Medizinische Instanz verabschiedet sich von Praxis

In Gelenau schließt die Praxis von Dr. Christian Klotz. Doch gänzlich zieht er sich nicht aus dem Arztleben zurück - er bleibt etwa den Ringern treu.

Gelenau.

Dr. Christian Klotz geht in den Ruhestand. Zum Ende des Monats schließt der Allgemeinmediziner, Chirurg und Sportarzt seine Praxis gleich neben dem Rathaus an der Ernst-Grohmann-Straße in Gelenau. "Mit 67 Jahren ein akzeptabler Entschluss", erklärt der Gelenauer und schaut zu seiner Frau Christine. Stets war sie als Sprechstundenschwester an seiner Seite. Zwei Jahre jünger als ihr "Chef", freut sie sich gleichfalls auf das Rentnerdasein, auch wenn sie sich ihren Mann noch längst nicht als Rentner vorstellen kann.

Mit dem Facharzt in der Tasche begann Christian Klotz seine medizinische Laufbahn 1976 als Chirurg im Zschopauer Kreiskrankenhaus. Als eine schöne, wenn auch aufopferungsvolle Zeit sind ihm die Jahre am OP-Tisch in Erinnerung geblieben. Nach der politischen Wende wollte sich der gebürtige Gelenauer in seinem Heimatort als selbstständig praktizierender Arzt niederlassen. Das war 1991. Die Approbation und einen Kreditvertrag für die notwendige Praxisausrüstung in der Tasche, wurde daraus vorerst nichts. Unverschuldet wurde der Arzt in einen Verkehrsunfall verwickelt und über ein Jahr selbst zum Patienten. "Dabei war schon alles für den Neustart fertig, Behandlungsinstrumente und Medizintechnik bestellt", erinnert sich Klotz. Im Januar 1993 bezogen Christian Klotz und sein Team schließlich die Praxis an der Straße der Einheit, in der sich immer ein Arzt um die Gelenauer gekümmert hat. Sein Vater hat schon "Der Nächste, bitte" ins Wartezimmer gerufen, zudem wurde deren Name lange Zeit mit dem ersten dort tätigen Dr. Kerber in Verbindung gebracht. Rund 900 Krankenakten von Patienten aus Gelenau und der näheren Umgebung füllten in den ersten Jahren den weißen Aktenschrank im Sprechzimmer. "Als wir 2001 die Praxis in die heutigen Gemeinderäume verlegt hatten, stieg die Patientenzahl in Spitzenzeiten auf bis zu 1200." Auch wenn in der Anfangszeit dort noch operiert wurde, so sah sich Christian Klotz doch immer als typischen Landarzt. "Von der einfachen Erkältung über Unfallnotdienst bis hin zu Überweisungen an Fachkollegen war da alles dabei." Lediglich bei Sportunfällen und deren Folgeschäden konnte Christian Klotz als Sportmediziner und Verbandsarzt der Ringer-Nationalmannschaft spezielles Fachwissen auf diesem Gebiet anwenden.

Etwas nachdenklich wird der scheidende Arzt, wenn es um die Zukunft seiner derzeit noch rund 800 Patienten geht. Denn die Praxis wird für immer geschlossen. "Bemühungen um eine Nachfolge sind leider ins Leere gelaufen", bedauert er. "Viele Patienten konnte ich an Kollegen vermitteln und auch Katrin Kreißig, neben meiner Frau die zweite Sprechstundehilfe, findet übergangslos eine neue Arbeit in ihrem Beruf." Mit einer Woche Ferien im Pulverschnee will das Ehepaar den neuen Lebensabschnitt beginnen. "Im März geht es nach Frankfurt an der Oder zu den Deutschen Meisterschaften im Ringen", blickt der Mediziner noch ein Stück weiter. Auch vom Notarztdienst wolle er sich noch nicht gänzlich verabschieden. "Und dann ist da ja auch noch die Familie unserer Tochter in Kiel, wo die neunjährige Enkelin Lavinia auf ihren Opa wartet", sagt Christian Klotz und freut sich auf einen längeren Aufenthalt an der Nordsee.

Unterdessen wird es in Gelenau auch weiterhin eine hausärztliche Versorgung geben ("Freie Presse" berichtete). Die Medizinerin Marion Böhme wird ihre Arbeit "in einem überschaubaren zeitlichen Rahmen" fortführen, bestätigte ihr Sohn Dr. Sebastian Böhme auf Anfrage. Er ist derzeit bei Marion Böhme als Sicherstellungsassistent tätig und beabsichtigt, sich in der Gemeinde niederzulassen. (mit mb)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...