Mehr Borreliosefälle durch Bucheckern

Das Erzgebirge verzeichnet in diesem Jahr viele Übertragungen des Erregers. Die Früchte der Buche spielen dabei eine Rolle.

Annaberg-Buchholz.

Der Zusammenhang erscheint auf den ersten Blick recht kurios, doch es gibt ihn: Fallen besonders viele Bucheckern zu Boden, wird in den Folgejahren häufig eine steigende Anzahl an Borreliosefällen verzeichnet. So geschehen zuletzt auch im Erzgebirge. Wie bereits im Vorjahr sind vergleichsweise viele Erkrankungen aufgetreten. Weil Borreliose meldepflichtig ist, werden die Fallzahlen behördlich erfasst. Nach Auskunft des Landratsamtes des Erzgebirgskreises wurden bis Anfang dieses Monats bereits 157 Infektionen registriert. Im gesamten Jahr 2017 waren es 220. Und 2016 genau 268. Damit bewegen sich die Zahlen auf hohem Niveau. Zum Vergleich: 2015 erfasste das Landratsamt 125 Fälle, ein Jahr zuvor 153 und 2013 nur 113.

Dass das Erzgebirge besonders betroffen ist, zeigt sich in Hinblick auf ganz Sachsen. Rund 800 Infektionen lagen im ersten Halbjahr im Freistaat vor. Die meisten ereigneten sich im Raum Dresden sowie im Landkreis Sächsische Schweiz. Gleich danach folgt der Erzgebirgskreis. "Die Borreliose-Situation ist territorial sehr unterschiedlich ausgeprägt", ordnet Jörg Förster, Sprecher des Sächsischen Ministeriums für Soziales und Verbraucherschutz, ein. Doch warum gab es zuletzt recht viele Fälle? Bei den Erregern handelt es sich um spiralförmige Bakterien, die durch Zeckenbisse auf den Menschen übertragen werden können. Wird die Zecke frühzeitig entfernt, ist das Risiko geringer. Zwar trägt der überwiegende Teil der Tiere keine Erreger in sich, dennoch hängt die Ausbreitung von Borreliose stark vom Zecken-Aufkommen ab. Jörg Förster weist darauf hin, dass es in diesem Jahr wieder besonders viele Zecken gibt. Grund sei der eher milde Winter, der die Aktivität und Verbreitung der Zecken begünstigte. Doch dies sei längst nicht die einzige Ursache. Vor zwei Jahren seien besonders viele Bucheckern herangereift und zu Boden gefallen. Die Früchte der Buche dienen zum Beispiel Mäusen als Nahrung. Förster: "Sie fanden optimale Ernährungsbedingungen und konnten sich stark vermehren. Dies nutzte in den Folgejahren wiederum den Zecken, denen Mäuse vor allem in der Larven- und Nymphenphase als Wirtstiere dienen, sodass es zu einem Anstieg der Zeckenpopulation kam."

Da in diesem Frühjahr und Sommer warmes und trockenes Wetter herrschte, waren vergleichsweise viele Menschen im Freien unterwegs. Sie fingen sich etwa im Wald beim Spazieren Zecken ein. Borreliose ist nicht die einzige Gefahr, die von den Tieren ausgeht. Sie können auch Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Gegen die Krankheit gibt es im Unterschied zu Borreliose eine Impfung. Wer viel im Freien unterwegs ist oder sich in Risikogebieten aufhält, sollte über die Impfung nachdenken, so die Empfehlung des Kreises. FSME kommt seltener als Borreliose vor, verläuft aber meist schwerer. So gab es in diesem Jahr im Erzgebirge noch keinen Fall. 2017 waren es laut Landkreis sieben.

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