Mundart-Wettbewerb 2020: Liebeserklärungen an fast 50 Orte

Das Erzgebirge ist einzig - auch wegen der Sprache. "Freie Presse" und Erzgebirgsverein schauen dem Volk aufs Maul. Heute: Viel Stoff für den geplanten neuen Mundart-Song der Region. Die Aktion ist nunmehr auf der Zielgeraden.

Erzgebirge.

Die Idee hat gezündet: Gut 60 Hobby-Poeten aus nah und fern haben sich in den vergangenen Wochen richtig tolle Reime für fast 50 Orte im Erzgebirge einfallen lassen - und damit eine gute Basis für einen neuen Erzgebirgshit gelegt. Kurz vor Ostern hatten die "Freie Presse" und der Erzgebirgsverein die Suche nach dem Erzgebirgischen Mundartwort 2020 im Themenbereich Hobby & Freizeit gestartet und zugleich aufgerufen, bis Ende August eine achtzeilige Hommage auf den jeweiligen Lieblingsort im Erzgebirge zu reimen. Jurymitglied Hendrik Seibt aus Gelenau war sofort von der Idee begeistert und komponierte ruckzuck eine Melodie, die ins Ohr geht. Schnell war auch eine Beispiel-Strophe getextet als Vorlage zum Reinhören und Reindenken - und natürlich zum Bessermachen. Der Zuspruch für die Aktion sowohl unter Erzgebirgern als auch Uhiesschen hat Mundartsänger Seibt überrascht. "Wahnsinn, wie viele mitgemacht haben", so der Mundartsänger und Komponist. Die meisten Zusendungen kamen bislang aus Annaberg-Buchholz und seinen Ortsteilen sowie aus Ehrenfriedersdorf und Zwönitz.

Nicht nur vor Seibt liegt nun ein großes Stück Arbeit. Die gesamte Jury muss Anfang September aus den Zusendungen zehn Mundartwörter für die öffentliche Abstimmung favorisieren sowie die besten Reime für den neuen Erzgebirgshit auswählen. Dieser soll dann erstmals bei der diesjährigen Abschlussveranstaltung für die Kür des Erzgebirgischen Mundartwortes 2020 zu hören sein. Laut Organisatorin Carmen Krüger vom Erzgebirgsverein soll diese am 8. November im Volkshaus Thum stattfinden. Noch bis 31. August können Strophen für den Song eingereicht werden. Dabei ist jedoch einiges zu beachten. Schon zwei mal seit Ostern hat "Freie Presse" einige der zugesandten Reime vorgestellt. Nun folgt eine dritte Auflage:

Konrad Grahnert reimte sich über Reitzenhain zusammen:

Kimmst'e de Stroß noch Dreitzenhah,
do bist de dor Grenz schu ganz nah.
E Liedle gibt's a noch heit,
versprochen war's, erhult hom sich de Leit.
Dos Liedle "Mei schie's Dreitzenhah"
mir gam dormiet fei net a.
Sugar heit is an alln noch wos dra,
Unnre Ortsstroß is ja ka Autobah.

Doris Kalkbrenner fiel zu Ehrenfriedersdorf dies ein:

Ehrnfriedersdorf ne Bargstadt is,
die kennt e jeder ganz gewiss.
Zun Sauberg drubn an Förderschacht, im Röhrgrobn Wasser wur gebracht.
Gesammelt hinnern Greifnstä,
in Geyrischn Teich ganz in dr Näh.
Dos Stadl un dr Wald sei schie,
do zieht's miech immer wiede hie.

Gerd Gemeinhardt drückt seine Liebe zu Hohndorf so aus:

Mei Huhdorf is fei warklich schie,
am Waldschlössel fängt's ah,
un wenn mer auf'n Glück-Auf-Turm gieh,
do kann mers übersah.
Eh schiener Ahblick is de Kärch,
de Spitz guckt weit naus ins Land.
Se is mit de schännste vom Gebärch
un weit un braat bekannt.

Regine Seifert meint über ihren Ort Hormersdorf:

Hormersdorf gehärt ze Zwäntz,
do gibt's viel Faste - heier käns.
E Museum hobn mir aah,
'ne Mundartuhr, die muss mer sah.
Alle Haiseln sei in Schuss,
fährt mer durch'n Ort, s is e Genuss.
S Ehrenmol grüßt vom Barg ubnhie.
Ja, unner Hormersdorf is schie.

