Kleine Kunstwerke gegen die Einsamkeit

Stollenaktion: Sabine Sachs vom Atelier Rosa hat einen Tischkalender für Altenheimbewohner zusammengestellt.

Annaberg-Buchholz.

Sabine Sachs steht zunächst sprachlos in der Haustür ihres Ateliers Rosa. Sie schüttelt immer wieder mit dem Kopf und seufzt schließlich: "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll." Sie ist sichtlich gerührt und ziemlich durcheinander, als sie Ilona Geipel mit einem Dankesstollen, einer Aktion der "Freien Presse", überrascht. Es sind eben nicht immer die großen Entscheidungen, die die Menschen im Erzgebirge bewegen. Manchmal sind es kleine Gesten, kreative Ideen und symbolische Geschenke, die für Freude und Zuversicht in diesen schwierigen Zeiten sorgen.

Sabine Sachs, Inhaberin des Ateliers Rosa in Annaberg-Buchholz, gehört zu denen, die nicht viel Aufhebens um ihr Engagement machen. Genau aus diesem Grund wollte Ilona Geipel der Künstlerin einen Dankesstollen der Annaberger Backwaren GmbH zukommen lassen. Geipel nimmt selbst an Kursen teil, die Sachs sowohl für Erwachsene als auch für den Verein Kunstkinder Annaberg-Buchholz anbietet. Bei ihr können kreative Köpfe sich in verschiedenen Methoden der Malerei, in Druck und Grafik neue Anregungen holen und sich weiterbilden. Natürlich wurden die Kursangebote durch die Corona-Pandemie ausgebremst. Eine schwierige Situation für die Unternehmerin, der damit sämtliche Einnahmen weggebrochen sind. Ungeachtet dessen denkt die Annabergerin an andere und sorgt für ein Stück Nächstenliebe. Ilona Geipel schrieb an "Freie Presse": "Sabine Sachs hat in der doch außergewöhnlichen Zeit an die Pflegebedürftigen in den Altenheimen, die von der Außenwelt abgeschnitten sind, gedacht." So sind schon im ersten Lockdown auf Initiative von Sabine Sachs Tischkalender für das Wohn- und Pflegezentrum Haus Adam Ries in Annaberg-Buchholz entstanden. "Ich wollte einfach für ein bisschen Freude bei den Bewohnern sorgen", sagt Sachs. "Das war ja damals eine ganz schlimme Zeit für alle. Die alten Menschen durften keinen Besuch erhalten, durften nicht raus." Also rief sie ihre Kursteilnehmerinnen auf, Bilder und kleine Kunstwerke für einen Tischkalender zur Verfügung zu stellen.

Die Hobbykünstler waren sofort dabei und stellten für den kleinen Mut-Mach-Kalender Aquarelle, Collagen und Karikaturen zur Verfügung. Sabine Sachs scannte diese ein, schrieb verschiedene optimistische Botschaften und Sprüche sowie natürlich den Schöpfer des Kunstwerks dazu. Anschließend druckte sie die Blätter aus und versah sie mit einer Ringbuchbindung. Mehr als zwanzig Seiten kamen zusammen. Das ganze Projekt entstand unter der Überschrift "Gemeinsam nicht einsam".

"Ich wollte ein bisschen Optimismus verbreiten", sagt Sabine Sachs, die offensichtlich selbst mit viel Zuversicht durch die Zeiten geht. Fürs nächste Jahr hat sie Projekte beantragt. Es müsse schließlich weitergehen. Dabei konnte sie in diesem Jahr nur wenige Kurse halten. Lediglich einen Workshop in den Sommerferien konnte sie durchführen. "Kultur ist leider nicht systemrelevant", sagt die 59-Jährige. Im ersten Lockdown hatte sie ein Stipendium erhalten. Jetzt hofft sie auf die Novemberhilfe. "Den Dankesstollen hebe ich auf. Den essen wir zusammen, wenn wir wieder mit den Kursen beginnen können. Es war ja nicht nur mein Werk, sondern war nur durch ganz viele möglich", so Sabine Sachs.

Aufruf Wer soll für seinen außergewöhnlichen Einsatz in dieser Corona-Zeit einen Dankes-Stollen bekommen? Vorschläge nimmt die "Freie Presse" per E-Mail und unter Ruf 03733 141-13141 entgegen. Wir bitten, eine kurze Begründung sowie eine Telefonnummer als Kontakt mitzuschicken. red.annaberg@freiepresse.de

red.aue@freiepresse.de

red.schwarzenberg@freiepresse.de

red.marienberg@freiepresse.de

red.stollberg@freiepresse.de

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