Land favorisiert Ortsumgehung für Geyer

Eine Kehrtwende lässt Menschen in der Stadt hoffen: Sachsen will das Millionenprojekt in seinem Landesverkehrsplan 2030 verankern. Ganz anders als noch vor einigen Jahren. Doch weshalb der Sinneswandel?

Geyer.

Tausende Fahrzeuge rollen täglich durch Geyer - viele davon aus Richtung oder in Richtung Autobahn A 72. Gerade an der Einmündung Zwönitzer Straße/August-Bebel-Straße wird es oft richtig eng. So mancher der zahlreichen Brummis hat beim Abbiegen ein Problem, muss über den Fußsteig fahren. "Manchmal setzen Autofahrer zurück, damit die Laster rumkommen. Es ist kein Zustand", sagt Eberhard Donner, der gar nicht weit weg von der Einmündung seine Firma hat und an der Zwönitzer Straße wohnt. "Eigentlich hätte schon längst eine Ortsumgehung für Geyer gebaut werden müssen", findet er und ist damit nicht allein. Doch das Bemühen darum war bislang gescheitert. Nun gibt es Hoffnung: Das Land Sachsen will das Projekt wieder in seine Planung aufnehmen.

Daher ist es im Entwurf des sächsischen Landesverkehrsplans 2030 enthalten - als einziges Vorhaben im Erzgebirgskreis, was den Neubau von Staatsstraßen betrifft. Geschätzte Kosten: rund 45,2 Millionen Euro für eine etwa 5,5 Kilometer lange Trasse. Das Ganze gleicht einer Kehrtwende. Denn noch vor einigen Jahren hatte das Land den Bau einer Ortsumgehung für Geyer als "Maßnahme ohne Bedarf" eingeordnet, sodass sie im aktuellen Landesverkehrsplan 2025 gar nicht enthalten ist. Damals war man noch von 27,8 Millionen Euro Baukosten ausgegangen - dazu hieß es 2014 aus dem zuständigen Ministerium: "Bei Betrachtung des Nutzen-Kosten-Verhältnisses erscheint ein Bau der Ortsumgehung als nicht begründbar." Ebenso wurde als Grund beispielsweise angeführt, dass man mit einem rückläufigen Verkehrsaufkommen bis 2025 rechne.

Tino Moritz und Kai Kollenberg

Sachsen 2019:Der „Freie Presse“-Newsletter zur Landtagswahl von Tino Moritz und Kai Kollenberg

kostenlos bestellen

Alles Dinge, die nun offenbar anders gesehen werden. Warum? "Die Ortsumgehung Geyer ist Teil des neuen Konzeptes für die Erschließung des Erzgebirges", erklärt Kathleen Brühl vom Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. Dabei solle die Anbindung von Annaberg-Buchholz an die Autobahn und die Stadt Chemnitz vorzugsweise über den durchgängig neu gebauten Autobahnzubringer S 258 erfolgen. Die S222, die auch durch Geyer führt, und die B 101 würden die Querverbindung zwischen dem Zubringer und der B 174 bilden. "Damit wird sich deren Verkehrsbedeutung verändern", so Brühl weiter. Neben der Ortsumgehung für Geyer würden dabei auch die vorgesehene Verlegung der B 101 südlich von Wolkenstein und der Bau einer Ortsumgehung für Gehringswalde eine Rolle spielen, die im Bundesverkehrswegeplan verankert seien. Denn auch aus dem Raum Marienberg fließt der Verkehr in Richtung A 72 oft durch Geyer.

Dass eine Ortsumgehung für die Stadt wieder ein Thema ist, wird dort mit Erleichterung aufgenommen. "Wir haben immer versucht, das anzubringen und im Gespräch zu bleiben", sagt Bürgermeister Harald Wendler. Allerdings sorgt eines für Verwunderung: Bereits in den 1990er-Jahren gab es eine erste Planung für solch ein Projekt, vor einigen Jahren wurde es vom zuständigen Ministerium mit dem Vermerk "Aufstellung Vorentwurf" versehen. Doch aktuell heißt es, dass es keine Planung gibt. Wieso? "Die Planungen zur Ortsumgehung Geyer sind circa 20 Jahre alt. Die örtliche Situation sowie die der Planung zugrunde liegenden Daten sind zwingend neu zu erfassen", erklärt Kathleen Brühl vom zuständigen Ministerium. Derartige Verfahren können jedoch Jahre dauern, die Frage der Finanzierung ist ebenso offen. Die jetzige Kostenschätzung wurde anhand der aktuellen Baupreissituation erstellt, daraus resultiere der erhebliche Anstieg.

Und was sagen Anwohner wie Eberhard Donner zu dem Hin und Her? "Wer mit offenen Augen hier entlang fährt, sieht, dass eine Ortsumgehung schon lange notwendig ist." Er könne nicht verstehen, warum sie überhaupt aus den Planungen gestrichen worden war. "Es ist gut, dass sie wieder reinkommen soll - in der Hoffnung, dass mal was daraus wird." Er habe indes das Gefühl, dass der Schwerlastverkehr in der Stadt weiter zunimmt - auch, weil Lkws die Maut auf Bundesstraßen umgehen wollen.

Bewertung des Artikels: Ø 3.7 Sterne bei 3 Bewertungen
2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    0
    Deluxe
    14.04.2019

    Mit anderen Worten:
    Der Ausbau der B95 zu einer leistungsfähigen Verbindung zwischen Chemnitz und Annaberg ist für alle Zeiten vom Tisch.

    Das ist zwischen den Zeilen recht deutlich zu lesen.

    Und damit bleibt es bei der katastrophalen und absolut unzeitgemäßen Verkehrserschließung des zentralen Erzgebirgsraums um die Kreisstadt. Die S258 ist ein großer Umweg.

  • 3
    4
    uwe1963
    14.04.2019

    Dann muss man auch gleich noch eine Ortsumgehung für Brünlos/Günsdorf/Hormersdorf in Richtung Thum bauen. Dort ist es auch nicht viel anders, als in Geyer.
    Was wollte man mit dem Bau der S258 erreichen ? Dem Verkehr von und zu der A 72 ins und aus dem mittleren Erzgebirge nützt die Strasse kaum was.
    Meiner Meinung nach hätte man gleich nach der Wende eine 4 spurige Strasse ab A72 Zwickau-West (Anbindung zur A4 Meerane) über Schneeberg, Aue, Schwarzenberg, Annaberg, Marienberg und Freiberg zur A4 bauen sollen um das ganze Erzgebirge schnell ans Autobahnnetz anzuschließen und alle größeren Städte und die dazugehörigen Regionen zu erschließen und zu verbinden. Über die bestehenden Bundesstraßen B95 B 174, B171 wären die restlichen Gebiete gut zu erreichen gewesen.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...