Lehrer holt Jugend mit ins Boot

Mit 22 Bestandteilen rückt das Welterbe die Schätze der Bergbauregion stärker denn je in den Fokus - und mit ihnen Geschichten, (Berg)Leute und Zukunftsideen. Heute: Zu Gast bei Steffen Börner.

Marienberg/Annaberg.

"Berg formt, Land schafft, Jugend erbt" - diese Devise könnte für junge Leute gelten, die sich - inspiriert von den Schlagzeilen des Sommers - auf künstlerische Weise mit der neuen Welterberegion beschäftigt haben. Von wegen, dass uraltes Erz, betagte Technik oder (fast) vergessener Bergmannsberuf nicht für die heutige junge Generation taugen. In ihren handwerklich soliden Grafiken und Collagen rückten Mädchen und Jungen diesseits und jenseits der Grenze filigran aufgemauerte Mundlöcher, frisch aufpolierte Hunte, naturbelassene Schwibbögen und bewährte Traditionsfiguren in die Kulisse markant nachgezeichneter Bergstädte. Charakteristische Eigenheiten für die jeweiligen Regionen wie Weihrichkarzl, Olbernhauer Reiterlein oder Kät-Karussell geben den Bildern das Lokalkolorit.

Über 100 Arbeiten von Schülern aus elf Bildungseinrichtungen in Sachsen und Böhmen können jetzt in einer kleinen Werkschau im Annaberger Gründer- und Dienstleistungszentrum (GDZ) begutachtet werden. Ob Gymnasiasten aus Aue, Brand-Erbisdorf und Stollberg, Oberschüler aus Annaberg und Schneeberg oder Pennäler aus Krupka und Klášterec nad Ohøí, allesamt vermitteln sie den Eindruck, Spaß an dieser Aufgabe gefunden zu haben.

Als Impulsgeber der Kunstaktion gilt Steffen Börner. "Ähnlich wie beim Welterbe-Antragsverfahren war auch für unser Kunstprojekt Energie und Wille gefragt, die Schüler dafür zu begeistern", sagt der Kunstlehrer des Marienberger Gymnasiums. "Seitdem die Montanerbe-Idee spruchreif wurde, findet sie meine Begeisterung, habe ich in unserer Einrichtung mit den Schülern über den Lehrplan hinaus verschiedene Projekttage organisiert und immer ein offenes Ohr bei der Schulleitung gefunden", so der 59-Jährige. "Schon in meiner Diplomarbeit setzte ich mich beispielsweise mit dem Wert der Seiffener Holzkunst für unsere Region auseinander. Klar, dass ich mich angesprochen fühlte, als 1998 die Idee von der Montanregion aufkam. Schnell waren mir die Chancen klar." Und so wurde der Bergbau mit seinen technischen und sozialen Errungenschaften altersgerecht ein Thema für den Kunstunterricht in Marienberg. "Wollen wir die Leistungen unserer Altvorderen erhalten, müssen wir sie über die heutige Generation ins Morgen tragen. Mit einem sanierten Stollen allein ist es nicht getan, wir brauchen ja die Leute, die wissen, um was es sich da handelt und welche Bedeutung darin liegt."

Zunächst sei Skepsis zu spüren gewesen, sich des Themas im hauseigenen Projektunterricht anzunehmen, erinnert sich der Kunstlehrer. Doch die ersten selbst gestalteten Videoclips und Trickfilme, etwa zur Stadtgeschichte von Marienberg, weckten die Neugier der Oberschüler. Für Schlagzeilen sorgten die Gymnasiasten samt Lehrerschaft um Steffen Börner mit einem 2015 auf dem Markt der Bergstadt inszenierten Bildmotiv. Sie positionierten sich als Werbemodell für den Schriftzug "Wir wollen Weltkulturerbe werden". Eine damals klare Botschaft, der im Sommer die nächste folgte: "Wir sind Weltkulturerbe".

Die jetzt gezeigte Schau basiert auf Arbeiten der siebten Klassen, die sich im Kunstunterricht mit dem Genre der Grafik und deren Gestaltungsmitteln wie hell und dunkel sowie diversen Strukturen beschäftigten. "Mit dem Welterbeverein Freiberg haben wir die Idee von der Montanen Wissenswelt Erzgebirge entwickelt. Im Zuge dieser Initiative, die Montanregion künstlerisch aufzugreifen, haben wir 36 Bildungseinrichtungen eingeladen, Ergebnisse ihres künstlerisch-kreativen Tuns einzureichen. Diese Arbeiten können nun betrachtet werden", freut sich Steffen Börner auf aufgeschlossenes Publikum.


Jugend und Welterbe

"Montane Wissenswelten" heißt eine Ausstellung aus Collagen, Drucken, Malereien und Sprühtechniken, welche alle ein Ziel verfolgen: die Auseinandersetzung deutscher und tschechischer Schüler mit ihrer Heimat auf dem Weg zum Welterbe. Zu sehen ist die Ausstellung voraussichtlich bis Anfang Januar im GDZ Annaberg, Adam-Ries-Straße 16, montags bis freitags 8 bis 18 Uhr.

Gefördert und begleitet wurde die Ausstellung u. a. vom Verein Welterbe Montanregion Erzgebirge sowie von der Welterbe Projektgruppe am Institut für Industriearchäologie, Wissenschafts- und Technikgeschichte an der TU Bergakademie Freiberg. (hy)

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