Kurz vor Grand Prix streikt Aufstiegshilfe zur Schanze erneut

Mehr als 80 Sportlerinnen und Sportler werden am Wochenende aus allen Wintersportnationen am Fichtelberg erwartet. Vor dem eigentlichen Wettkampf schwitzen aber erst einmal die Techniker.

Oberwiesenthal.

Es ist der sportliche Höhepunkt im Sommer in Oberwiesenthal: der Sommer Grand Prix der Nordischen Kombination. Bereits zum zehnten Mal wird dazu die Weltelite dieser Sportart am Fichtelberg erwartet. In diesem Jahr erlebt das Publikum zudem eine Neuheit: Zum ersten Mal wird es einen Mixed-Wettkampf geben, bei dem Damen und Herren an den Start gehen und den Stadtkurs auf Skiroller absolvieren. Doch die Vorfreude auf das sportliche Spektakel wird einmal mehr von der neuen Aufstiegshilfe getrübt - dem sogenannten Mountain Climber. Nach wochenlangem erfolgreichen Probebetrieb streikte am Mittwoch wieder eine der beiden Transportkabinen.

Ein Team, dass es mitten im Training erwischt hat, waren die italienischen Damen, die seit Dienstag vor Ort sind. Nationaltrainer Ivo Pertile sagt: "Wir konnten zwar einige Trainingssprünge absolvieren. Für den Transport der Springer mit dem Shuttlebus war aber dann jeweils mehr als eine halbe Stunde pro Sprung nötig. Chaotisch." Dabei hatte er gehofft - dass insbesondere die Juniorinnen aus seinem Team auch mit Blick auf die Anfang des nächsten Jahres an gleicher Stelle stattfindende Junioren-Weltmeisterschaft schon ein paar Trainingseinheiten absolvieren können. "Aber man muss die Situation akzeptieren", sagt er und hofft, die Trainingseinheiten im Herbst nachholen zu können. Denn ansonsten sei die Anlage in Oberwiesenthal top.


Unterdessen ist Oberwiesenthals Bürgermeister Mirko Ernst (FDP) nach eigenem Bekunden "stinksauer" angesichts der Gesamtsituation. Die Stadt ist als Eigentümerin der Schanzenanlage Bauherr für die neue Aufstiegshilfe, an der seit mittlerweile drei Jahren gebaut wird. Wie kompliziert das Unterfangen am Ende werden würde, hatte anfangs wohl keiner der Beteiligten vermutet. Der Bürgermeister spricht von einer "individuellen Anlage, die in das Gelände eingepasst wurde" - ein Prototyp also, der auch für den österreichischen und den deutschen Tüv komplettes Neuland bedeutete. "Bis vorige Woche lief der Probebetrieb - auch mit der zweiten Beförderungskabine", schildert Mirko Ernst. Ebenso am Montag und Dienstag dieser Woche sei noch reguläres Training gelaufen. Am Mittwoch aber habe sich eine der beiden Kabinen an der Bergstation festgefahren.

"Es ist ein Antriebsstrang", hat Gernot Kapl von der bauausführenden Firma Graessner in Österreich mittlerweile den Fehler zumindest eingegrenzt. Er war am gestrigen Donnerstag kurzfristig für den erkrankten Techniker eingesprungen, der eigentlich für den Einsatz in Oberwiesenthal vorgesehen war. Wo der Fehler im Detail liege, vermochte Kapl am Donnerstagnachmittag allerdings noch nicht zu sagen. Um den Schienenstrang nun zumindest für die zweite Kabine wieder frei zu bekommen, sollte das defekte Teil ins Tal befördert und dort repariert werden. So könne der Transport der Sportlerinnen und Sportler - wenn auch etwas eingeschränkt - gewährleistet werden, zeigt sich der Bürgermeister "gedämpft optimistisch".

Seinen Optimismus hat auch Christian Freitag als Geschäftsführer des ausrichtenden Wintersportclubs Oberwiesenthal noch nicht verloren. Zumal er gemeinsam mit seinem Team, zu dem neben dem eigenen Verein auch viele Partner aus anderen Vereinen gehören, für alle Fälle noch einen Plan B in der Tasche hat, bei dem notfalls der zweite Teil der Strecke mittels Shuttle-Bussen realisiert werden muss. Sauer ist er vielmehr über die Negativschlagzeilen, die kolportiert werden. Freitag, der selbst ehemalige Leistungssportlern war, mahnt einen sportlichen Umgang mit derartigen Problemen an und fordert vielmehr eine konstruktive und lösungsorientierte Diskussion ein. Alles andere schade dem Image der Veranstaltung.

Eine Argumentation, der sich auch der Bürgermeister anschließt. Nach wie vor tritt er allen Gerüchten entgegen - insbesondere was die Wahl der bauausführenden Firma betrifft. Die Österreicher seien damals die einzigen gewesen, die sich auf die Ausschreibung hin beworben hätten. Die Alternative wäre gewesen, gar nicht zu bauen. Und auch heute sieht Ernst "keine andere Lösung, als die Anlage fertig zu stellen".

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