Kuh vom Eis geholt: Kreisstadt übernimmt wieder Winterdienst

So lukrativ wie das Geschäft mit dem Schnee einst war, ist es offenbar nicht mehr. Passende Dienstleister zu finden, wird für Kommunen immer schwieriger. Annaberg-Buchholz hat jetzt die Reißleine gezogen.

Annaberg-Buchholz.

Für den Winterdienst auf einem Straßennetz von 118 Kilometern Länge ist die Stadt Annaberg-Buchholz verantwortlich. Der städtische Betriebshof war bislang kapazitätsseitig nicht in der Lage dazu, das allein zu stemmen. Also holte die Stadt externe Dienstleister ins Boot. Das hat mehr oder weniger gut funktioniert. Im Februar sprang ihr allerdings der größte Anbieter ab. Die Stadt musste reagieren und hat das inzwischen auch getan. Es wurde die Entscheidung getroffen, den Winterdienst wieder in die eigenen Hände zu nehmen - mit allen Konsequenzen.

Das bedeutet zuallererst Investitionen. "Ohne zusätzliche Technik und mehr Mitarbeiter geht es nicht", sagt Oberbürgermeister Rolf Schmidt. Nach einer Ausschreibung, auf die es 117 Bewerbungen gab, wurden deshalb sechs Leute in den Betriebshof eingestellt, so Schmidt. Bei ihrer Auswahl sei unter anderem darauf geschaut worden, ob unter den Bewerbern Kameraden der Feuerwehren der Stadt waren. Sie würden immer Vorrang genießen, weil damit wiederum die Einsatzbereitschaft der Wehren über den Tag verbessert werden könne. Wichtig bei der Bewerbung sei aber auch gewesen, dass ein Lkw-Führerschein vorhanden ist, die Leute über Erfahrungen im Umgang mit Winterdiensttechnik verfügen und sich beispielsweise mit Baumpflege auskennen, erklärt der OB. Denn es seien alles Vollzeitstellen, keine Saisonkräfte. Dementsprechend würden die neuen Mitarbeiter außerhalb des Winters für viele andere Arbeiten herangezogen, die in das Aufgabengebiet des Betriebshofes fallen, etwa die Grünpflege städtischer Anlagen.


Neben der Aufstockung der Beschäftigtenzahl wurde auch in neue Technik investiert. So sei ein Leasing für zwei Multicar sowie einen Traktor ausgelöst worden. Noch seien diese Fahrzeuge aber nicht im Betriebshof angekommen, erklärt Leiter Holger Lötsch. Ferner sollen für den Winterdienst in der bevorstehenden Saison noch drei Unimog angemietet werden. "Außerdem haben wir uns noch vier Salzsilos zugelegt, die über eine Kapazität von jeweils 25 Tonnen verfügen", sagt Schmidt. Bisher habe der Dienstleister auch das Tausalz vorgehalten.

Aus jetziger Sicht positiv nach dieser Umstrukturierung ist, so der OB, dass sie mehr oder weniger kostenneutral für den Haushalt über die Bühne gehen kann, auch wenn sie natürlich Geld kostet. Diese Mittel, die etwa für die neue Technik sowie das Personal nötig sind, seien quasi jetzt schon im Haushalt enthalten - als sogenannte Vorhaltekosten. Ihre Größenordnung lag bei 225.000 Euro. Geld, das die Stadt an die Winterdienstleister gezahlt habe, damit diese Technik und Personal vorhalten - egal wie das Wetter ist, egal ob Schnee beräumt werden muss oder nicht. Insgesamt schlage ein Winter für die Stadt mit Kosten von durchschnittlich sogar einer halben Million Euro zu Buche. In dieser Gesamtsumme enthalten sind unter anderem die bislang ohnehin bereits vom Betriebshof erbrachten Leistungen wie etwa das Abfahren von Schnee aus der Stadt sowie die Kosten für zwei noch verbliebene kleine Dienstleister.

Schmidt hofft mit dieser neuen Konstellation, dass im kommenden Winter flexibler und schneller reagiert werden kann, wenn es irgendwo klemmt. Denn wenn die Schneeberäumung nicht nach den Vorstellungen der Bürger funktioniert, gebe es stets nur einen Anlaufpunkt - die Stadt, weiß er. So passiert Anfang des Jahres, als im Wohngebiet Heiterer Blick in Buchholz einen Tag lang kein Räum- und Streufahrzeug gefahren ist. Damals sei dem Dienstleister, der im Auftrag der Stadt für das Gebiet zuständig war, ein Fahrzeug ausgefallen und zudem ein Fahrer krank geworden. "Leider hat man uns als Stadt das erst am Tag danach mitgeteilt", hatte der OB im April beim Buchholzer Stammtisch Kritik öffentlich gemacht. Solche Szenarien sollen ab sofort der Vergangenheit angehören.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 2 Bewertungen
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...