Mehrsprachig auf dem Berg: Audioguides für mehr Besucher

In den vergangenen Monaten hat sich im Besucherbergwerk Ehrenfriedersdorf einiges verändert. Bei neuer Technik allein ist es nicht geblieben. Ideen für die einstige Zinngrube gibt es viele. Und um Lust zu machen, auf den Berg zu steigen, braucht es manchmal nur ganz wenig.

Ehrenfriedersdorf.

Für manche Menschen ist - man kann es sich kaum vorstellen - Erzgebirgisch eine Art Fremdsprache, auch wenn es in Wirklichkeit einfach nur sympathischer Dialekt ist. Doch Gäste des Besucherbergwerkes in Ehrenfriedersdorf kommen aus der ganzen Welt - und das wird sich hoffentlich in den kommenden Monaten und Jahren noch verstärken. Immerhin sind die Bergbaulandschaft rund um Ehrenfriedersdorf und natürlich der Sauberger Haupt- und Richtschacht Bestandteile des Unesco-Welterbegebietes "Montanregion Erzgebirge". Um Besuchern aus anderen Ländern mehr anbieten zu können und sie für die Geschichte des Bergbaus zu faszinieren, gibt es auf dem Sauberg seit einigen Wochen Audioguides. 24 Stück, an jeden lassen sich zwei Kopfhörer anstecken, wurden angeschafft. Sie sind robust und damit perfekt geeignet für den Einsatz unter Tage. Erklärung von Arbeitsschritten, Zeitzeugeninterviews, Zahlen, Daten und Fakten - all das ist nun neben Deutsch auch auf Englisch, Niederländisch und Tschechisch zu hören.

"Ein Schritt in die richtige Richtung", erklärt Hendrik Konz. Er ist seit einem knappen Jahr Geschäftsführer des Besucherbergwerkes. Er ist vor allem für das Administrative zuständig. Alles rund um das Bergwerk, das Museum und die Besucher ist Aufgabe des Betriebsleiters Erik Ahner. Gemeinsam haben Konz und Ahner in den vergangenen Monaten viel Neues angeschoben. Es gibt unter anderem neue Flyer und eine neue Internetpräsenz auf der Hauptseite des Sächsischen Industriemuseums. Das Besucherbergwerk ist Teil des Zweckverbandes. Das neue Duo hat mit dem Geschäftsführer Oliver Brehm schon viele Gespräche geführt, die strategische Ausrichtung besprochen, eine verstärkte Kooperation angestrebt. Mit Erfolg. Unter anderem werden die verschiedenen Einrichtungen des Zweckverbandes, zu denen die Tuchfabrik in Crimmitschau, die Energiefabrik Knappenrode und das Chemnitzer Industriemuseum gehören, künftig mit einer einheitlichen Inventarisierungssoftware arbeiten. Nur so könne ermittelt werden, über welchen Besitz der Zweckverband verfügt. Das hat auch einen ganz praktischen Effekt. Bei Sonderausstellungen in den einzelnen Bestandteilen wird so der Austausch erleichtert.

Im Besucherbergwerk arbeiten neben dem Betriebsleiter vier Männer unter Tage. Hinzu kommen zwei Angestellte über Tage. Außerdem können die Verantwortlichen auf einen Pool von etwa 20 Frauen und Männern zurückgreifen, die beispielsweise Führungen machen. Viele von ihnen haben früher selbst auf dem Sauberg gearbeitet. "Das kommt bei den Gästen gut an", sagt Erik Ahner. Die Authentizität ist einfach gegeben, durch die Leute vor Ort und durch die Technik, die genauso früher im Einsatz war. Daher ist es auch großes Ziel, die Mitarbeiter zu halten. Die Stundenlöhne wurde angehoben, Arbeitsabläufe effektiviert und optimiert. Eine Folge: Führungen werden außerhalb von Ferien nur noch Mittwoch bis Sonntag angeboten. Montag ist Ruhetag, der Dienstag ist Reparaturtag.

Für eine bessere Sichtbarkeit nach außen werden nun auch Soziale Medien genutzt. Die Zinngrube ist seit einigen Wochen bei Instagram. Die Stadt Ehrenfriedersdorf verbreitet Veranstaltungsinfos über ihren Facebook-Auftritt. Außerdem sollen sich Besucher künftig online für Führungen anmelden können. Mit dem Online-Buchungssystem könnten Mitarbeiter gezielter eingesetzt werden. "So sehen wir im Vorfeld, welche Führungen gebucht sind und welche nicht", erklärt Hendrik Konz. Zudem soll das Mineralogische Museum um Bergbau- und Ortsgeschichte erweitert werden. "Wir wollen etwas weg von der reinen Mineraliensammlung. "Eigentlich ist es hier ein riesiger Schatz, den wir haben", sagt Konz. Der müsse mehr ins Bewusstsein der Touristen und Besucher gerückt werden. Dafür will die Stadt auch große Umbau- und Sanierungsarbeiten über Tage angehen. Mehr als 6 Millionen Euro sollen investiert werden. Die Pläne sehen unter anderem eine gläserne Überdachung des Hofes, eine Verlegung des Einganges, mehr Licht und moderne Elemente vor. Ohne Fördermittel ist diese Millioneninvestition nicht zu stemmen. Ein Antrag wurde eingereicht.


Die Rückkehr der offenen Mettenschichten

Die Tradition der letzten Schicht der Bergleute vor Heiligabend - Mettenschicht - strahlt eine besondere Faszination auf Besucher aus. Aus diesem Grund werden nach einer mehrjährigen Pause die offenen Mettenschichten im Besucherbergwerk "Zinngrube" wiederbelebt. Reservierungen für die Adventszeit 2020 sind ab sofort möglich. Ruf: 037341 2557. Der Verkauf der Karten startet am 1. Juni. Termine: 27. November, 4., 11. und 18. Dezember. Preis: 35 Euro.

Das Winterferienprogramm mit Tag der offenen Tür in der Edelsteinschleiferei und täglich fünf Bergwerksführungen (außer montags) läuft noch bis 21. Februar.

Nordic Walking unter Tage - besonders geeignet für Allergiker - startet am 31. März. Der zweite Kurs in diesem Jahr beginnt am 6. Oktober. Gewalkt wird dann immer Dienstag und Freitag bis 24. April bzw. 30. Oktober.

Weitere Höhepunkte: Bergbauerlebnistage (6. und 7. Juni), Festwoche "25 Jahre Besucherbergwerk" (29. Juni - 5. Juli), Tag des traditionellen Handwerks (18. Oktober).

zinngrube.de

 


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