Kreißsaal soll dauerhaft schließen

"Die Geburtshilfe muss in Stollberg leider zeitlich begrenzt ausgesetzt werden" ist auf der Homepage des Kreiskrankenhauses Stollberg derzeit noch zu lesen. Aber: Ende des Jahres ist wohl endgültig Schluss.

Stollberg.

Zehn Monate muss das Kreiskrankenhaus Stollberg schon ohne Geburtshilfliche Abteilung auskommen. Das sollte ein vorübergehender Zustand sein, bis genug Hebammen gefunden sind, um die Arbeit wieder aufnehmen zu können. Jetzt aber ist eine Entscheidung gefallen, erklärt der leitende Chefarzt Dr. Gregor Hilger. "Krankenhausleitung und Aufsichtsrat werden den Gesellschaftern empfehlen, dass die Geburtshilfe zum Jahresende stillgelegt wird." Der Grund: Es konnten nicht genug Hebammen gefunden werden.

Man habe die Stellen nicht nur ausgeschrieben, sondern auch persönliche Kontakte und Personalvermittlungen genutzt, auch im Ausland. Bis September hatte man Verträge mit vier Hebammen - aber das sei gerade mal die Hälfte dessen, was man für die Aufrechterhaltung einer Geburtshilfe mit Wochenend- und Schichtdienst brauche. "Wir mussten eine Entscheidung treffen", sagt Hilger. Die gesamte Zeit habe man die komplette Abteilung - Räume und Technik - vorgehalten, das sei finanziell nicht länger vertretbar. Und: "Die Aussicht, die Situation zu verbessern, geht nach den Erfahrungen der zurückliegenden Monate gegen Null". Hätte man eine Chance gesehen, hätte man es weiter versucht, sagt er. Wann die Entscheidung des Gesellschafters - das ist der Erzgebirgskreis - fällt, sei noch unklar. Auch das sächsische Sozialministerium müsse der Schließung zustimmen, aber laut Hilger ist nicht zu erwarten, dass das Ministerium Widerspruch einlegt. Denn die Versorgung mit Geburtshilflichen Abteilungen sei rings um Stollberg gut. Die werdenden Mütter können sich nach Chemnitz, Lichtenstein, Aue oder Annaberg-Buchholz wenden.

Die Ursachen für die Schließung in Stollberg ab Januar: Das Krankenhaus hatte zu viele seiner bis dahin knapp zehn Hebammen verloren. Teils aus Altersgründen oder weil sie abgeworben wurden, ein ganzer Teil ging aber auch in den ambulanten Vor- und Nachsorgebereich, nachdem die ohnehin erheblichen Gebühren für die in der Geburtshilfe notwendige Haftpflichtversicherung der Hebammen immer höher gestiegen und damit kaum noch finanzierbar waren. Das Problem ist allerdings kein hausgemachtes Stollberger. Laut Deutschem Hebammenverband wurden seit 2015 in Deutschland bereits 44 Kreißsäle geschlossen oder sind von der Schließung bedroht. Anfang 2016 war man in Stollberg noch davon ausgegangen, dass die Schließung im Laufe des Jahres aufgehoben werden kann. Dass dann aber kaum Hebammen gefunden werden konnten, verwundert indes nicht. "Alle ringsum hatten das gleiche Problem, haben Hebammen gesucht", sagt Gregor Hilger. Wer aber eine Anstellung als Hebamme suche, werde zuallererst dorthin gehen, wo die Geburtshilfe läuft. In Stollberg ruhte sie - ohne Garantie für die Hebammen, dass genug Kolleginnen gefunden werden, um sie wieder zu beleben.

Was wird im Falle der Schließung aus den Räumen und der Technik der Geburtshilfe? "Wir wollen das Krankenhaus in andere Richtungen weiterentwickeln", erklärt der leitende Chefarzt Hilger. Sicher werden man die frei werdende Ressourcen dafür nutzen können. Konkrete Vorstellungen habe man allerdings noch nicht.

Das Kreiskrankenhaus Stollberg gehört seit 2008 zur Krankenhaus-Gesundheitsholding Erzgebirge GmbH, einer 100-prozentigen Tochter des Erzgebirgskreises. In der haben sich die kommunalen Krankenhäuser des Erzgebirgskreises zusammengeschlossen. Die Holding ist mit 94,50 Prozent Hauptgesellschafter des Kreiskrankenhauses, die restlichen 5,5 Prozent hält der Erzgebirgskreis unmittelbar.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...