Kunstszene sendet wieder Lebenszeichen

103 Ateliers in Sachsen öffnen zu Pfingsten ihre Türen. Für die beteiligten Künstlerinnen und Künstler ein erster vorsichtiger Schritt zurück in die lang vermisste Öffentlichkeit - auch im Erzgebirge.

Erzgebirge.

Bisher ist sie öffentlich kaum in Erscheinung getreten: Ani Rahtak aus Drebach. Vor zwei Jahren war unter dem Pseudonym erstmals ein Buch von ihr erschienen: "Ordner Leben". Im März dieses Jahres nun hatte sie ihre erste große Ausstellung vorbereitet - im Bürgerhaus. Die wurde zwar noch eröffnet, doch dann mussten die Türen von heute auf morgen geschlossen werden. Corona verordnete auch der Kunstszene im Erzgebirge eine lange Zwangspause.

Zu Pfingsten nun wollen auch heimische Kunstschaffenden wieder ein Lebenszeichen senden - bei der nunmehr 16. landesweiten Aktion "Kunst offen in Sachsen". Noch ist es ein vorsichtiger Schritt zurück in die lange vermisste Öffentlichkeit. Denn statt der ursprünglich geplanten 200 Mitwirkenden in 160 Ateliers werden laut Olaf Klepzig 135 Künstlerinnen und Künstler in 103 Ateliers Einblicke in ihre Arbeit gewähren. Dennoch ist der Vorsitzende des ehrenamtlichen Vereins, der die jährliche Aktion zu Pfingsten organisiert, froh darüber, dass sie überhaupt stattfinden kann. Und so bietet sich auch für Ani Rahtak nun Gelegenheit, ihre begonnene Ausstellung zu Ende zu bringen. Sie sagt selbst von sich: "In meinen Büchern, Gedichten und Bildern trage ich nach außen, was mich tief im Herzen bewegt." Verpackt wird das von ihr unter anderem in eigenen literarischen Sprüchen, die sich vielfach um das Thema Spiritualität drehen und dazu einen Rahmen aus grafischen Mustern erhalten. Am Montag von 10 bis 18 Uhr wird Ani Rahtak mit ihren Arbeiten im Bürgerhaus in Drebach sein.

Nicht nur corona-bedingt hat Andreas Kluge aus dem Marienberger Ortsteil Lauta eine längere kreative Pause eingelegt. Die beendet er nun mit seiner Teilnahme an der Aktion "Kunst offen in Sachsen". Über das Pfingstwochenende begrüßt der 56-jährige Hobbykünstler interessierte Gäste in seinem neuen Atelier, das er sich in einer einstigen Doppelgarage eingerichtet hat. Dort zeigt der künstlerische Autodidakt Malereien und Grafiken. Neben großformatigen Nitro-Lack-Gemälden, die Farbverläufe zeigen, sind auch verschiedene Arten von Tuschezeichnungen von ihm zu sehen. Zum einen hat er so Sehenswürdigkeiten der Region dargestellt. Andere Zeichnungen, in denen erotische Inhalte sehr verdeckt dargestellt sind, sollen die Fantasie der Besucher anregen. Vorlage für diese Darstellungen waren Fotos, die Andreas Kluge zunächst am Computer soweit bearbeitet hat, dass nur noch Schwarz, Weiß und Grauschattierungen vorhanden waren. "Nach der Übertragung der Konturen auf Papier bleibt Schwarz und Weiß erhalten, die Grautöne werden Blau", erklärt Andreas Kluge. Das Ergebnis sind dreifarbige Zeichnungen, die fotorealistisch erscheinen. Das Atelier von Andreas Kluge ist am Samstag, Sonntag und Montag geöffnet.

Schon mehrfach dabei beim alljährlichen Kunstspektakel zu Pfingsten waren Mechthild Pöhler und Gunnar Horatzscheck. Die Malerin und Grafikerin aus Burkhardtsdorf freut sich auf die "Auffrischung" nach einer "komplizierten Zeit. Und sie ist selbst gespannt, wie die Resonanz auf ihre Malereien und Grafiken in diesem Jahr ausfällt, nachdem es im vorigen Jahr sehr intensiv gewesen sei. Vielleicht auch, weil sich bei ihr der Entstehungsprozess ihrer Bilder gut nachvollziehen lässt. Denn neben fertigen Blättern stehen die noch unvollendeten Arbeiten. Und wer will, kann sich auch selbst einmal im Zeichnen versuchen. Platz genug - auch für die Einhaltung der notwendigen Abstandsregeln - biete der weitläufige und weitgehend naturbelassene Garten. Dessen Tür steht am Montag von 10 bis 18 Uhr offen. Kunsthandwerker Gunnar Horatzscheck öffnet am Samstag und Sonntag seine Manufaktur in Annaberg-Buchholz, die sonst noch geschlossen ist und nur nach individueller Absprache geöffnet wird. Ansonsten konzentriert sich der Drechslermeister zusammen mit seinem Sohn auf die Arbeit in der Werkstatt in Tannenberg. Denn die Auftragsbücher sind auch für dieses Jahr voll. Zwar fehlten die Spontankäufe im Geschäft, aber Existenzsorgen plagen den kleinen Familienbetrieb deshalb nicht, der gegenwärtig vor allem mit Upcycling die Kunden begeistert - vor allem auch junge. Dabei entsteht unter anderem aus teilweise jahrhundertealten, ausrangierten Fachwerkbalken moderne Wohnkultur. Und dabei ist jedes Stück ein Unikat - zu sehen am Samstag und Sonntag.


Ein Atelier auf Wanderschaft

Im Stadtgebiet von Aue ist am morgigen Samstag von 12 bis 14 Uhr der Oberplanitzer Aktionskünstler Walter Gerhard Grimbs unterwegs - mit seinem imaginären "Atelier auf Wanderschaft". Das richtet er unter anderem auf dem Altmarkt der Stadt ein. Und in diesem Atelier kommt er dann mit Passanten über "Kunst, Gott und die Welt und ein weltoffenes Sachsen" ins Gespräch. Mit seiner Aktionskunst im öffentlichen Raum ist der studierte Designer, Bildhauer und Kunstpädagoge schon seit einige Jahren unterwegs, war so zum Beispiel auch schon beim Tag der Sachsen in Marienberg und Schwarzenberg dabei. (af)

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