Kunst kommt aus dem Keller in die Stadt

Schaufenster vermitteln für gewöhnlich Einblicke. Manchmal gewähren sie aber auch Ausblicke - wie derzeit in Annaberg. Auf eine Kunstszene, die dabei ihre ganz eigenen Blickwinkel offenbart.

Annaberg-Buchholz.

Zwischen luftigen Tops, leichten Sommerblusen und frechen Sommerhüten schieben sich plötzlich ganz viele Sommerblumen ins Blickfeld. Nein, keine Dekoartikel. Sondern filigran gemalte Pflanzen in vielfach leuchtenden Farben. Der Betrachter vor dem Schaufenster ist schnell im Bild - und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn im Schaufenster des Bekleidungsgeschäftes von Beate Lindner an der Buchholzer Straße in Annaberg-Buchholz gibt es in diesen Tagen weit mehr zu entdecken als nur Sommerbekleidung unterschiedlicher Art. So, wie in 22 anderen Geschäften der Annaberger Innenstadt auch.

Zum mittlerweile vierten Mal hat der Werbering Annaberg - zusammen mit dem Förderverein "Carlfriedrich Claus - Lebens- und Arbeitsort Annaberg" in diesem Sommer seine Schaufensterausstellung initiiert. Deren Motto lautet in diesem Jahr "Kunst ist echt". In den ersten beiden Jahren thematisch ausgerichtet - unter anderem mit Exponaten rund um Carlfriedrich Claus - setzen die Organisatoren seit dem vergangenen Jahr auf künstlerische Vielfalt. Und die kommt bei den Kundinnen und Kunden gut an, berichtet Beate Lindner. Schließlich seien ja auch die Geschmäcker ganz vielfältig. In ihrem Geschäft, das sie vor elf Jahren von den Eltern übernommen hat, zeigt sie drei großformatige Gemälde des Erzgebirgsmalers Werner Franz aus Grumbach. Die Auswahl der jeweiligen Künstlerinnen und Künstler haben in diesem Jahr zwar die Gestalter der Schaufensterausstellung übernommen. Die Aktion findet Beate Lindner aber trotzdem gut und ist deshalb auch schon von Anfang an mit dabei. Dieses Jahr bietet die Ausstellung "viel Spezielles", findet sie.

Das bestätigt sich schon allein beim Bummel über die Buchholzer Straße. Da weckt Theresa Rahel Müller beispielsweise Erinnerungen an die alte Technik der analogen Fotografie. In Annaberg-Buchholz aufgewachsen, studiert sie gegenwärtig Architektur in Weimar. Die Fotografie helfe ihr, Kompositionen und Stimmungen eines Ortes wahrzunehmen, begründet sie ihre gewählte Kunstform. Nicht zuletzt sei der Moment, in dem sie die entwickelten und abgezogenen Aufnahmen zum ersten Mal ansieht, jedes Mal wieder aufregend. Auf ihren vier Fotos zeigt sie Impressionen aus dem Ruhrgebiet, aus Dänemark, aus Kassel und aus Weimar.

In sein "ganz eigenes Welttheater" entführt dagegen Grafiker Robert Schmiedel mit seinen drei Radierungen. Geboren 1972 in Annaberg-Buchholz hat er von 1993 bis 1998 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig Malerei und Grafik studiert. Für ihn, der als Kind Carlfriedrich Claus noch selbst kennengelernt hat, der ebenfalls als Grafiker aktiv war, ist es nicht die erste Ausstellung in seiner alten Heimat. Unter anderem war eine Auswahl seiner Arbeiten schon im Eduard-von-Winterstein-Theater zu sehen. Ist doch die Welt der Literatur und des Theaters ein Quell seiner Ideen.

Mit filigraner Kunst ganz anderer Art zieht Petra Frank im Weltladen an der Wolkensteiner Straße, die Blicke der Passanten auf das das dortige Schaufenster. Sie präsentiert Arbeiten aus ihrer neusten Schmuckkollektion: Ketten, Colliers, Ohranhänger - aus Holz gedrechselt. Die gebürtige Suhlerin hat ihr Handwerk in den 1980er-Jahren auf der renommierten Burg Giebichenstein in Halle studiert und war anschließend zunächst als Industriedesignerin für Spielwaren in Annaberg-Buchholz tätig. Seit vielen Jahren bereits hat sich die Diplomformgestalterin der Fertigung von kunsthandwerklichem Holzschmuck verschrieben. Ihr bevorzugtes Material dabei: Ahorn - "der hat mehr Charakter", sagt sie. Einige der Stücke sind aber auch aus Linde gefertigt. Die Schaufensterausstellung findet sie gut: "Da kommt die Kunst aus dem Keller in die Stadt."

Neu in diesem Jahr: Besucherinnen und Besucher können ihr ganz persönliches Lieblingsstück der Schaufensterausstellung wählen. Auf der Internetseite www.werbering-annaberg.de können sie unter dem Stichwort "Mein Lieblingsexponat" bis zu drei Stimmen abgeben. Dazu ist auf der Seite auch eine Übersicht ausgewählter Exponate zu finden. Die Ausstellung läuft noch bis zum 4. August.

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