Kerstin Niebert schrieb eine Hommage auf ihr Zschorlau:

Oh Schorl wie bist du su schie,
guck iech aus men Fanster sah iech in Türkschacht stie!
Guck iech aus nen annern, sah iech is ganze Dorf,
de Kirch, de Schul, de Hauptstroß dingsnauf,
un uhm drüber is dor Wald mit'n Staabarg uhm drauf.
Un zwitschern de Vugeln un frassn sich voll,
fühl iech mich drham
in meiner Schorl.   

Zu Krumhermersdorf fasste Frank Weber dies in einen Reim:

Fußball hat ah früher Stand,
FC Krumhermersdorf war gut bekannt.
Dr Göpfertbäck hot viel bewegt,
un de Tradition wird ah gut gepflegt.
E grußer Schwibbogn leecht in de Walt,
un alle finden mit enanner grußen Halt.
In dar viel bewegten Zeit,
Zesammhalten alle Krumhermersdorfer Leit.

Über sein Meinersdorf dichtete Peter Kügler:

Mei Mänersdorf, das lob ich mir,
mir ham 'ne Ziech als Wappentier,
un drüm war'n mir, das ist bekannt,
im Volksmund Mekka bluß genannt.
E Knutenpunkt für Bah und Bus,
für dan, der schnell nach Chams nei muß.
Mir ham en Gasthuf, dan "zur Post",
der hat a net bluß Hausmannskost.


Reime auf diese Orte schon da

Seit dem Start des Erzgebirgischen Mundartwettbewerbes zu Osterndieses Jahres sind gereimte Lieblingserklärungen bislang zu folgenden Orten im Erzgebirge eingetroffen:

Amtsberg, Arnsfeld, Annaberg-Buchholz, Aue-Bad Schlema, Crottendorf, Cunersdorf, Deutschneudorf, Dittmannsdorf, Drebach, Ehrenfriedersdorf, Forchheim, Frohnau, Gelenau, Geyer, Grießbach,Großolbersdorf, Hammerunterwiesenthal, Herold, Hohndorf, Hormersdorf, Jahnsbach, Königswalde, Krumhermersdorf, Lauta, Lauter-Bernsbach, Marienberg, Meinersdorf, Neuhausen, Oberpfannenstiel, Oelsnitz, Pöhla,Reitzenhain, Scharfenstein, Schlettau, Schlößchen, Schönbrunn, Schönheide, Schwar- zenberg,Sehmatal, Stollberg, Steinbach, Thum, Venusberg, Weißbach, Wilischthal, Zschopau Zschorlau, Zwönitz. (alu)


Machen Sie sich einen Reim auf Orte ... und einen Kopf um Worte

Die noch bis 31. August laufende Suche nach dem Erzgebirgischen Mundartwort 2020, gemeinsam organisiert von "Freie Presse" und Erzgebirgsverein, hat es in sich: Dieses Mal geht es nicht nur um Worte zum Thema Hobby & Freizeit, sondern auch um Reime und einen Song.

Für einen neuen Erzgebirgssong hat Mundart-Musiker Hendrik Seibt bereits die Melodie komponiert und einen Beispiel-Reim gemacht - natürlich auf seinen Heimatort:

Zwischen Annabarch un Chams, do liecht a Ort mit Sonnenglanz!

Dieser Ort is werklich schie,

ne klare Dorfbooch, Walder grie!

Dieser Ort ist ellenlang,

de Gälner zieh nan änem Strang!

Uhm fällst de hie, es Bäh kaputt, in Niedergäln bist Du schu tud!

Nun ist es an Ihnen! Bringen Sie Ihren Wohn- oder Lieblingsort humorvoll in ebenso langen acht sich reimenden Zeilen in erzgebirgischer Mundart auf den Punkt. Eine Jury wird die schönsten auswählen.

Ihren Achtzeiler, gern auch in einem Video vorgetragen, senden Sie an: Freie Presse, Markt 8 in 09456 Annaberg-Buchholz oder per E-Mail an:

red.annaberg@freiepresse.de. (alu)

 

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