnert gehört und das seit mittlerweile sechs Jahren schon - auch noch andere Grenzen im Blick. Denn auch die Themen Sport und Tourismus beispielsweise spielen in Oberwiesenthal eine deutlich höhere Bedeutung als in anderen Kirchgemeinden. Auch dem soll mit der neuen Stelle Rechnung getragen werden. "Oberwiesenthal hat nach Dresden und Leipzig die meisten Übernachtungsgäste in Sachsen", sagt Olaf Richter. Auch da wolle sich die Kirche künftig stärker einbringen, Angebote schaffen. Gleiches gelte für den Sport. Dabei hat der Superintendent auch schon die Anfang des nächsten Jahres anstehende Junioren-Weltmeisterschaft in den nordischen Skidisziplinen im Blick.

Denn mit der Arbeit begonnen werden könnte theoretisch sofort. Allerdings ist die Stelle momentan noch gar nicht besetzt - wird noch nach einer geeigneten Bewerberin beziehungsweise nach einem geeigneten Bewerber gesucht. "Derzeit wird die Ausschreibung vorbereitet", erläutert Olaf Richter. Unterdessen spannt Pfarrer Kenny Mehnert den Bogen noch deutlich größer: Er hofft, "dass alle in Oberwiesenthal, vor allem die Mitglieder der Kirchgemeinde, erkennen, welches Geschenk und welche Chance sie mit dieser Stelle erhalten und sich entsprechend für das Gelingen des Projektes einbringen und sich mit aller Kraft beteiligen". Denn er sieht in der Stelle beziehungsweise dem künftigen Stelleninhaber "ein wichtiges Mosaikstück für den Weg der Stadt Oberwiesenthal in die Zukunft - "als Mitstreiter, Motivator und als verbindendes Element zwischen allen, die hier oben etwas bewegen wollen".

Unterdessen wird die aktuelle personelle Situation im Kirchenbezirk noch angespannter, denn die nächsten Vakanzen stehen bereits fest: Pfarrer Rico Drechsel aus Thum verlässt nach knapp sechs Jahren den Kirchenbezirk im Sommer in Richtung Plauen. Er übernimmt dort laut Olaf Richter eine halbe Schulpfarrerstelle. Crottendorfs langjähriger Pfarrer Friedrich Preißler verabschiedet sich zum Ende des Jahres in den Ruhestand. Und nach wie vor keine Bewerbungen gebe es für die bereits vakanten Stellen in Wiesa/Neundorf sowie Arnsfeld/Steinbach. Ebenso wie die halbe Pfarrstelle in Jahnsdorf - eine der am längsten unbesetzten Stellen im Kirchenbezirk.

Der Superintendent spricht von einer insgesamt schwierigen Situation. Denn die Zahl der Bewerber für ein entsprechendes Studium sei generell rückläufig - auch bei den Kantoren und Gemeindepädagogen. Die Frage nach den Gründen ist auch für ihn schwer zu beantworten. Dazu kommen aktuell eine längere Krankheitsvertretung und ab dem Sommer eine einjährige Elternzeit, für die es ebenfalls eine Vertretung braucht. Und dann sind da auch schon die nächsten Vakanzen, die sich abzeichnen. Und auch die Klinikseelsorge in Annaberg-Buchholz und Stollberg wird vorerst weiter über Vertretungen abgesichert.

Einen Lichtblick gibt es aber dann doch: Die leere Pfarrstelle in Ehrenfriedersdorf wird ab August dieses Jahres wieder besetzt. Pfarrer Falk Klemm wechselt von seiner jetzigen Schulpfarrerstelle in Plauen auf die Gemeindepfarrstelle in Ehrenfriedersdorf.

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