Modell von 16.000 Schiefern bedeckt

Dieter Fiedler hat St. Annen nachgebaut - mit unglaublicher Detailtreue. Von der Bastelei hat der Annaberger noch lange nicht genug.

Annaberg-Buchholz.

Dieter Fiedler hatte alles ganz anders geplant. Nur so ein Haus für die Weihnachtsdekoration sollte es werden, nicht so filigran. Doch dann kam ihm doch in den Sinn, ein Unikat zu basteln. Ein Gebäude mit wirklich allem Drum und Dran. Entstanden ist dann ein Modell einer der bedeutendsten spätgotischen Hallenkirchen Sachsens, der Annaberger St. Annenkirche. Und ganz sicher: Selbst die Erbauer des von 1499 bis 1525 geschaffenen Wahrzeichens der heutigen Kreisstadt würden vor dem Modell im Maßstab 1:100 den Hut ziehen. Denn das Kleinod ist an Modelltreue und seiner filigranen Gestaltung wohl nicht zu übertreffen.

Aus Sperrholz, Glasfaser, Furnier, Draht, Plastik und Farbe schuf der 66-Jährige ein wahres Kunstwerk. Die Steine, aus welchen die Kirche gebaut ist, hat der Edelbastler mit Modellierpaste und Pinsel aufmodelliert, Kupferbleche wurden imitiert, die Stufen reihenweise aufeinandergesetzt und bei den Steinquadern wurde tatsächlich ein Stein auf den anderen gesetzt. Der Rentner könnte stundenlang berichten, wenn es um alle Details geht. Da sind die feinen Leitern und Geländer aus Plast oder Draht. Die Bäume sind ehemalige Bonsaibäumchen, an denen der Modellbauer 2000 Blätter einzeln angeklebt hat. Und dann das Dach der Kirche: Das besteht aus 16.000 einzelnen Schiefern. "Die sind aus Fotokarton und jeder Dachschiefer wurde einzeln aufgeklebt", verrät der Annaberger. Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag präsentierte er sein Modell im Kirchturm des Originals.

Und mit dem Original hat sich der Bastler, der sich früher mit Flug- und Schiffsmodellbau befasste, intensiv beschäftigt. Dieter Fiedler hat unzählige Fotos vom Gotteshaus gemacht, hat unter anderem Fenster und Türen vermessen. Und so fehlt nicht einmal der Wetterhahn auf dem Dach. "Und auf der Nordseite, wo es feuchte Ecken gibt, habe ich die Verwitterungen dargestellt", verweist der Bastler, der aus der Textilbranche kommt, auf verschiedene "Alterungen". Und natürlich ist auch der Kirchturm der beim Original 78 Meter in die Höhe ragt, exakt 78 Zentimeter hoch. "Wunderschön und unübertroffen", so der Kommentar vieler Bewunderer. Dabei ist kaum zu glauben, dass der Annaberger bei der "Piepselei" in Reinkultur, nie die Geduld verloren hat. "Basteln ist mein Ein und Alles und es war der Spaß an der Freude, wenn es auch im positiven Sinne anstrengend war", sagt der Baumeister. Teils hat er mit der Lupe gearbeitet und in der Ruhe lag die Kraft. "Die Stunden die ich dafür gebraucht habe, hab ich nicht gezählt, ich führe ja kein Buch. Es gab auch Tage, wo ich das Basteln sein gelassen habe", verrät er.

Angefangen hat er sein Wunderwerk im Oktober 2014. Im Mai dieses Jahres bekam das Modell den letzten Schliff verpasst. Fast erübrigt sich zu erwähnen, dass die Kirche natürlich auch beleuchtet ist und dabei auch die Außenlaternen nicht fehlen.

Eine Weihnachtsdeko ist es freilich nicht geworden. "Denn bei einem beschneiten Modell würden alle Details verschwinden", gibt der Annaberger zu bedenken. Zuhause soll das Modell einen würdigen Platz finden.

In nächster Zeit wird die Kirche aber erst noch im "Erzhammer" präsentiert. Dieter Fiedler hat aber von der ganzen Bauerei noch lange nicht genug. Es gibt nämlich konkrete Pläne für ein neues, noch größeres Modell. Mehr verrät er nicht. "Was ich als nächstes in Angriff nehme, bleibt noch geheim", betont er schmunzelnd.

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