Märchenhafte Schnitzertage mit Holzkunst in allen Facetten

Rumpelstilzchen und Rapunzel haben mit vielen anderen markanten Figuren am Wochenende im Erzhammer die Blicke auf sich gezogen. Und die Protagonisten werben schon für weitere Höhepunkte in diesem Jahr.

Annaberg-Buchholz.

"Wir sind das erste Mal hier und sind erstaunt über die gigantische Vielfalt, die es zu sehen gibt. Eine Arbeit ist schöner als die andere", sagte Werner Schierig. Nicht nur der Chemnitzer staunte über die gezeigten Kunstwerke, die zu den nunmehr 27. Erzgebirgischen Schnitzertagen im Annaberg-Buchholzer Erzhammer präsentiert wurden. Die wunderbare Welt der Holzgestaltung faszinierte Laien und Fachleute gleichermaßen - volles Haus sowohl am Samstag als auch am gestrigen Sonntag.

Es gibt wahrscheinlich rein gar nichts, was sich nicht mit Messer und Eisen im Holz abbilden lässt. Figuren aller Art und in den verschiedensten Größen und Ausführungen, Holzbildhauereien, Miniaturschnitzereien unter anderem Intarsienarbeiten sowie Reliefschnitzereien demonstrierten eindrucksvoll den Facettenreichtum der heimischen Holzkunst. 32 Schnitzvereine und 7 Einzelschaffende - insgesamt mehr als 200 Teilnehmer - waren zur traditionellen Veranstaltung am Wochenende präsent. Sie waren nicht nur aus dem gesamten Erzgebirge, sondern auch aus anderen sächsischen Regionen in die Kreisstadt gekommen. "Wir freuen uns, dass so eine große Anzahl von Schnitzfreunden jedes Jahr bei der Veranstaltung zur Stange hält und den Erzhammer zu einer einzigen großen Schnitzerstube machen", so Jens Lasch. Der Koordinator für Schnitzen im Erzgebirgsverein und Chef des Thumer Schnitz- und Klöppelvereins betonte zugleich, dass dabei auch der Erfahrungsaustausch zwischen den Volkskünstlern großgeschrieben wird.

Als Stammgäste schon immer mit von der Partie sind die Mitstreiter vom Schnitz- und Krippenverein Geyer, verriet der zweite Vereinsvorsitzende Joachim Hirsch. "Wir sind schon so alt wie der Erzhammer", ergänzte Siegfried Hübner und lacht. Gottfried Linder vom Verein verwies darauf, dass die Bingestädter in diesem Jahr ebenfalls Großes vorhaben: ein Doppeljubiläum. "Wie feiern 125 Jahre Schnitz- und Krippenverein Geyer sowie 25 Jahre Schnitzerheim", verriet Lindner. Im Herbst soll aus diesen Anlässen eine Sonderschau über die Bühne gehen. Eine Schnitzarbeit, die auf den 125. Geburtstag des derzeit 29 Mitglieder zählenden Vereins hinweist, hatten die Geyerschen bereits mit nach Annaberg-Buchholz gebracht. Helmut Müller hat einen Schnitzer mit blauer Schürze und der Fahne des Vereins geschaffen.

Wie alle Jahre wieder gaben sich an beiden Tagen einheimische Besucher und Touristen regelrecht die Klinke in die Hand. Aus dem "Ruhrpott" waren beispielsweise Anita Reiber und ihre Familie gekommen. "Wir sind um diese Zeit ab und an bei Bekannten im Erzgebirge und wenn es zeitlich passt, sind die Schnitzertage so was wie eine Pflichtveranstaltung für uns", erzählte die junge Frau. Auch sie wollte beim Wettbewerb "Märchenhaftes" noch ihre Stimme für die Arbeit ihrer Wahl abgeben. Der Wettbewerb nahm schon mal thematisch Bezug zum 2. Internationalen Märchenfilm-Festival "Fabulix" im August in Annaberg-Buchholz. Dazu gab es von einer Märchenpyramide über Szenen aus den Märchen "Rumpelstilzchen", "Hans im Glück" und "Das kalte Herz" bis hin zu einer Märchenbox allerlei Sehenswertes zu entdecken.

Auffällig: Das Schnitzen ist längst keine Männerdomäne mehr. Mädchen und Frauen zeigen zunehmend, dass sie genauso gut wie Männer mit dem Schnitzmesser umgehen können. Ebenso demonstrierten allerhand Kinder und Jugendliche ihr Können. Nicht nur die Verantwortlichen sehen das als ein Zeichen für eine gute Nachwuchsarbeit in den Vereinen.

 


Langjähriger Schwarzenberger Volkskünstler mit Goldenem Schnitzmesser geehrt

Einer der Höhepunkte der Erzgebirgischen Schnitzertage ist neben der Prämierung der besten Arbeiten die Verleihung des Goldenen Schnitzmessers. Mit dieser vom Verband der Erzgebirgischen Schnitzer und dem Erzgebirgsverein gestifteten Auszeichnung wurde am gestrigen Sonntag Helmut Uhlig aus Schwarzenberg geehrt. Eine Würdigung seines Lebenswerkes, wie Gabriele Lorenz vom Erzgebirgsverein betonte. 1951 in Rittersgrün geboren, habe er sich von frühester Jugend an dem Umgang mit den Schnitzmessern verschrieben, später unter anderem 45 Jahre den Schnitzverein in Schwarzenberg geleitet, der in diesem Jahr sein 90-jähriges Bestehen feiert. Zudem engagiert er sich seit nunmehr 29 Jahren als Schatzmeister im Vorstand des Verbandes der Erzgebirgischen Schnitzer und kümmert sich um den Nachwuchs. Als eine seiner "besonderen Herzensangelegenheiten" nannte Gabriele Lorenz den überdimensionalen Weihnachtsberg am Totenstein. (af)

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