Kostenexplosion - Sanierung der Turnhalle wird doppelt so teuer

Die Sporthalle Beutengraben in Schlettau ist seit Langem sanierungsbedürftig. Mithilfe von Fördermitteln aus dem Programm "Brücken in die Zukunft" sollte das Vorhaben nun umgesetzt werden. Doch das Ausschreibungsergebnis sorgte im Stadtrat für Entsetzen. Steht nun alles auf der Kippe?

Die energetische Sanierung der Turnhalle in Schlettau bringt die Stadt an ihre finanziellen Grenzen.

Für Sie berichtet: Denise Märkisch

Auf den ersten Blick ist die Turnhalle Beutengraben für Nicht-Schlettauer gar nicht als solche zu erkennen. Nichtsdestotrotz spielt das Gebäude für das Thema Sport in der Stadt eine wichtige Rolle. So wird die Halle beispielsweise von der Grundschule für den Sportunterricht genutzt. Zudem finden Training und Wettkämpfe der Tischtennisspieler des TSV 1864 Schlettau am Beutengraben statt.

Um den Erhalt der Sportstätte langfristig zu sichern, will sie die Stadt sanieren. Zum einen soll das Dach erneuert und energetisch saniert werden. Zum anderen ist ein Anbau geplant, der als Geräte- und Mehrzweckraum mehr Platz in der Turnhalle bringen soll. Finanziert werden soll das Projekt mit Mitteln aus dem Fördertopf "Brücken in die Zukunft" und aus der Stadtkasse. So sah zumindest der Plan aus, bis die ersten Ausschreibungsergebnisse da waren.

Mittlerweile bereitet die Turnhallensanierung den Schlettauern mächtiges Kopfzerbrechen. Grund: Die Ergebnisse der Ausschreibungen für Zimmerei-, Baumeister-, Dachdecker- und Asbestbeseitigungsarbeiten sprengen jeglichen Kostenrahmen. Wie Bürgermeister Conny Göckeritz in der jüngsten Stadtratssitzung mitteilte, ist es zu einer Kostensteigerung von beinahe 100 Prozent gekommen. Zu Beginn der Planungen lag die Kostenschätzung noch bei etwa 300.000 Euro, später seien es 360.000 bis 380.000 Euro gewesen, so der Stadtchef. Diese Summen wurden nun um fast das Doppelte übertroffen. "Aktuell liegen wir bei 671.570 Euro Gesamtkosten", so Göckeritz.

In einer Sitzung des Bauausschusses wurde die Kostenexplosion bereits analysiert. Auch der Planer wurde befragt, wie es zu einer derart drastischen Abweichung kommen konnte. Eine zufriedenstellende Antwort konnte allerdings nicht gefunden werden. Alle seien sich bewusst, dass die Baukosten in den vergangenen Jahren immer weiter nach oben gegangen sind. Doch eine so große Veränderung innerhalb weniger Monate sei nur schwer nachvollziehbar. Zwar sei der Zeitpunkt der Ausschreibung nicht optimal gewesen. Doch eher sei es nicht möglich gewesen. Zudem wurde in dem Gebäude Asbest verbaut. Das wussten die Verantwortlichen zwar schon bei den Planungen. Anfänglich ging man aber davon aus, dass es sich um Platten aus Hartasbest handelt. Tatsächlich wurde aber Weichasbest verbaut, dessen Beseitigung und Entsorgung deutlich mehr Aufwand - verbunden mit höheren Kosten -bedarf.

Doch es hilft nichts, gebaut werden muss und soll trotzdem. "Wir haben bereits vier Lose ausgeschrieben", so Göckeritz. Diese wurden auch vergeben. Immerhin sei nicht davon auszugehen, dass sich die Preise bei einer erneuten Ausschreibung deutlich verringern, vielmehr sei eher von einer weiteren Steigerung auszugehen. Die Bauarbeiten werden noch in diesem Jahr starten. Allerdings wird sich die Bauzeit verlängern, da die Arbeiten auf mehrere Jahre aufgesplittet werden, um eine Finanzierung überhaupt möglich zu machen. Mit den Baufirmen, die den Zuschlag für ihre Angebote erhalten haben, will der Bürgermeister bezüglich einer Änderung des Bauablaufes Gespräche führen. Als erstes wird das Dach in Angriff genommen. In einem zweiten Bauabschnitt folgt der Anbau.

Für die Sportler bedeutet das, dass die Turnhalle länger als geplant nicht nutzbar sein wird. Während der Bauphase weichen sie in die Turnhalle am Lindenhof aus, was die dortigen Kapazitäten allerdings völlig ausschöpft und nur mit Verlegungen und Kürzungen von Trainingszeiten möglich ist.

Um die finanzielle Belastung der Stadt vielleicht doch noch etwas abfedern zu können, prüft die Verwaltung weitere Fördermöglichkeiten. Bei den bereits bewilligten Mitteln handelt es sich um einen Festbetrag. Die Mehrkosten muss die Stadt allein zahlen. Doch die ohnehin schon angespannte Haushaltssituation lässt dafür nur wenig Spielraum.

0Kommentare Kommentar schreiben